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    Hexen hexen
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Hexen hexen

    Schon ganz gut, aber die erste Verfilmung ist halt besser

    Von Christoph Petersen
    Hexen hexen“ aus dem Jahr 1990 ist der pure Wahnsinn! Eine dermaßen verquere Vorstellung von „Familien-Unterhaltung“ kann wohl nur jemand entwickeln, der mit einem Film wie dem Venedig-Slasher „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ berühmt geworden ist. Dabei hat Regisseur Nicolas Roeg in Interviews erklärt, dass er „Hexen hexen“ sogar noch entschärft habe, nachdem einige der ursprünglich enthaltenen Szenen seinen eigenen Sohn bei einer Testvorführung zu sehr verschreckt hätten.

    Die deutsche FSK-Freigabe ab 6 Jahren ist jedenfalls ein Witz – und dürfte damals für zahllose schlaflose Nächte bei völlig verstörten jungen Besuchern gesorgt haben. Es ist also kein Wunder, dass der Film - trotz seiner grandiosen Make-up-Effekte und der famosen Puppen-Arbeit von Muppets-Genie Jim Henson – nur mittelmäßig an den weltweiten Kinokassen performte. Genauso wenig überrascht es, dass „Hexen hexen“ anschließend im Fernsehen und auf VHS einen absoluten Kultstatus erreichte. Einen solchen Film wird es definitiv kein zweites Mal geben.

    ... und wieder hexen Hexen


    Dennoch kommt nun 30 Jahre später eine weitere Verfilmung des Romans von Roald Dahl („Charlie und die Schokoladenfabrik“) in die deutschen Kinos (in den USA wandert sie hingegen direkt zum Streaming-Service HBO Max) – und man fragt sich als Kenner der ersten Kinoadaption natürlich sofort: Wie sehr haben die Verantwortlichen um Robert Zemeckis („Zurück in die Zukunft“) die widerborstigen Ecken und splittrigen Kanten des Originals in ihrer Version von „Hexen hexen“ denn nun abgeschliffen?

    Die erfreuliche Erkenntnis: Längst nicht so sehr, wie man es von einer modernen Hollywoodproduktion vielleicht befürchten musste. Zugleich finden der oscarprämierte Regisseur, sein zweifach oscarprämierter Co-Autor Guillermo del Toro („Shape Of Water“) und sein vierfach oscarprämierter Co-Produzent Alfonso Cuarón („Gravity“) aber auch keine wirklich zufriedenstellende Antwort auf die Frage, wozu genau es denn jetzt noch einen zweiten „Hexen hexen“ braucht.

    Anne Hathaway dominiert nicht nur ihren Hexenzirkel, sondern auch die Leinwand...


    Nach dem Unfalltod seiner Eltern wächst der achtjährige Protagonist (Jahzir Bruno), dessen Name im Film wie im Buch nicht genannt wird, bei seiner Großmutter (Octavia Spencer) im Alabama des Jahres 1968 auf. Als der Junge in einem Gemischtwarenladen auf eine Hexe trifft, sieht seine Oma nur eine Chance, ihn in Sicherheit zu bringen: Weil Hexen bekanntermaßen vor allem den Armen und Schwachen auflauern, zieht sie mit ihrem Enkel in ein besonders luxuriöses Hotel.

    Am selben Ort tagen zugleich auch die Mitglieder der „Royal Society For The Prevention Of Cruelty To Children“ – wobei sich hinter der Wohltätigkeitsorganisation mit dem so altruistisch klingenden Namen in Wahrheit niemand anderes verbirgt als eine Gruppe Hexen. Sie haben sich hier zu ihrem alljährlichen Treffen zusammengefunden. Die Oberhexe (Anne Hathaway) stellt dabei ihren Plan vor, wie man ein für alle Mal sämtliche Kinder auf dem Planeten auslöschen könnte – und zwar indem man sie mit einem speziellen Mittelchen in Mäuse verwandelt...

