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    Horrorfilm "Ma": Darum wurde die Hautfarbe der Hauptfigur geändert

    Schon der deutsche Trailer verrät: Octavia Spencer spielt in „Ma - Sie sieht alles“ nicht nur die hilfsbereite nette Frau. Diese Rolle war wegen ihrer Hautfarbe ursprünglich gar nicht für die Schauspielerin vorgesehen...

    Anna Kooris/Universal Pictures

    Du wirst nicht nur nicht in den ersten 15 Minuten des Films sterben, du wirst jeden töten!

    Mit diesen Worten überzeugte Regisseur Tate Taylor seine gute Freundin Octavia Spencer („The Help“, „Hidden Figures“), die Titelrolle in seinem Horrorstreifen „Ma“ zu übernehmen und die zwielichtige Sue Ann zu spielen, die sich heimlich in das Leben feiernder Jugendlicher einschleicht. Damit geht der Filmemacher auf Spencers Klagen ein, schwarze Figuren würden in Horrorfilmen meist in den ersten Minuten sterben. Tatsächlich hätte Spencer Sue Ann gar nicht spielen sollen. Denn das Drehbuch zu „Ma“ sah ursprünglich eine weiße Killerin vor, wie Taylor in einem Interview mit dem Branchenmagazin Variety verrät.

    Auf die Frage, warum Taylor seiner Freundin Spencer „trotzdem“ die Rolle der Soziopatin angeboten hat, antwortet der Regisseur scherzhaft: „Weil ich das schon in ihr gesehen habe – wir haben sieben Jahre zusammengewohnt, deswegen ist ‚Ma‘ autobiografisch.“

    Tatsächlich bot Taylor der 47-Jährigen die Rolle an, weil er seine beste Freundin für sehr talentiert hält und glücklich darüber ist, dabei zu helfen, die von Spencer beklagte „lächerlich hartnäckige Narrative“ zu ändern. Außerdem verrät er: „Ich wusste, dass sie diese Art der Thematik mag. Im TV liefen bei uns immer Mörder-Sendungen, ‚Forensic Files‘. Deswegen fand ich es ziemlich cool, ihr die Möglichkeit zu geben, zu eskalieren. Und das hat sie getan.

    Die immer gleichen Rollen für Schwarze

    Mit ihrer Rolle als die böse Sue Ann alias Ma weicht Octavia Spencer von Rollen ab, mit denen sie Fans bislang verbunden haben. Anscheinend hatte die Schauspielerin aber bisher nie die Möglichkeit, andere Facetten zu zeigen, wie sie im Variety-Interview andeutet:

    Lupita Nyong’o hatte ein Filmdebüt auf dem Sundance Filmfestival [„Little Monsters“]. Aber davor und vor „Ma“ waren diese Rollen für Women Of Color überhaupt nicht zugänglich. Und ich glaube, es ist Zeit, das zu ändern. Jede junge Schauspielerin sollte sowohl die Möglichkeit haben in einer romantischen Komödie als auch in einem Horrorfilm mitspielen zu können. Es ist aufregend jemanden zu spielen, der außerhalb der drei Archetypen ist, in denen mich die Leute gern sehen wollen.

    Schwarze Figuren in Horrorfilmen

    In der Tat kommt es selten vor, dass schwarze Darsteller in Horrorfilmen einen großen Einfluss auf die Handlung haben. Häufig müssen sie eindimensionale Nebenfiguren spielen, die – wie Spencer anmerkt – manchmal relativ schnell Opfer von (weißen) Killern werden. Spencer selbst machte die Erfahrung in Rob Zombies „Halloween II“, in dem ihre Figur als erstes stirbt.

    Das prominenteste Beispiel von schwarzen Hauptfiguren in Horrorfilmen ist wohl der mehr als 50 Jahre alte Horrorklassiker „Die Nacht der lebenden Toten“ von George A. Romero. Doch auch nach dem richtungsweisenden Zombiefilm waren Schwarze in den Folgejahrzenhnten in Horrorfilmen meist noch auf die Rolle von Sidekicks und Kanonenfutter reduziert. Selten schaffte es eine dunkelhäutige Figur, bis zum Ende zu überleben. Erst seit Kurzem zeichnet sich unter anderem dank Jordan PeelesGet Out“ und „Wir“ ein Trend ab, der diesen Limitationen entgegenwirkt. „Ma“ trägt nun möglicherweise ebenfalls seinen Teil dazu bei, schwarzen Schauspielern mehr Rollenvielfalt zu ermöglichen.

    „Ma“ läuft hierzulande seit dem 30. Mai 2019 im Kino.

     

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