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    "Spider-Man 3" vs. "Uncharted": Das Post-Corona-Chaos in Hollywood erklärt – anhand Tom Hollands Unwissenheit
    Von Björn Becher — 23.04.2020 um 14:15
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    Eine Kommission erarbeitet gerade Maßnahmen, mit denen Filmdreharbeiten in Hollywood wieder aufgenommen werden können. Doch das viel größere Problem für die Studios werden die Terminpläne. Eine Erklärung anhand eines Beispiels rund um Tom Holland...

    Sony Pictures

    Angeführt von „Contagion“-Regisseur Steven Soderbergh entwickelt eine Kommission mit Filmschaffenden und Medizinern in Hollywood im Auftrag der Gewerkschaften einen Plan, wie die großen Studios möglichst bald wieder Filme und Serien drehen können.

    Am Ende wird ein Maßnahmenpaket stehen, das reduziertes Personal am Set, besondere Hygenievorschriften und vieles mehr umfassen wird. Doch die Studios müssen dann erst mal entscheiden, mit welchen Filmen sie weitermachen wollen – und überhaupt weiter machen können.

    Denn es ist nicht so einfach, wie viele Leute denken. Man kann die unterbrochenen Dreharbeiten zu „The Batman“, „Matrix 4“, „Marvel’s Shang-Chi“ und Co. nicht einfach dort aufnehmen, wo sie abgebrochen worden sind, und schlicht nahtlos anknüpfen. Wie problematisch das wird, kann man vielleicht ganz gut an Tom Holland illustrieren.

    Tom Holland weiß nicht, wie es weitergeht

    Der britische Schauspieler war gerade in der Talk-Show von Jimmy Kimmel „zu Gast“ (was natürlich bedeutet: per Videoschalte war man jeweils von zu Hause miteinander verbunden). Holland erklärte dabei nicht nur, dass er in seiner WG mit seinen drei Kumpels die Quarantäne mit viel Alkohol, Filmklassikern, Videospielen und dem Schreiben seines ersten eigenen Drehbuchs verbringt, sondern auch keine Ahnung hat, welches Filmprojekt für ihn bei Wiederbeginn der Arbeiten ansteht.

    Als es zum Corona-Stopp kam, weilte Holland in Berlin, wo gerade die Dreharbeiten zu „Uncharted“ begonnen hatten. Ab Sommer, wenn hoffentlich wieder gedreht werden kann, soll er für „Spider-Man 3“ vor der Kamera stehen. Er wisse absolut nicht, wie diese Terminkollision aufgelöst wird, machte Holland deutlich – und ist damit nun das Gesicht einer Branche, in der niemand weiß, wie es weitergeht.

    Dreht man erst einmal begonnene Projekte zu Ende? Das geht nicht so einfach, denn es existieren bereits vertragliche Pflichten für künftige Projekte, die ebenfalls noch gedreht werden müssen. Dabei wird es zu Überschneidungen kommen.

    Eine Veranschaulichung der Probleme

    Nehmen wir das Beispiel Tom Holland. Eine Lösung wäre, die Arbeit an „Uncharted“ wieder aufzunehmen, sobald es möglich ist. Dann müsste „Spider-Man 3“ verschoben werden (sowohl der Dreh als auch der Kinostart). Doch das beträfe die weiteren Personen, die bereits für den Dreh des Marvel-Films im Juli verpflichtet wurden. Dafür wurden womöglich auch schon Sets gebaut, die nun Studioflächen länger als vorgesehen blockieren. Aber diese Räume sind vielleicht schon wieder im Herbst für andere Projekte verplant.

    Das umgekehrte Problem gäbe es bei der anderen Lösung: Erst mal „Spider-Man 3“ zum geplanten Termin (sofern möglich) drehen – und dann schauen, was mit „Uncharted“ ist. Auch hier ist die Frage: Was macht man mit den Sets? Was macht die Crew dieses Films? Bekommt man zu einem späteren Zeitpunkt wieder die Leute, die man haben will? Und bei beiden Varianten: Was passiert eigentlich, wenn bestimmte Locations einfach nicht mehr zur Verfügung stehen?

