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Unsere Kritik zum TV-Start von "Bad Banks": Potential verschenkt
Von Markus Trutt — 01.03.2018 um 17:30
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Online ist „Bad Banks“ schon seit einigen Tagen komplett abrufbar. Zur jetzt folgenden TV-Ausstrahlung auf Arte und im ZDF haben wir nun die komplette erste Staffel der deutschen Serie genauer unter die Lupe genommen.

ZDF / Ricardo Vaz Palma

Dass auch Deutschland Serie kann, ist nun wahrlich keine Neuigkeit mehr. Gerade in jüngerer Vergangenheit haben Formate wie „Deutschland 83“, „Babylon Berlin“, „4 Blocks“ oder „Dark“ bewiesen, dass sich auch so manche hiesige Produktion keineswegs vor der massiven internationalen Konkurrenz verstecken braucht. Positive Qualitätsurteile mit dem albernen überstrapazierten Zusatz „für eine deutsche Serie“ zu versehen, sollte damit endgültig der Vergangenheit angehören. Inzwischen müssen Serien auch hierzulande auf vielen Ebenen glänzen, um vorne mitzuspielen. „Bad Banks“ gelingt dies jedoch nicht.

Dabei wartet der sechsteilige Finanz-Thriller zunächst mit einem entsprechend brandaktuellen und global hochbrisanten Thema auf: den ominösen Machenschaften im undurchsichtigen Bankenwesen. In dieser verrohten Welt agiert auch Jana Liekam (Paula Beer), eine ehrgeizige junge Bankerin, die ihren dauerkoksenden Chef Luc Jacoby (Marc Limpach) bei Kundengesprächen schnell alt aussehen lässt – bis sie ohne Vorwarnung plötzlich von ihrer Luxemburger Bank entlassen wird. Ihre Vorgesetzte Christelle Leblanc (Désirée Nosbusch) erkennt allerdings Janas Potential und sorgt dafür, dass sie eine Stelle bei der Deutschen Global Invest, der größten deutschen Bank in Frankfurt, bekommt, die gerade vom energischen Gabriel Fenger (Barry Atsma) wieder auf Vordermann gebracht werden soll. Im Gegenzug möchte die manipulative Leblanc allerdings, dass Jana ihr heikle Informationen von der Konkurrenz besorgt – der Beginn eines perfiden Machtspiels.

Kriminelle Banken

In unserem Ersteindruck zu „Bad Banks“ zeigten wir uns trotz aller Kritik nach den ersten beiden Folgen noch vorsichtig optimistisch im Hinblick auf den Rest der ersten Staffel. Die in der Serie steckenden vielversprechenden Ansätze kommen allerdings auch in den vier weiteren Episoden niemals voll zum Tragen. Das beginnt bereits bei der Thematik an sich. Chefautor Oliver Kienle („Die Vierhändige“) wirft – unterstützt von Christian Schwochows famoser Hochglanz-Inszenierung – aus nächster Nähe einen Blick hinter die Kulissen großer Banken (man muss kein Finanz-Genie sein, um in der Deutschen Global Invest die an der Finanzkrise vor zehn Jahren maßgeblich beteiligte Deutsche Bank wiederzuerkennen). Besonders überraschend oder auch nur auf irgendeine Weise entlarvend ist das heutzutage nicht mehr, relevant aber natürlich nach wie vor.

Das in „Bad Banks“ gezeigte (und von der Wirklichkeit wohl leider nicht allzu entfernte) Bankensystem ist auch abseits jedweder Zusammenbrüche und Krisen völlig kaputt und pervertiert – sowohl menschlich als auch institutionell. Jeder ist auf der ständigen Suche nach Anerkennung sich selbst am nächsten und stets einem enormen Erfolgsdruck ausgesetzt, der so manchen an den Rand des Nervenzusammenbruchs – oder gar darüber hinaus – treibt. Ganz zu schweigen davon, dass selbst dienstältere Banker mitunter überhaupt keine Ahnung zu haben scheinen, was sie überhaupt machen oder wo die Unsummen an Geld eigentlich herkommen, mit denen sie tagtäglich hantieren.

Subtilität Fehlanzeige

Beim Herausstellen dieser Missstände packt Kienle aber immer wieder eine überflüssige Schippe mehr als nötig drauf und schießt damit regelmäßig übers Ziel hinaus. Da werden Entscheidungen der Figuren und die Undurchsichtigkeit der Finanzgeschäfte nicht nur einmal verdeutlicht, sondern wieder und wieder bis ins Kleinste ausbuchstabiert und übererklärt. Dass etwa Protagonistin Jana auf die spannende (wenn auch ebenfalls überstrapazierte) Frage nach ihrer Motivation hinter dem Festhalten an ihrem so (selbst) zerstörerischen Job am Ende tatsächlich eine mehr als offensichtliche Antwort geben darf, ist genauso überflüssig wie ernüchternd. Bei all der Redundanz kratzt die Kritik trotz der Überbetonung unterm Strich doch nur an der Oberfläche. Obwohl das Finanzwesen in „Bad Banks“ so einige Menschen (inklusive der Hauptfigur) verschlingt und als eiskalt kalkulierende Arschlöcher wieder ausspuckt, fehlt es dem Kommentar dazu an feinsinnigem Biss.

