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Reprisal - Nimm dir, was dir gehört!
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
1,5
enttäuschend
Reprisal - Nimm dir, was dir gehört!

Bruce Willis langweilt sich mal wieder ganz schrecklich

Von Lutz Granert
Der mittlerweile vorwiegend in Heimkino-Nebenrollen agierende Bruce Willis sollte aufpassen, aufgrund seines lustlosen Schauspiels nicht mit einer Sammelklage enttäuschter Fans überzogen zu werden, ätzte das Branchenblatt The Hollywood Reporter in seiner Kritik zu „Reprisal - Nimm dir, was dir gehört!“. Und wir können in diese Warnung eigentlich nur einstimmen: Wie sich Willis durch seine wenige Szenen nuschelt, tut gerade nach seiner glorreichen Vergangenheit als John McClane in der ursprünglichen „Stirb langsam“-Trilogie einfach nur noch weh. Nach den Thrillern „Vice“ und „The Prince“ arbeitete Willis bei „Reprisal“ bereits zum dritten Mal mit Regisseur Brian A. Miller zusammen, der den abgehalfterten Actionstar spürbar schont (schließlich besteht dessen einzige wirklich wichtige Aufgabe sowieso darin, prominent auf Poster und Cover zu prangen). Dazu kommt ein allenfalls halbgares Drehbuch, das den hierzulande nur fürs Heimkino ausgewerteten Actionthriller endgültig zu einer extrem zähen Angelegenheit macht.

Der Bankmanager Jacob (Frank Grillo) führt gemeinsam mit seiner Frau Christina (Olivia Culpo) und seiner an Diabetes erkrankten Tochter Sophia (Natalia Sophie Butler) ein glückliches Familienleben. Aber als der Bankräuber Gabriel (Johnathon Schaech) bei einem Überfall vor seinen Augen einen Wachmann erschießt, trägt Jacob ein Trauma davon und verfällt dem Alkohol. Während die Polizei bei ihren Ermittlungen im Dunkeln tappt, stellt Jacob mit Hilfe seines Ex-Cop-Nachbarn James (Bruce Willis) auf eigene Faust Nachforschungen an. Schon bald ahnt er, wo der Räuber wahrscheinlich als nächstes zuschlagen wird. Fast können die Hobby-Ermittler den Überfall sogar verhindern – aber dann nimmt Gabriel die Frau und die Tochter von Jacob als Geisel…

Bei einem perfekt durchgeplanten Überfall hält der maskierte Räuber den Bankangestellten neben seinem Gewehr auch vorgeschriebene Karteikarten mit klaren Anweisungen vor die Nase. Ausgeklügelt und schnell, nichts scheint hier dem Zufall überlassen worden zu sein. Diese fünfminütige Szene in der Anfangsviertelstunde macht durchaus Lust auf mehr – aber anschließend ist erst einmal Warten angesagt: Die nächste nennenswerte Actionszene gibt es erst in der zweiten Filmhälfte zu sehen. Bis dahin heißt es für den Zuschauer, sich in Geduld zu üben. Denn das zuweilen abenteuerlich konstruierte Debütdrehbuch von Bryce Hammons ist äußerst zäh geraten. Jeder Anflug von Spannung wird so schon im Keim erstickt.


Es ist unfreiwillig komisch, wie Jacob und James an einer Tafel im Keller die zusammengeklaubten Informationen zum Banküberfall zusammentragen. Untermalt von einer viel zu dick aufgetragenen Spannungsmusik haben sie so mal eben – schwuppdiwupp – den wahrscheinlichen Aufenthaltsort des Killers herausgefunden. Völlig an den Haaren herbeigezogen ist auch die Handlungsmotivation von Gabriel. Zunächst begeht er die Überfälle noch, um die Gesellschaft zur Verantwortung zu ziehen, weil sein dementer Vietnamveteran-Vater ein tristes Dasein im Pflegeheim fristet. Aber dann wird die die Sache persönlich, weil Jacob beim zweiten Überfall eine Geldtasche für sich selbst abzwackt. Aber wer nun wenigstens hinter der anschließenden Entführung von Frau und Tochter einen raffinierten Plottwist erwartet, wird sich schön wundern, wenn die beiden ruckzuck im örtlichen Parkhaus wiedergefunden werden.

Simple Szenenauflösungen, selbst bei Verfolgungsjagden kaum Tempo und bitte keine aufwändigen Stunts: Brian A. Miller versagt als Actionregisseur in dieser heruntergekurbelten Low-Budget-Produktion völlig. Und sein Kameramann Peter Holland („Cat Run 2“) macht durch seine Versuche, das Tempo durch nervöses Herumgewackel und wilde Reißschwenks zumindest ein wenig in die Höhe zu treiben, alles nur noch viel schlimmer. Während Frank Grillo nach seinen Auftritten in der „The Purge“-Reihe und „The First Avenger: Civil War“ als kantiger Actionheld gewohnt agil agiert, aber mit seiner eindimensionalen Charakterzeichnung ringt, wird Bruce Willis regelrecht in Watte gepackt. Bei der gemeinsamen Killersuche säuselt er zu provokant-blasiertem Minenspiel immer wieder die Aufforderung „Break It Down To Me“, damit sich der Co-Star Grillo an den Banküberfall erinnert – und auch sonst bleibt er der stille Helfer (sprich: bloße Stichwortlieferant) im Hintergrund. Erst ganz am Ende kommt sie doch noch, seine erste und einzige Actionszene, bei der Willis sogar von der Schusswaffe Gebrauch machen darf. Die rettet den lieblos hingerotzten Fließbandreißer für die inzwischen leidgeplagten Hardcore-Bruce-Willis-Fans aber auch nicht mehr. Die können sich unterdessen schon auf das nächste Actionvehikel „freuen“: Kürzlich haben Brian A. Miller und Bruce Willis gemeinsam den Crime-Thriller „10 Minutes Gone“ abgedreht.

Fazit: Bruce Willis in einer Nebenrolle – das ist längst kein Gütesiegel mehr, ganz im Gegenteil. Der einstige Actionstar agiert auch im Thriller „Reprisal - Nimm dir, was dir gehört!“ erneut vollkommen gelangweilt. Das spannungslose 08/15-Skript und die wenigen, verwackelten Actionszenen reichen zudem nicht einmal ansatzweise für Genredurchschnitt.
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