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    Slaughterhouse Rulez
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    1,0
    schlecht
    Slaughterhouse Rulez

    Wohl eher: "Slaughterhouse Suckz"

    Von Benjamin Hecht
    Schon sein Debütfilm „Die fürchterliche Furcht vor dem Fürchterlichen“ über einen hypochondrischen Romanautor, der schließlich in die Fänge eines Serienkillers aus der Nachbarschaft gerät, entpuppte sich als eher enttäuschendes Durcheinander: Weder Fisch noch Fleisch war der tonal uneinheitliche Film letztendlich weder lustig noch gruselig genug. Aber zumindest die Partnerschaft zwischen dem Regisseur und Drehbuchautor Crispian Mills und seinem Hauptdarsteller Simon Pegg hatte auch über den Flop hinaus bestand. Und so ist der zweite Spielfilm des Sängers und Gitarristen der Britpop-Band Kula Shaker nun zugleich auch die erste Produktion des von Simon Pegg und Nick Frost neugegründeten Studios Stolen Picture. Trotz der namhaften Partnerschaft entpuppt sich die Monster-Horror-Komödie „Slaughterhouse Rulez“ jedoch erneut als herbe Enttäuschung – und das trotz offensichtlicher Parallelen zur legendären Cornetto-Trilogie („Shaun Of The Dead“, „Hot Fuzz“, „The World’s End“), die die beiden britischen Kultkomiker zuvor mit Edgar Wright umgesetzt haben.

    Der Teenager Don Wallace (Finn Cole) wird von seiner Mutter (Jo Hartley) auf ein Internat mit dem ungewöhnlichen Namen Slaughterhouse geschickt. Egal ob Schüler, Lehrer oder Mitarbeiter der Anstalt, scheinbar haben dort alle eine Macke. Don landet im Haus Sparta – genau wie alle anderen Jungen, die nicht sportlich genug für Olympus und nicht schlau genug für Xenophon sind. Im Haus Andromeda sind derweil nur die Mädchen untergebracht, die seit kurzem ebenfalls die elitäre Bildungseinrichtung besuchen dürfen . Eine davon ist Clemsie Lawrence (Hermione Corfield), in die sich Wallace prompt verliebt. Wallace‘ Zimmergenosse Willoughby Blake (Asa Butterfield) scheint unterdessen ein finsteres Geheimnis mit sich herumzutragen und auch der Vertrauenslehrer Houseman (Simon Pegg) wird von seiner Vergangenheit geplagt. Aber die eigentliche Gefahr lauert im nahegelegenen Wald, wo ein Fracking-Unternehmen auf der Suche nach Erdgas gerade ein gewaltiges Loch buddelt...

    Schulleiter The Bat (Michael Sheen) zelebriert seinen standesgemäßen Auftritt zu Beginn des Schuljahres.


    Das Potenzial wäre dagewesen: Die skurrile Lehranstalt weckt nicht nur wegen der Aufteilung in vier Häuser Erinnerungen an Hogwarts. Auch bei den Schuluniformen, einzelnen Kameraperspektiven sowie der Antagonisten-Figur Clegg (Tom Rhys Harries), einer Art Draco Malfoy mit Faschismus-Attitüde, hat sich Crispian Mills deutlich von J.K. Rowlings Fantasy-Universum inspirieren lassen. „Slaughterhouse Rulez“ hätte also so etwas wie die Cornetto-Version von „Harry Potter“ werden können, auch weil die skurrilen Internatsbewohner durchaus an die Einheimischen des kleinen britischen Dorfes Sandford aus Edgar Wrights „Hot Fuzz“ erinnern . Aber Fehlanzeige! Statt den anarchisch-schwarzhumorigen Geist der Cornetto-Trilogie zu versprühen, fehlt es der Horror-Komödie an allen Ecken und Enden an Charme, Witz und Tempo.

    Selbst Margot Robbie nervt


    Das geht schon bei den jugendlichen Hauptfiguren los. Nur Asa Butterfield zeigt zumindest ein wenig Charisma, während alle anderen – inklusive des farblosen Protagonisten – absolut blass bleiben. Nicht einmal Simon Pegg und Nick Frost können da in ihren karikaturesken Nebenrollen wirklich was reißen – wobei es eh eine seltendämliche Idee war, die beiden nur für eine einzige Mini-Szene gemeinsam auf der Leinwand auftreten zu lassen. Noch verschenkter ist nur das Gastspiel von Margot Robbie, die als Peggs Bald-Ex-Freundin lediglich auf einem Handybildschirm zu sehen ist – wahrscheinlich eine kleine Gefälligkeit für Pegg, mit dem Robbie schon an „Terminal“ zusammengearbeitet hat. Natürlich hilft es bei der Vermarktung, wenn man den „Suicide Squad“-Star in seiner Cast-Liste stehen hat – aber den Film bremsen die Szenen einfach nur aus, ohne dass sie irgendwas beisteuern würde.

    Insgesamt krankt der Film an einer miesen Inszenierung. Da gibt es vollkommen unlogische und mit lauten Soundeffekten forcierte Jumpscares, viele visuelle Spielereien wie wirre Reißschwenks wirken zudem wie schlecht von Edgar Wright kopiert. Der „Baby Driver“-Regisseur ist eben ein Virtuose auf seinem Gebiet – und diesen Stil zu kopieren erfordert Präzision und Timing , zwei Qualitäten, die Mills allerdings vollkommen abgehen. So klammert sich die erste Hälfte des Films vor allem an den am Horizont winkenden Twist, von dem man die ganze Zeit weiß, dass er irgendwann kommen und das Internat in ein (blutiges) Chaos stürzen wird. Aber dann wird der Film nach der Wendung eher noch schlechter als besser...

    Achtung: Spoiler im nächsten Absatz!

    Wenn aus dem Fracking-Loch plötzlich monströse Maulwurfratten krabbeln und bei einer griechischen Studentenorgie ein blutiges Gemetzel anrichten, schnellt das Adrenalin nur ganz kurz in die Höhe. Aber dann fallen doch nur generische Monster auf generische Weise über eine generische Protagonisten-Truppe her. Schrecklich langweilig. Zumal all die skurrile Charaktervorarbeit der ersten Hälfte plötzlich praktisch keine Rolle mehr spielt. Damit hat „Slaughterhouse Rulez“ ein ganz ähnliches Problem wie auch schon „Die fürchterliche Angst vor dem Fürchterlichen“: Mills schafft es nicht, die verschiedenen Genres wie sein Vorbild Wright zu einem begeisternd-absurden Ganzen zusammenzumischen, stattdessen reiht er die Genres einfach aneinander, wobei die einzelnen Abschnitte vom erzählerischen Ton her kaum bis gar nicht zusammenpassen. Sein Titelversprechen kann der Film so jedenfalls zu keinem Zeitpunkt einlösen.

    Fazit: „Shaun Of The Dead“, „Hot Fuzz“, „The World’s End“ – die splattrige Fantasy-Komödie „Slaughterhouse Rulez“ versucht sich in diese hochkarätige Filmserie einzureihen, sollte aber ab diesem Zeitpunkt am besten nie wieder in einem Atemzug mit Edgar Wrights in jeder Hinsicht tausendfach überlegenen Cornetto-Trilogie genannt werden.

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