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Grießnockerlaffäre
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,5
gut
Grießnockerlaffäre
Von
Ed Herzogs bisherige Verfilmungen von Rita Falks Eberhofer-Krimis sind mit zusammen 1,6 Millionen Besuchern zu einem regelrechten bayerischen Erfolgsfranchise geworden und das im wahrsten Sinne des Wortes, denn „Dampfnudelblues“, „Winterkartoffelknödel“ und „Schweinskopf al dente“ waren (fast) ausschließlich in süddeutschen Kinos zu sehen. Man hat also schon einkalkuliert, dass die deftig-liebevollen Karikaturen bajuwarischer Gepflogenheiten auf der anderen Seite des Weißwurstäquators auf weniger Gegenliebe stoßen als in der Heimat. Und diese Überlegung ist sicher nicht vollständig von der Hand zu weisen, schließlich lässt sich regional geprägter Humor generell meist nur schwer „exportieren“. Aber davon ganz abgesehen waren die Schwächen im vorigen Film der Reihe unübersehbar und hatten nichts mit seinem Schauplatz zu tun, denn „Schweinskopf al dente“ krankte vor allem an seiner Überfrachtung mit zahlreichen banalen Nebenhandlungssträngen, die ihm Spannung und Dynamik raubten. Nun gerät Sebastian Bezzel („Vatertage“) als Kommissar Franz Eberhofer in eine „Grießnockerlaffäre“ und dabei sorgt Regisseur Herzog für einige Überraschungen und lässt die klassische Whodunit-Dramaturgie hinter sich. Außerdem läuft das Schauspielensemble in diesem spannenden Krimi einmal mehr zur Höchstform auf.

Auf der Hochzeitsfeier eines Kollegen legt sich Kriminalkommissar Franz Eberhofer (Sebastian Bezzel) mit dem verhassten Vorgesetzten Barschl (Francis Fulton-Smith) an. Am nächsten Morgen ist dieser tot – erstochen mit dem Messer, mit dem Franz am Abend zuvor noch seine Schweinshaxe zerlegt hatte. Der ahnungslose Ermittler kommt zunächst in Untersuchungshaft, erhält aber schon wenige Stunden später ein Alibi von seinem Alt-Hippie-Vater Franz (Eisi Gulp) und wird notgedrungen von der jungen, ehrgeizigen Ermittlerin „Thin Lizzy“ (Nora von Waldstätten) freigelassen. Gemeinsam mit seinem besten Freund Rudi (Simon Schwarz) ermittelt Franz auf eigene Faust und nimmt die Spur von Barschls Witwe Ivana (Lilith Stangenberg) auf, die – wie so ziemlich alle in Niederkaltenkirchen – ein Motiv für die Tat gehabt hätte. Doch noch ein anderer Todesfall im Dorf gibt Franz Rätsel auf: Weshalb gibt sich die von allem belächelte Außenseiterin Annemarie Hausladen (Franziska Singer) die Schuld daran, dass ihr Vater die Treppe heruntergestürzt ist?

Grießnockerlaffäre Trailer DF


In so ziemlich jeder Krimireihe kommt irgendwann die Folge, in der die Hauptfigur selbst ins Visier der Ermittlungen gerät, das ist auch in Rita Falks Eberhofer-Büchern nicht anders. Ed Herzog und sein Drehbuchautor Stefan Betz (schrieb auch schon das Skript zu „Schweinskopf al dente“) nutzen den damit einhergehenden Rollentausch dazu, ihrer Kinoversion des Kommissars jede Menge neue Facetten zu verleihen. Sie lassen zwar nie echte Zweifel an der Unschuld des Polizisten aufkommen, aber durch den Verdacht wird der Protagonist so sehr in die Ecke gedrängt, dass der knochentrockene Sarkasmus in Sebastian Bezzels herrlich bissiger Interpretation der Figur umso besser zur Geltung kommt. Wenn die Kollegen dem Franz immer wieder unverhohlen zu seiner vermeintlichen Mordtat gratulieren, denn vom Ableben des von Francis Fulton-Smith als absolut widerwärtigen Zeitgenossen dargestellten Barschl profitieren sie alle, dann ist der nicht nur zunehmend genervt, sondern entwickelt auch einen starken Ehrgeiz, den wahren Täter selbst festzunageln – und dabei bekommt er Gelegenheit, zünftig vom Leder zu ziehen.

Stark ist auch die Auflösung des Falls, der sich wie in der Vorlage als ausgetüfteltes Mordkomplott entpuppt. Wo „Schweinskopf al dente“ durch diverse breit ausgewalzte Subplots wie etwa Franz‘ On-Off-Liebelei mit seiner Freundin Susi (Lisa Maria Potthoff) immer wieder ausgebremst wurde, steht in „Grießnockerlaffäre“ mehr die Krimispannung im Mittelpunkt, was aber nicht heißt, dass Humor und Emotionen auf der Strecke bleiben. Für die gefühligeren Momente sorgen Franz‘ Oma (Enzi Fuchs, „Der Bergdoktor“) und ihre nach Jahrzehnten plötzlich vor der Tür stehende Jugendliebe Paul (Branko Samarovski, „Das weiße Band“), die Turteleien der beiden Senioren sind niedlich anzusehen und emotional glaubwürdig, auch wenn ihre Beziehung nicht sehr vertieft wird. Dazu sorgen einige Reihenneuzugänge für frischen Wind. „Wild“-Star Lilith Stangenberg sticht als Barschl-Witwe Ivana besonders hervor. Mit ihrer eiskalten und dennoch unschuldig wirkenden Attitüde wird sie zu einem unkalkulierbaren Faktor bei den Ermittlungen und trägt wesentlich dazu bei, dass die Spannung bis zuletzt erhalten bleibt. Und Nora von Waldstättens („Die dunkle Seite des Mondes“) überambitionierte, toughe Ermittlerin mit dem Spitznamen „Thin Lizzy“ prallt immer wieder amüsant mit Eberhofer zusammen, davon würden wir in kommenden Filmen gern mehr sehen.

Fazit: Nach dem lauen „Schweinskopf al dente“ ist „Grießnockerlaffäre“ mit seiner Mischung aus bitterbösem Witz, einem spannenden Kriminalfall und starken Neuzugängen der bislang beste Teil der Eberhofer-Reihe.
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