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Home > Kino > Film-Archiv > Drama > Ein fliehendes Pferd
Kinostart:
20. September 2007
Regie: Rainer Kaufmann
Mit Ulrich Noethen, Ulrich Tukur, Katja Riemann,
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FSK ab 12 freigegeben
Produktionsland:
Deutschland
.
Genre:
Drama
Laufzeit: 92 Minuten.
Produktionsjahr:
2007
Verleiher: Concorde Filmverleih GmbH
Inhalt: Mit Literaturverfilmungen ist das ja immer so eine Sache: Macht die Regie von der künstlerischen Freiheit Gebrauch, wird ihr das schnell zum Vorwurf gemacht, hält sie sich allzu streng an die Vorlage, wird aus einem guten Buch selten ein guter Film. Immerhin steht ein scharf analysierender Autor wie Martin Walser auch bei einer Komödie über die gängigen Irrungen und Wirrungen der menschlichen Gelüste für treffsichere Beobachtungen. So sind die Figuren sehr genau gezeichnet: In den routinierten Urlaub des routiniert nebeneinander her lebenden Ehepaares Helmut (Ulrich Noethen) und Sabine (Katja Riemann) platzt mit dem alten Studienfreund Klaus (Ulrich Tukur) nebst naiv-lebensfroher Geliebten Helene (Petra Schmidt-Schaller) das pralle Leben.
FILMSTARTS.de
(3)
Pressespiegel
(2)
User-Wertung(116 Bewertungen)
(3,4)
Bei der Beziehungskomödie „Ein fliehendes Pferd“ stehen mit Regisseur Rainer Kaufmann und Romanautor Martin Walser die üblichen Verdächtigen des aktuellen deutschen Mainstream-Kinos nicht nur hinter der Kamera: Die in Langeweile erstickte Gattin eines im Pedantentum meisterlichen Vorzeigespießers erblickt durch schicksalhafte Fügung den Mann (oder besser noch: das Paar), das ihr erkaltetes Blut wieder in Wallungen bringt. Bekannte Geschichte mit vorwiegend bekannten Gesichtern wie Katja Riemann, Ulrich Noethen und Ulrich Tukur. Dass dieser Mann die eigentliche bessere Hälfte ihres Angetrauten ist, der sich all das gönnt, was jener sich verkneift, hebt die Versuchsanordnung menschlicher Beziehungen auf ein fast philosophisches Niveau. Leider vertraut Kaufmann dem Erfolg der literarischen Vorlage so blind, dass er offensichtlich keinen Blick mehr dafür hat, wie aufdringlich die Symbole werden, wenn sie vom sprachlichen Bild in ein visuelles umgesetzt werden.
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Kritik: Vielleicht hätte ich Martin Walsers Novelle nicht wiederlesen sollen. Denn der Film konterkariert besonders am Ende die Aussage der Literaturvorlage. Schade! Ansonsten stimmte alles. Das Lehrerehepaar Helmut (Ulrich Noethen) und Sabine Halm (Katja Riemann) verbringt seinen Urlaub am Bodensee - zum nunmehr zwölften mal. Diesmal platzt jedoch mit Klaus Buch (Ulrich Tukur) ein längst vergessener Kumpel aus Schul- und Universitätstagen in die gelangweilte Routine der Halms. Klaus demonstriert unübersehbar sein Tat- und Lustmenschentum. Begleitet wird er von seiner jungen Lebensgefährtin Helene (Petra Schmidt-Schaller), die mindestens ebensoviel Lebenslust vor sich her trägt wie Klaus. Klaus und Helene drängen sich Sabine und Helmut immer mehr auf, wobei sich Sabine Klaus' Annäherungsversuchen immer zugänglicher zeigt. Als Klaus und Helmut auf einem Segeltörn von einem Gewitter überrascht werden, kommt es zur Katastrophe... Was für ein toller Film! Und ach, welch vergebene Chance zur gleichen Zeit! Die Randbedingungen stimmen: das Bodensee-Urlaubs-Setting, ein plüschiges Paradies, so recht geschaffen für deutsche Biederleute, die nichts mehr ausstehen möchten. Gute Kameraführung. Und ein Schauspielerquartett voller Spielfreude. Ulrich Noethen verkörpert den introvertierten Helmut Halm, der sich am wohlsten fühlt, wenn nichts mehr mit ihm geschieht. Ulrich Tukur ist das ganze Gegenteil: sein Klaus Buch poltert mit seiner penetranten Jovialität immer dazwischen. Katja Riemann zeigt als frustrierte Sabine, die sich mit der Eheroutine schon abgefunden hatte, nun aber Morgenluft für verdrängte Wünsche wittert, eine überzeugende Leistung. Bislang hielt ich sie für überschätzt (als Doro im "Bewegten Mann" eine krasse Fehlbesetzung, als "Apothekerin" farblos, in "Rosenstraße" unklar, ob der gute Eindruck an Katja oder am Drehbuch liegt, wenig einpägsame Nebenrollen in "Nur