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Wir sind Champions
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,5
gut
Wir sind Champions
Von
Mit Basketballspielen ist es wie mit Genrefilmen: Jeder kennt die Regeln, Ablauf und Länge des Matches sind vorher klar – und so liegt es allein an den Spielern auf dem Platz, mit ihrem Talent und ihrer Kreativität für die nötige Variation und Spannung zu sorgen, damit sich auch Zuschauer, die schon zahllose ähnliche Spiele gesehen haben, nicht zu Tode langweilen. Auch Javier Fessers Sportkomödie „Wir sind Champions“, der bisher zweiterfolgreichste Film dieses Jahr an den spanischen Kinokassen hinter „Avengers 3: Infinity War“, erzählt mit seiner Geschichte über einen hochnäsigen Egoisten, der durch das Trainieren einer ungewöhnlichen Basketballmannschaft seine Menschlichkeit wiederfindet, nichts Neues. Aber der Regisseur versieht sie mit genug Charme, Kniff und Gefühl, dass man gerne zuschaut und bis zum großen Finale mitfiebert.

Der besagte Unsympath ist Marco (Javier Gutiérrez), der als Assistenztrainer einer spanischen Basketballmannschaft nicht die Anerkennung erhält, die ihm seiner Meinung nach zusteht. Frustriert über seinen Status als Nr. 2 und den Kinderwunsch seiner Ehefrau gibt er sich dem Alkohol hin, bis er volltrunken gegen einen parkenden Polizeiwagen rast. Die Richterin im folgenden Gerichtsprozess hat eine besonders kreative Strafe für ihn parat: Er soll seine Sozialstunden damit verbringen, die aus geistig behinderten Spielern bestehende Basketballmannschaft „Los Amigos“ zu trainieren. Erst sperrt sich der menschlich sichtlich überforderte Marco noch, aber dann gewinnt er immer mehr Respekt vor dem ungeahnten Talent seines Teams...


Wie ein arroganter, miesepetriger Misanthrop so langsam seine Menschlichkeit wiederfindet, das verläuft auch in Javier Fessers mit leichter Hand erzählter Feel-Good-Komödie nach dem gängigen Muster vergleichbarer Sportfilme. Ein Mann verliert die Kontrolle über sein Leben – auch wegen einem völlig verzerrten Selbstbild. Es kommt zur Krise und zu einem einschneidenden Erlebnis, das ihn dazu zwingt, sich mit der sportlichen Ausbildung eines Sportlers oder gleich eines ganzen Teams zu befassen, was ihm wiederrum eine ganz neue, erfüllendere Sicht auf die Welt und das Leben eröffnet. So gesehen bereits in „Mighty Ducks - Das Superteam“ (1992), „Cool Runnings“ (1993), „Kingpin“ (1996), „Spiel ohne Regeln“ (2005) und etlichen weiteren ähnlich gestrickten Filmen…

Was also macht „Wir sind Champions“ anders?

Zunächst einmal ist es hier zun Glück nicht die Aufgabe der auch selbst geistig behinderten Darsteller, die hier allesamt ihr Kinodebüt geben, einfach nur das Mitleid und die Sympathien des Publikums abzustauben. Kameramann Cheechu Graf schreckt im Gegenteil bei seinen mitunter wenig schmeichelhaften Nahaufnahmen auch vor den physischen Eigenheiten der Spieler nicht zurück, während das liebevoll gestaltete Skript ihnen viel Zeit einräumt, um als eigene, spleenige Normalos mit ihren ganz eigenen Traumata und Herausforderungen zu überzeugen. So nimmt ihre Entwicklung einen gleichwertigen Raum ein neben der des nominellen Protagonisten Marco - vor allem begeistert Collantes (Gloria Romas), eine schlagfertige Teenagerin mit Down-Syndrom und jeder Menge Street-Cred, die zunächst mal dadurch auffällt, dass sie ihre Gegenüber auch den Schritt tritt, wenn es sein muss.

Zudem ist das gradlinige Skript mit so vielen lustigen Sprüchen und auch rührenden Momenten gespickt, dass man trotz der etwas zu langen Laufzeit von zwei Stunden nicht anders kann, als speziell von der zweiten Hälfte und natürlich dem großen Finalspiel mitgerissen zu werden. Während der Film zu Beginn noch vergleichsweise geerdet ist, wird er immer fantastischer, sobald es mit der Vorbereitung auf das große Entscheidungsspiel losgeht. Aber zu dieser Zeit kochen die Emotionen nicht nur bei den supermotivierten Spielern, sondern auch beim Publikum so hoch, dass man sowieso schon mit jedem einzelnen Team-Spieler mitfiebert und ihre kleinen und großen Triumphe gleichermaßen feiert.

Fazit: Bereits 1,8 Millionen spanische Zuschauer konnten sich dieses Jahr für Regisseur Javier Fessers humorvolle Wohlfühl-Sportkomödie „Wir sind Champions“ erwärmen - und der Film macht es einem mit seinen tollen Darstellern, schrägen Figuren und viel warmherziger Situationskomik auch wirklich leicht, ihn zu mögen.
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