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"Escape Room" soll Zuschauer mit ihren schlimmsten Ängsten konfrontieren: Adam Robitel über seinen Folter-Horrorfilm
Von Daniel Fabian — 02.03.2019 um 15:45
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Mit seinen tückischen Fallen erinnert „Escape Room“ durchaus an Horror-Reihen wie „Saw“. Was der Folter-Horrorfilm aber mit „Fast & Furious“ zu tun hat und wer dabei besonders auf seine Kosten kommt? Regisseur Adam Robitel klärt auf.

2018 - Sony Pictures

Leute, die in einem Raum eingesperrt sind und sich ihr Überleben durch das Lösen von Rätseln erkämpfen müssen? Das kommt uns doch irgendwie bekannt vor! Das ließ nicht nur Vincenzo Natali in seinem fiesen klaustrophobischen Indie-Thriller „Cube“ (sowie den Sequels) durchexerzieren. Noch prominenter ist da James Wans „Saw“. Der Schocker funktionierte nach einem ganz ähnlichen Prinzip - und zog nicht nur sieben Fortsetzungen nach sich, sondern gilt auch als Vorreiter für die zahlreichen Low-Budget-Genrefilme, die seitdem die weltweiten Kinos eroberten. „Escape Room“ von Regisseur Adam Robitel („Insidious: The Last Key“) folgt auf den ersten Blick derselben Formel, unterscheidet sich letztlich aber doch in einigen Punkten von Wans Folter-Franchise.

In unserem exklusiven Telefon-Interview zu seinem erst dritten Spielfilm verriet uns der Filmemacher, dass er anfangs gar nicht wusste, was es mit diesen überall aus dem Boden sprießenden Escape Rooms überhaupt auf sich hat, an welches Publikum sich „Escape Room“ allen voran richtet und in welche Richtung der mittlerweile bestätigte Teil 2 gehen soll:

Die Räume sind Teil der Figuren

FILMSTARTS: Wie bist du eigentlich auf die Idee gekommen, einen Horrorfilm über Escape Rooms zu machen? Bist du selbst so ein Escape-Room-Enthusiast wie Danny (Nik Dodani) im Film?

Adam Robitel: Ich wünschte, ich könnte sagen, es wäre ganz allein mein Verdienst. Ich war gerade in der Post-Produktion von „Insidious: The Last Key“, als ich einen Anruf von den Produzenten des Films bekam. Als sie mir das Skript gezeigt haben, wusste ich noch nicht einmal, was ein Escape Room überhaupt ist. Aber ich war schnell fasziniert von all diesen Rätseln und habe nach einiger Recherche bemerkt, wie aufregend und auch abwechslungsreich diese Spiele sein können. Da waren so viele spannende Sachen dabei, einmal war ich in einem Dschungel und ein anderes Mal musste man zum Beispiel eine Katze in die Mikrowelle stecken. [lacht] Natürlich keine echte. Ich fand einfach spannend, wie sich dabei die Bedingungen durch dein Handeln verändern, es ist interaktiv.

FILMSTARTS: Es gibt praktisch unendlich viele Möglichkeiten, einen Escape Room zu gestalten. Warum hast du dich letztlich für die Varianten entschieden, die wir nun im Film sehen?

Adam Robitel: Die einzelnen Räume stehen in Verbindung mit den Menschen, die sich darin befinden. Wir haben zuerst begonnen, den Figuren ihre Geschichten zu geben und dann erst die Räume um ihre Erfahrungen herum entworfen. Wenn wir brütende Hitze auf den kalten Stahl aus der Lobby treffen oder Figuren kopfüber hängen lassen, dann nur, weil das die jeweiligen Figuren mit ihren schlimmsten Ängsten konfrontiert. Genau das wollten wir auch die Zuschauer spüren lassen.

FILMSTARTS: Die Räume weisen zum Teil auch Science-Fiction-Elemente auf, gleichzeitig hat man aber immer auch das Gefühl, dass sich das alles so oder so ähnlich wirklich zutragen könnte. Inwiefern wolltest du „Escape Room“ in der Realität verankern?

Adam Robitel: Nun, wir lassen es ja gewissermaßen offen, ob wir es hier mit etwas Übernatürlichem zu tun haben oder nicht. Man weiß nicht genau, wer oder was dahinter steckt. Gerade hier in den USA stehen ja auch viele hinter der Theorie des „Deep State“, aber es gibt auch andere wie die Illuminati. Wer weiß, vielleicht spielen Zoey, Amanda und Co. nicht bloß ein Spiel, sondern beeinflussen mit dessen Verlauf auch das Weltgeschehen, etwa den Börsenmarkt.