Großer Schwachpunkt ist dabei auch das Figurenensemble. Unter der Horde des klischeegetränkten Personals sucht man größtenteils vergeblich nach glaubwürdigen Charakteren. Stattdessen stößt man auf absolut lächerliche Banker-Karikaturen wie Luc Jacoby (der einen fast schon dreist an den Haaren herbeigezogenen Wandel durchläuft), die holzschnittartig gezeichneten Unsympathen aus Janas Banker-Team und schließlich auf die unstete Jana selbst. Es ist zweifellos bis zu einem gewissen Punkt Kalkül und im Sinne der Systemkritik auf Sympathieträger zu verzichten. Doch wenn selbst die sprunghaft agierende Hauptfigur derart unnahbar bleibt, fällt ein Zugang schwer.

Enttäuschende Protagonistin

Vor allem der immer wieder eingestreute Einblick in ihr Privatleben ist ein schlechter Witz. Die Beziehung zu ihrem völlig blass bleibenden Freund Noah (Jeff Wilbusch), deren zunehmendes Straucheln ihren Abstieg in die Banker-Hölle verdeutlichen soll, bleibt angesichts allenfalls behaupteter Emotionen und gänzlich fehlender Chemie zwischen Paula Beer („Frantz“) und Jeff Wilbusch („Einmal bitte alles“) gänzlich ohne Effekt. Die Eindrücke von ihrem Dasein außerhalb der Bank wirken daher eher wie liebloses Checklisten-Abhaken und stehen der Geschichte vielmehr im Weg, als dass sie ihr weitere Facetten verleihen würden. Die Gelegenheit, Jana als starke Frauenfigur anzulegen, wird daneben wiederholt gegen die Wand gefahren. Jede noch so toughe Entscheidung – die von Szene zu Szene bei ihr gerne in unterschiedliche Richtungen ausschlagen – hat immer wieder vorhersehbare, für sie aber offenbar unbegreifliche Konsequenzen, die sie die meiste Zeit hilflos zurücklassen. Dagegen kommt auch die wunderbare Paula Beer kaum an.

Einer der wenigen Lichtblicke im Figureneinerlei ist Janas neuer Chef Gabriel Fenger, den Holländer Barry Atsma („Killer’s Bodyguard“) faszinierend zwischen einnehmendem Charmebolzen und bedrohlichem Besessenen spielt, ohne die Figur – wie in einigen anderen Fällen – der Lächerlichkeit preiszugeben. Auch der Rest der illustren Darsteller versucht zu retten, was zu retten geht – und gerade wenn Désirée Nosbusch („Der Fan“) als skrupellose Investmentbankerin und Tobias Moretti („Das finstere Tal“) als undurchsichtiger Finanzvorstand im Kampf um Einfluss und Macht diabolisch taktieren, funktioniert „Bad Banks“ mit am besten.

Fazit

Viel Lärm um nichts... oder zumindest nicht allzu viel. Die im Kern spannende und toll inszenierte Geschichte von „Bad Banks“ steht unterentwickelten, bisweilen regelrecht ärgerlichen Figuren gegenüber, die trotz spielfreudiger Darstellerriege das Geschehen immer wieder ausbremsen und ihm des emotionalen Gewichts berauben. Die Holzhammer-Kritik am Bankenwesen hätte nach dem vielversprechenden Start zudem noch weitaus abgründiger ausfallen können.

„Bad Banks“ feierte am 21. Februar 2018 Weltpremiere auf der diesjährigen Berlinale und ist seit dem Folgetag bereits komplett über die Mediatheken von Arte und ZDF abrufbar. Nun folgt die Ausstrahlung im TV. Den Anfang macht Arte, wo am heutigen 1. März die ersten vier und am morgigen 2. März die restlichen zwei Folgen der ersten Staffel jeweils ab 20.15 Uhr laufen. Vom 3. Bis 5. März zeigt dann das ZDF die Serie an drei Abenden in Doppelfolgen. Schon ab dem 3. März ist „Bad Banks“ außerdem auf DVD- und Blu-ray erhältlich.

Berlinale-Trailer zu "Bad Banks"

 

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