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    Immigration Game
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Immigration Game
    Von Gregor Torinus
    Die sogenannte Flüchtlingskrise ist ein Dauerbrenner in den Nachrichten und inzwischen nimmt sich auch das deutsche Genrekino dieses Themas an. So entwarf Tarek Ehlail in dem Thrillerdrama „Volt“ eine düstere Dystopie, in der Einwanderer in polizeilich überwachte „Transitzonen“ weggesperrt werden. Jetzt legt Krystof Zlatnik mit dem Actionthriller „Immigration Game“ noch deutlich einen drauf. Mit äußerstem Zynismus und kompromissloser Härte schildert er eine alternative Gegenwart, in der nur noch derjenige als Flüchtling in der Bundesrepublik aufgenommen wird, der erfolgreich in dem titelgebenden Spiel um sein Leben kämpft:  Eine Aufenthaltsgenehmigung erhält nur, wer es als Zielscheibe einer perfiden Menschenjagd aus der Berliner Peripherie bis zum Fernsehturm am Alexanderplatz schafft. Der gebürtige Stuttgarter Zlatnik („Lys“) präsentiert seinen Zuschauern eine provokant-knüppelharte Schlachtplatte, die vor allem als schnörkellos-solider Actionreißer überzeugt.

    Deutschland im Jahr 2016: Die im Fernsehen, über Videowände in der Stadt und per Internet übertragene Show „Immigration Game“ ist der absolute Liebling des deutschen Publikums. In ihr treten Immigrationswillige als „Runner“ gegen „Hunter“ genannte Killertruppen an. Außer dem Gebrauch von Schusswaffen ist jedes Mittel erlaubt, die Einwanderer umzubringen. Mit schweren Eisenstangen, Metallknüppeln und Messern gehen die Hunter auf die Runner los, um diese vom Erreichen des Berliner Funkturms - und somit vom Erlangen eines offiziellen Bleiberechts abzubringen. Einer der scheinbar eher wenigen deutschen Staatsbürger, der dieses zynische Spiel gar nicht leiden kann, ist Joe (Mathis Landwehr, „Allein gegen die Zeit - Der Film“). Als er einen Runner gegen einen Hunter-Trupp in Schutz zu nehmen versucht, kommt es zu einem Unfall, bei dem ein Hunter stirbt. Joe wird inhaftiert und vor die Wahl gestellt, entweder wegen Mordes angeklagt zu werden oder selbst als Runner am Spiel teilzunehmen...



    Sadistische und potenziell tödliche „Spiele“ haben im Kino gerade Hochkonjunktur. Am bekanntesten ist sicherlich die Fantasy-Saga „Die Tribute von Panem“. Aber auch der in einer alternativen Gegenwart angesiedelte „The Purge - Die Säuberung“ und seine Sequels kamen so gut beim Publikum an, dass mittlerweile bereits ein vierter Teil angekündigt ist. Am Puls der Zeit bewegt sich nun auch Regisseur und Drehbuchautor Krystof Zlatnik mit „Immigration Game“ und dabei wird die politische Brisanz des Szenarios durch die schonungslos herausgestellte Brutalität des Geschehens noch unterstrichen. Zwar werden hier nicht wie etwa in „The Raid 2“ Köpfe mit metallenen Baseballschlägern zu Brei zermanscht. Aber auf Menschen eingeknüppelt, bis alleine das Zusehen weh tut, wird auch hier. Und egal, wie finster das Geschehen auf der Leinwand gerade ist: Die Handkamera ist stets ganz nah dran. Dies verleiht dem Film eine hohe Unmittelbarkeit sowie eine beeindruckende Intensität und steigert zudem die ohnehin hohe Spannung noch.

    Dabei setzt Zlatnik nicht nur auf unser generelles Mitgefühl für die gejagten Außenseiter, sondern verdeutlicht recht clever auch die Perfidie und Realitätsferne bestimmter oft vorgebrachter „Argumente“ gegen Einwanderer aller Art und Fremde im Allgemeinen. So wird hier etwa ganz deutlich, dass Deutschland natürlich längst ein multikulturelles Land ist, wodurch der Kampf der schon rein äußerlich ganz und gar nicht homogenen Gruppe der deutschen Staatsbürger gegen die ungeliebten Neuankömmlinge nicht nur bitter, sondern oftmals auch reichlich absurd wirkt. Anders als etwa Tom Toelle, der bereits 1970 mit „Das Millionenspiel“ von einer vergleichbaren tödlichen Fernsehshow erzählte, trägt Zlatnik seine kritisch-aufklärerischen Absichten allerdings recht aufdringlich zur Schau. Der unbedingte Wille zur wirklich wichtigen und eindeutigen Aussage führt außerdem gerade gegen Ende dazu, dass die Perspektive auf die komplexen Probleme stark verengt wird und der Film mitunter arg belehrend daherkommt - so ist der Erkenntnisgewinn letztlich eher gering. Der politische Anspruch wird also nur bedingt eingelöst, aber innerhalb der Genregrenzen funktioniert „Immigration Game“ erstaunlich gut.

    Fazit: In „Immigration Game“ kombiniert Regisseur Krystof Zlatnik knallharte Thriller-Action mit dem Streitthema Flüchtlinge zu einem anregenden, wenn auch etwas überambitionierten Genrefilm.
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