2018 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Stylische Bilder statt Gewaltexzess

FILMSTARTS: Für einen Film, dessen Konzept auf tödliche Fallen baut, wird Gewalt in „Escape Room“ eigentlich kaum zum bloßen Selbstzweck eingesetzt…

Adam Robitel: Ja, viele haben das vorab schon mit „Saw“ und so verglichen, in diese Richtung gehen wir nicht wirklich. Die meisten Escape Rooms sind zumindest auch für Jugendliche zugänglich. Deshalb war es für uns ganz entscheidend, mit dem Film dieselbe Zielgruppe anzusprechen. Es gehen auch viele junge Frauen und Mädchen in den Film, das freut mich besonders.

FILMSTARTS: Tatsächlich? Woran liegt das?

Adam Robitel: Ich weiß nicht genau. Ich meine, wir haben eine weibliche Hauptdarstellerin und allgemein auch starke Frauen in dem Film, vielleicht ist es das. Ich selbst mag aber auch einfach starke weibliche Figuren, von daher... Viele können das gar nicht glauben, aber Horrorfilme ziehen ganz allgemein auch viele weibliche Zuschauer in die Kinos.

FILMSTARTS: Beim Tod einer Figur habe ich besonders mitgelitten. Dadurch bekam die ganze Geschichte, der ganze Film für mich erst so richtig Gewichtung. Ich dachte einfach nur „Nein, das kann jetzt eigentlich gar nicht sein“…

Adam Robitel: Ja, ich weiß genau, was du meinst. Und ich kann dir sagen, es ging uns allen am Set ganz genau so. Alle brachen in ein weinerliches „Oh, nein!“ aus, als wir an diese Stelle kamen. Ich war einfach nur so: „Können wir die Szene nicht einfach neu schreiben?“ Aber, wie du schon sagst, war diese Szene einfach wichtig, um zu verdeutlichen, dass das alles mehr als bloß ein abgefahrenes Spiel ist.

FILMSTARTS: Eine Stärke des Films ist zweifelsohne auch die Kameraarbeit, Marc Spicer hat einen tollen Job gemacht.

Adam Robitel: Dankeschön. Ja, wir haben Marc Spicer wirklich viel zu verdanken. Er ist nicht nur ein unglaublich toller Kerl, den man einfach mögen muss, sondern versucht auch, mit jedem Film etwas Neues zu kreieren. Als er die Kamera bei „Lights Out“ machte, war ihm bereits wichtig, dass der Film nicht denselben Look wie jeder andere Horrorfilm hat. „Escape Room“ war erst mein dritter Film, ich lerne also noch - und zwar ganz besonders von Menschen wie Marc. Ich wusste, dass er die vorigen „Fast & Furious“-Filme gemacht hat, also wusste ich, dass mein Produzent [„Fast & Furious“-Produzent Neal H. Moritz] auch nichts dagegen hätte, ihn für „Escape Room“ anzuheuern. Seine „Fast & Furious“-Vergangenheit trug auch entscheidend zu meinem Film bei, denn viele Szenen im Film sind wirklich aufwändig choreographiert, außerdem haben wir auch einige knifflige Kamerafahrten.

2018 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Was folgt in "Escape Room 2"?

FILMSTARTS: In Anbetracht des kommerziellen Erfolgs deines Films und der schier endlosen Möglichkeiten: Wie steht es denn um die Fortsetzung?

Adam Robitel: Es gab auf jeden Fall schon das eine oder andere Gespräch. Ich denke, wir warten erst noch ab, wie der Film außerhalb der USA ankommt. Ich weiß nicht, ob die Produzenten darauf warten, bis wir ein gewisses Einspielergebnis erzielt haben, aber es sieht auf jeden Fall schon ganz gut aus. Es ist auf jeden Fall unser Ziel, aber wir wollen bescheiden bleiben. Wir würden uns freuen, noch einen Teil machen zu können. 

FILMSTARTS: Hast du denn schon Ideen für die Fortsetzung, die du dir während der Arbeit an Teil 1 gleich zur Seite gelegt hast?

Adam Robitel: Ja, wir hatten bereits mehrere Gespräche und haben schon einige echt verrückte Ansätze. Worum es mir in erster Linie geht, ist, nicht bloß einfach nochmal dasselbe zu machen. Das ist der Tod einer jeden Fortsetzung. Wir würden gerne in eine neue Richtung gehen, um uns mit der ganzen Mythologie hinter den Escape-Room-Veranstaltern auseinanderzusetzen und dahinter zu kommen, was es mit dem Puzzlemaker auf sich hat. Was die Escape Rooms selbst angeht, haben wir natürlich auch schon einige Ideen, über die ich aber noch nicht zu viel verraten will. Erst einmal soll das Publikum aber mit dem ersten Teil seinen Spaß haben und dann sehen wir weiter.

„Escape Room“ läuft seit 28. Februar 2019 in den deutschen Kinos.

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