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Der Hunderteinjährige, der die Rechnung nicht bezahlte und verschwand
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Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,5
durchschnittlich
Der Hunderteinjährige, der die Rechnung nicht bezahlte und verschwand
Von
Manche Vorlagen sind so gut, dass man sie nicht einfach aufgibt, nur weil es kein neues Material mehr zum Adaptieren gibt: Zuschauer des TV-Fantasy-Megahits „Game Of Thrones“ können ein Lied davon singen. Da geht die Serie trotzdem planmäßig weiter, obwohl Buchautor George R.R. Martin die Gier der Fans nach immer neuen Geschichten aus Eis und Feuer nicht mehr pünktlich stillen kann. In einer ähnlichen Situation wie die „Game Of Thrones“-Macher befand sich auch Regisseur Felix Herngren, der mit der 2013er Verfilmung von Jonas Jonassons Bestseller „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ einen weltweiten Überraschungserfolg feierte. Der Filmemacher fragte bei seinem schwedischen Landsmann nach, ob er vorhabe, einen weiteren Roman mit dem beliebten Greisen Allan Karlsson zu schreiben, was der Autor fröhlich bejahte. Diesen Worten folgten allerdings bislang keine schriftstellerischen Taten. Deshalb nahm Herngren sein Schicksal selbst in die Hand, holte seinen Bruder Mans Herngren als Co-Regisseur an Bord und sponn die Geschichte mit Drehbuchautor Hans Ingemansson auf eigene Faust weiter. Doch damit beginnen auch die Probleme: Die skurrile Road-Movie-Komödie „Der Hunderteinjährige, der die Rechnung nicht bezahlte und verschwand“ ist ein überwiegend lauwarmer Aufguss der Originalstory. Nicht nur der Überraschungseffekt ist dahin, sondern auch der unverwechselbare Esprit des Stoffes blitzt nur gelegentlich auf.

Am Ende haben sie Gangster Pim (Alan Ford) und seine Gang abgezockt und sind mit einem Riesenbatzen Geld durchgebrannt. Jetzt leben der mittlerweile 101-jährige Allan Karlsson (Robert Gustafsson), Benny (David Wiberg), dessen schwangere Freundin Miriam (Shima Niavarani), Julius (Iwar Wiklander) und Ex-Ganove Pike (Jens Hultén) an den traumhaften Stränden Balis und genießen den Reichtum – dumm nur, dass die Truppe das Geld fast schon verprasst hat. Doch als Allan seine allerletzte Flasche Volkssoda herauskramt, eröffnet sich plötzlich eine neue Möglichkeit, an Geld zu kommen: Die Brause ist eine geschmackliche Sensation. Die Clique versucht in Berlin das Rezept des Wundergesöffs wiederzubeschaffen, wo es im Kalten Krieg Gegenstand einer Staatskrise zwischen Ost und West war. Neben Allans Gang sucht auch die Russin Kristina (Svetlana Rodina Ljungkvist) seit Jahren nach dem Rezept, das ihr Vater, der Spion Popov (Georg Nikoloff), ihr damals vererben wollte. Die Aktivitäten in Sachen Limonade bleiben indes nicht unbemerkt und bald haben Allan und Co. die CIA, schwedische Polizisten und ein paar gierige Gangster an der Hacke…



Felix Herngrens aberwitzig-originelle Bestseller-Verfilmung „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster sprang und verschwand“ hatte auch schon ihre kleinen Schwächen, die wurden in jener Odyssee des überkandidelten Wahnsinns allerdings durch reichlich Chuzpe, Spielfreude und Anarchie weitgehend wettgemacht. Allans Irrlichtern durch die Historie, irgendwo zwischen „Forrest Gump“ und „Zelig“, war einfach höllisch unterhaltsam. Das Konzept der Verkettung unglücklich(st)er Umstände und Zufälle regiert nun auch in der vom Vorlagenautor Jonas Jonasson autorisierten, doch ohne dessen aktive Beteiligung entstandenen Fortsetzung. Genau wie schon beim Titel „Der Hunderteinjährige, der die Rechnung nicht bezahlte und verschwand“ setzen der Regisseur und sein Bruder Mats dabei auf Kontinuität, wodurch das Prozedere dieses Mal von vornherein nicht mehr so frisch rüberkommt wie beim Vorgänger. Die Gegenwartsstory mit ihren wechselnden Schauplätzen Bali, Moskau, Berlin und Schweden ist im Grunde noch irrsinniger als beim ersten Film, wirkt aber gerade deshalb auch deutlich bemühter und noch mehr an den Haaren herbeigezogen.

Eine der Hauptattraktionen des „Hundertjährigen“ waren die Rückblicke auf Allans Spionagekarriere, die sich zu einem kuriosen Streifzug durch die Zeitgeschichte gefügt haben. Ebenso wie Allans Drang, alles in die Luft zu sprengen, werden diese Flashbacks beim zweiten Kinoauftritt des Methusalems deutlich zurückgefahren. Und doch sind die nostalgischen Sequenzen die besten des Films, wenn reale historische Personen in bizarren Episoden auf den moralisch geschmeidigen Doppelagenten Allan Karlsson treffen, der von Robert Gustavsson einmal mehr mit knochentrockener Ungerührtheit ausgestattet wird. Ein Teil der Leichtigkeit, die in der zumeist zähen Rahmengeschichte abhandengekommen ist, findet sich in diesen satirischen Retro-Szenen wieder: Sowjetführer Leonid Breschnew, US-Präsident Richard Nixon und sein Außenminister Henry Kissinger führen im Kalten Krieg auch noch einen Kampf der Kulturen. Während die sowjetischen Versuche, mit Rockmusik die Weltherrschaft zu erringen, kläglich-amüsant scheitern, sehen die USA im Volkssoda eine potente wirtschaftliche Waffe und damit eine Konkurrenz, die es auszuschalten gilt – denn Coca Cola stünde vor der  Ablösung als größte Getränke-Weltmarke. Es ist, als würde an der Brause-Front der Krieg der Weltanschauungen entschieden: Hier erinnert Herngrens Film nicht nur an Billy Wilders „Eins, zwei, drei“, sondern ist endlich so wild und anarchisch wie in den besten Momenten des ersten Teils.

Fazit: Felix und Mans Herngren setzen ein paar unterhaltsam-bissige Spitzen, kommen mit ihrer Komödien-Fortsetzung „Der Hunderteinjährige, der die Rechnung nicht bezahlte und verschwand“ jedoch nicht an die satirische Wucht des Originals heran.

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