über meine Leiche" und "Agnes und seine Brüder", ihre beste Rolle bislang als Barbara Blocksberg in den "Bibi Blocksberg"-Filmen), aber die Sabine Halm ist ihr auf den Leib geschneidert. Auch Jungschaupsielerin Petra Schmidt-Schaller lässt sich mitreißen und verkörpert eine naiv-verspielte Helene, die mit ihrem Spät-Lolita-Charme Helmuts verschüttete Triebe zu neuem Leben erweckt. Einfach klasse, wie unbedarft sie Doppeldeutiges absondert ("Lust auf 'ne Latte?", "Du kennst dich gut aus mit Vögeln."). Der Spaß, den die Schauspieler an ihrem eigenen Spiel und an der Interaktion untereinander entwickeln, überträgt sich zwanglos auf den Zuschauer. Die Detailänderungen gegenüber der Walser-Vorlage erscheinen zunächst als zeitgemäße Adaptionen, die an der Grundkonstellation wenig ändern. Helmuts Vorliebe für Ornithologie ist sogar eine echte Verbesserung gegenüber seiner eher farblosen Wanderleidenschaft aus der Novelle. Jedenfalls schafft der Ausflug ins Schilf nebst Suche nach der Rohrdommel wesentlich mehr Anlässe für Mißverständnisse und Reinfälle als die Walsersche Wanderung auf den Höchsten. Auch Helenes Beruf als Pilates-Trainerin ist akzeptabel. Wie gesagt: die Details sind andere, die Kleeblatt-Konstellation der Buchvorlage bleibt erhalten und erfährt über zwei Drittel des Filmes sogar überraschende, belebende Impulse. Glänzend Sabines mißglückte morgendliche Masturbation und der handgreifliche Ehestreit zwischen den Halms, der den unterdrückten sexuellen Bedürfnissen der beiden zum Durchbruch verhilft. Doch mit fortschreitender Filmdauer zeigen sich immer deutlicher die Unterschiede in der Charakterisierung des Klaus Buch. In der Novelle zeigt er durchaus zwanghafte Tendenzen (die dogmatische Ernährungsweise) und offenbart Minderwertigkeitsgefühle (das "Hast du mich noch lieb?"-Ritual mit Helene). Beides fehlt im Film. Um so schwerer fällt es dem Zuschauer, das einzige Rudiment - seine Angst vor Hundeberührungen - richtig einzuschätzen. Auf der Leinwand bleibt Klaus Buch ungebrochen der genialische Kraftmensch, der sich vom Leben einfach nimmt, was er will. Deshalb ist für den Kinozuschauer wohl kaum zu verstehen, weshalb solch ein Lebemann überhaupt die Nähe solch uninteressanter Leute wie den Halms sucht, ja, mit Helmut sogar in Mittelamerika ein neues Leben anfangen will. Der Film-Klaus hat doch alles, und ihm fehlt nichts. Verfälschend auch der Ablauf des Segelunfalls. In der Novelle kommt er zustande durch eine Panikreaktion Helmuts, wonach Klaus unauffindbar ist. Im Film ist Helmuts Verstrickung wesentlich schuldbeladener, was das Weiß-Schwarz-Schema zwischen Klaus und Helmut noch verstärkt. Total enttäuschend stellt sich für den Freund der Novelle aber der Schluss des Films dar. Helene trauert um ihren Klaus, den sie posthum weiter vergöttert. Gewiss, das Seebegräbnis mit Weizenkleie schenkt dem Film eine nette Lachszene. Aber der Clou der Novelle geht verloren. Zumal auch Klaus Buchs "Wiederauferstehung" im Film wesentlich triumphaler gerät als im Buch. Gerade die Demontage bzw. Demaskierung von Klaus Buchs grandioser Fassade - was pikanter Weise durch Helene geschieht - macht den Reiz der Novelle aus. Und lässt die innere Wandlung Helmut Halms viel verständlicher erscheinen. Die scheindramatische Zuspitzung in der letzten Szene wirkt hingegen aufgesetzt und bemüht pathetisch. Schade! Der Film hätte ein Meisterwerk werden können, wenn er sich etwas näher an die Literaturvorlage von Martin Walser gehalten hätte. Fazit: Ein glänzend aufgelegtes Schauspieler-Quartett kann sich letztlich nicht gegen Drehbuchmängel durchsetzen. Leider entfernt sich der Film am Ende zu stark von der Walser-Vorlage und konterkariert sogar ihre Aussage. Bewertung: 6 von 10 Turgenjew-Rezitationen auf dem Segeldeck Hätte sich der Film enger an die Vorlage gehalten, wären locker 9 Punkte möglich gewesen.
Rolle: Helmut Halm
Rolle: Klaus Buch
Rolle: Sabine Halm
Rolle: Helene
Die FILMSTARTS-TV-Tipps (29. Juli bis 4. August)
Hinzugefügt von Filmstarts am 29. Juli 2011
Alle Bilder zu Ein fliehendes Pferd anzeigen
Hinzugefügt von Filmstarts am 18. März 2010
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