    Eine Oscargewinnerin und ihre CGI-Nasenlöcher



    In der Neuverfilmung ziehen sich die Hexen nicht länger die gesamte Kopfhaut wie Masken vom Schädel – stattdessen können sie mit Hilfe von Computertricks schweben, Blitze verschießen und ihre Münder soweit aufreißen, dass sie ziemlich genauso aussehen wie ein gewisser Antiheld aus dem Hause Marvel! Das ist für einen Familienfilm teilweise immer noch ganz schön extrem – zugleich sind die handwerklich hervorragenden CGI-Effekte aber auch nur halb so gruselig wie die handgemachten Make-up-Verunstaltungen im Vorgänger.

    Die einzige Ausnahme: Die überdimensionierten Nasenlöcher von Anne Hathaway („The Dark Knight Rises“), wenn die Oberhexe ein stinkendes Kind erschnüffelt! Diese Szenen sind, Computereffekte hin oder her, auf jeden Fall angemessen verstörend. Sowieso gibt die Oscargewinnerin in jeder Szene Vollgas – irgendwo zwischen Bond-Bösewicht, Haute-Couture-Mannequin und cholerischer Diktatorin mit russischem Akzent. Das ist richtig schön böse und macht durchaus Laune – selbst wenn die große Anjelica Huston („Die Addams Family“) in dieser Rolle sicherlich auf alle Zeit unerreicht bleiben wird.

    Who Wore It Better: Anne Hathaway in „Hexen hexen“ oder Tom Hardy in „Venom“?


    Am meisten Reiz verliert die neue Version stattdessen in dem Teil des Films, in dem die inzwischen in Mäuse verwandelten Kinder durch das Hotel streifen, um die Hexen mit ihren eigenen Waffen zu schlagen. Sicherlich ist das tricktechnisch makellos umgesetzt – aber es fühlt sich ohne die Puppen-Kunst von Jim Henson halt wie jedes x-beliebige Disney-Abenteuer an. Nur eine Szene, in der sich die drei Mäuse im Vordergrund in einer Tasche mit Stricksachen verstecken, während die Großmutter im Hintergrund an der Tür mit dem Hotelmanager (Stanley Tucci) diskutiert, ist allein schon perspektivisch ziemlich spannend umgesetzt.

    Mit der Verlegung der Handlung in den amerikanischen Süden der späten 1960er Jahre eröffnen sich die Autoren zudem grundsätzlich einige spannende Themenfelder: So beschäftigt sich die Großmutter des Protagonisten etwa mit allerlei Voodoo-Zaubern – und im Hotel sind die beiden die einzigen schwarzen Gäste, während die Pagen und Hausangestellten wiederum fast alle schwarz sind. Aber es bleibt bei einem thematischen Herumstochern, so richtig führt das alles zu nichts – und so ist der größte Gewinn für den Film der großartige Motown-Soundtrack samt an Tom Cruise in „Lockere Geschäfte“ erinnernder Tanzeinlage von Octavia Spencer (Oscar für „The Help“).

    Das passiert halt, wenn sich kleine Kinder mit mächtigen Hexen anlegen...


    Trotzdem hätte sich der 1990 verstorbene Roald Dahl zumindest über eine Sache ganz bestimmt gefreut: Für den ersten „Hexen hexen“ wurden damals nämlich noch zwei verschiedene Enden gedreht – einmal dasselbe wie im Buch und einmal eine abgeänderte Version. Als der Romanautor das Buchende auf der Leinwand sah, soll er sogar vor Glück geweint haben – verwendet wurde aber dennoch das andere, weshalb Dahl mit negativer Publicity für den Kinostart, dem Zurückziehen seines Namens und sogar einer Klage gedroht haben soll. Der neue „Hexen hexen“ ist zwar insgesamt ein ganzes Stück zahmer – aber zumindest das ambivalente Originalende ist diesmal weitestgehend intakt geblieben.

    Fazit: Robert Zemeckis Neuverfilmung ist weniger glattgebügelt als befürchtet – vor allem dank Anne Hathaway macht sie sogar über weite Strecken echt Laune. Vom Kultpotenzial der 1990er-Version ist der neue „Hexen hexen“ dennoch weit entfernt.

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