Regisseur James Cameron, der mit „
Titanic“ immerhin den kommerziell erfolgreichsten Film aller Zeiten schuf, hatte sich schon immer der Gigantomanie verschrieben - mit großem Erfolg. Mit dem Sci-Fi-Action-Reißer „Terminator 2“ setzte der Kanadier 1991 einen Meilenstein, der technisch über allem stand, was bis dorthin auf der Leinwand zu sehen war. An der Kinokasse schlug sich dies positiv nieder, der erste Film der Historie, der die magische Grenze von 100 Millionen Dollar Produktionskosten erreichte, spielte in den USA 205 Mio Dollar (weltweit: 520 Mio Dollar) ein und begeisterte in Deutschland 4,66 Mio Besucher.
Nachdem in einer möglichen Zukunft im Los Angeles des Jahres 2029 ein verheerender Nuklearkrieg zwischen intelligenten Maschinen und den Menschen ausgebrochen ist, wollten die Cyborgs den 1985 geborenen Anführer des Widerstandes in der Vergangenheit beseitigen und schickten dazu einen Terminator durch die Zeit. Doch die Mission scheiterte. John Connor hat die Attacke überstanden, doch der Krieg tobt weiterhin. Die Maschinen unternehmen nun einen zweiten Versuch, die Existenz des Anführers zu verhindern und senden einen T-1000-Terminator (Robert Patrick) zurück, um den jungen John Connor (Edward Furlong) zu töten. Doch der Terminator ist nicht allein, das Ur-Modell 101 aus der T-800er Serie (Arnold Schwarzenegger) wurde in der Zukunft darauf programmiert, Connor zu schützen. Gemeinsam mit Johns Mutter Sarah (Linda Hamilton) gibt er sein Bestes, den Jungen am Leben zu halten, denn der T-1000 ist ihm eigentlich überlegen. Eine gnadenlose Jagd um das Schicksal eines Kindes und das Überleben der Menschheit beginnt..
James Cameron ist sicherlich nicht unumstritten und generell sind seine Filme nicht jedermanns Geschmack. Aber das, was er für das Action-Genre geschaffen hat, ist ohne jeden Diskussionsspielraum herausragend bis bahnbrechend. Mit „
The Terminator“ kreierte Cameron einen Kultfilm, mit „
Aliens - Die Rückkehr“ einen der besten Actionfilme aller Zeiten, „Abyss“ glänzte im Science-Fiction-Genre und „True Lies“ ist bei Freunden der krachenden Unterhaltung äußerst beliebt. Einmal abgesehen von seinen ersten beiden Werken „Xenogenesis“ und „Piranha II“ wurden alle seine Filme Blockbuster und mit „
Titanic“, seinem bisher letzten Kino-Spielfilm, holte er ein weltweites Einspiel von 1,8 Milliarden Dollar. Cameron ist gewiss kein begnadeter Geschichtenerzähler, aber er versteht es wie kaum ein Zweiter, technische Perfektion in seinen Filmen zum Tragen zu bringen. So auch in „Terminator 2“, dem Big-Budget-Nachfolger des 6,5 Mio Dollar teuren Überraschungshits aus dem Jahre 1984. Zu Teil drei (2003) stieg Cameron aus und überließ Regisseur Jonathan Mostow im passablen, straighten Nachzieher „
Terminator 3“ das Feld.
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In „Terminator 2 - Judgement Day“ hat Cameron vor allem die Tricktechnik revolutioniert, seine Morphing-Effekte setzten Maßstäbe im Bereich der Spezial-Effekte. Dafür gab es logischerweise einen von insgesamt vier Oscars (Spezial-Effekte, Ton, Tonschnitt, Maske). Aus der „kleinen Geschichte“ des Originals hat der Kanadier mit viel Geld in der Hand ein gigantisches Action-Spektakel inszeniert, dass einen extrem hohen Unterhaltungswert aufweist. Die Story ist bei genauer Betrachtung gar nicht einmal so dumm, wie es den Anschein haben könnte und dabei angenehm düster. Sicherlich macht Cameron, der auch gemeinsam mit William Wisher („
Exorzist: Der Anfang“, „Judge Dredd“) das Drehbuch schrieb und produzierte, einige Konventionen an das Mainstreampublikum, aber im Kern schadet es dem Film nicht. Für Fans zitiert der Regisseur den ersten „Terminator“ dezent. „Get out“, weist der T-1000 den Hubschrauberpiloten an, bevor dieser unfreiwillig in luftiger Höhe aussteigen muss. Selbiges sagte auch der T-800 zu einem Trucker in vergleichbarer Situation in Teil eins. Als der T-800 Sarah Connor aus der Anstalt rettet, sagt er: „Come with me if you want to live.“ Exakt das Gleiche sprach Kyle Reese (Michael Biehn) bei der Nachtclubschießerei des Originals.
Das Quiz: Erkennt Ihr die verkleideten Roboter?Arnold Schwarzenegger durfte von Böse nach Gut die Seiten wechseln und Robert Patrick dafür als exzellenter Bösewicht in die Bresche springen. „Terminator 2“ ist wahrscheinlich der Film, der Schwarzeneggers Image am meisten geprägt hat. Sein „Hasta la vista, Baby“ ließ er sich gar als Trademark eintragen. Der derzeitige Gouverneur von Kalifornien, eher Actionstar als Schauspieler im herkömmlichen Sinne, macht das, was er am besten kann: seinen Gegnern die Hucke voll hauen und dabei möglichst coole Oneliner absondern. 15 Mio Dollar kassierte der gebürtige Österreicher für seine Rolle. Bei 700 Worten, die er spricht, macht das 21.429 Dollar pro gesprochenem Wort – eine beachtliche Quote. Nicht nur Schwarzenegger glänzt, der Film profitiert auch von der starken Leistung Robert Patricks, der als einer der besten Fieslinge in die Filmgeschichte eingeht. Linda Hamilton überzeugt als gestählte Kampfamazone, die eigentlich nur ihren Mutterinstinkt auslebt und dabei dem Wahnsinn bedrohlich nahe kommt. In der Szene, als Sarah Connor doppelt zu sehen ist und von dem T-1000 imitiert wird, unterstützt Hamiltons Zwillingsschwester Leslie Hamilton Gearren übrigens die Produktion. Auch Edward Furlong ist als junger John Connor eine ideale Besetzung, transportiert er doch die geforderte Rotzigkeit des kleinen Rebellen sehr präzise.
„Terminator 2“ strotzt nicht nur vor furioser Action und grandiosen Effekten, sondern bietet eben dieses stimmige Gesamtpaket mit einer cleveren Story und Dialogen, die nicht zu peinlich sind - dadurch wirkt der Film wie aus einem Guss. Eine perfekte Achterbahnfahrt in Sachen Actionkino – unterstützt und getragen von Brad Fiedels mächtigem, hämmernden Score. Zum Glück für die Menschheit hat diese den 29. August 1997, den
Judgement Day, schadlos überstanden. Cameron setzte mit diesem Datum einen kleinen Seitenhieb. Am gleichen Tag des Jahres 1949 detonierte zu Testzwecken die erste Atombombe aus der Produktion der damaligen Sowjetunion – vier Jahre nachdem die USA die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki dem Erdboden gleichgemacht haben, was Cameron selbstverständlich nicht latent anprangert...
Carsten Baumgardt