    Hollywood-Studios: Kampf oder Kooperation?

    Das Beispiel hier wird sich noch relativ einfach auflösen lassen, weil beide Filme von Sony stammen, das Studio kann ein Projekt priorisieren, am Ende werden die Kosten deswegen etwas steigen und viele Crew-Mitglieder Pech haben, weil sie aufgrund von Terminkollisionen ausgetauscht werden oder ein anderes Projekt sausen lassen müssen.

    Doch kompliziert wird es, wenn wichtige Personen Verträge für zwei (oder mehr) Filme unterschiedlicher Studios haben. Hier wird bereits mit großer Spannung erwartet, wie die eigentlichen Konkurrenten an den Kinokassen miteinander umgehen.

    Wird sich der ein oder andere querstellen und einen Star gar nicht oder nur unter Auflagen freigeben? Wir erinnern uns zum Beispiel an #Moustachegate, als Warner Henry Cavill für außerplanmäßige Nachdrehs zu „Justice League“ brauchte, Studio Paramount ihn aber nur für eine eingeschränkte Tagesanzahl freigab – mit der Auflage, dass Cavill seinen für „Mission: Impossible 6“ zugelegten Bart behalten muss.

    Paramount
    Henry Cavill musste seinen schicken Schnurrbart behalten, als er für "Justice League"-Nachdrehs vor die Kamera ging.

    Oder werden die Hollywood-Studios aufgrund der Sondersituation, bei der sie alle im selben Boot sitzen, miteinander kooperieren, spontane Wechsel zwischen Drehs erlauben, sich vielleicht sogar logistisch unterstützen?

    Die Zukunft wird es zeigen, aber schon jetzt ist Branchenexperten klar, dass die Herausforderung für die großen Hollywood-Studios viel weniger der aktuelle Shutdown ist als die komplizierte Wiederaufnahme des Betriebs.

    Uns Kinofans könnten deswegen auch noch einige turbulente Nachrichten erwarten: Drehbücher, die geändert werden müssen; Rollen, die neu besetzt werden; Filme, die womöglich ganz gestrichen werden; und natürlich vor allem, was wir jetzt schon sehen: ganz, ganz viele Verzögerungen.

    Filme nah an der Corona-Realität? "Contagion" und "Outbreak" im Podcast

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    Kommentare
    • kolibrihallodri
      Das Ganze wird (leider) nicht klappen! Genau, wie der letzte Tomb Raider-Müllfilm!Wer will Tom als Nate sehen? Der soll in Holland bleiben!Ich liebe diese Spiele und wenn verdammt nochmal eine Verfilmung, dann ein Spiel verfilmen, aber nix mit Pre- oder Sequel! Nacher gibts nochn Spin-Off! Die spinnen eh immer mehr!
    • WhiteNightFalcon
      Verändert hat sich eigentlich nur, dass die Sicherheitsvorkehrungen aufgerüstet wurden, das ist mein Eindruck. Gibt zu dem Thema aber auch eindrucksvolle Filme, wie die beiden Flug 93 Streifen.
    • Defence
      Ich finde, da täuscht Du Dich. Der 11te September hat bis heute gravierende Auswirkungen, auch auf Hollywood selbst.Bestimmte Themen und Aspekte werden totgeschwiegen, finden in Filmen kaum statt und wenn sich ein Film mal kritischer einem Thema annimmt, findet er kaum sein Publikum (in den Staaten).Ein Film wie der Krieg des Charlie Wilson, trotz Topbesetzung (u.a. mit Tom Hanks), hatte z.b. nicht die Aufmerksamkeit, die er vlt verdient hätte.Wer kennt z.b. Unthinkable trotz prominenter Besetzung (u.a.Samuel L.Jackson)? Der Film bekam nicht mal einen US Kinostart, obwohl er eigenlich alle Vorausetzungen erfüllte, wurde DtV verramscht, weil man befürchtete, einen finanziellen Flop wie The Hurt Locker (auch ein schönes Beispiel für meine Argumentation) aufgrund der Thematik zu haben. Und weil das noch nicht genug war, die Macher wohl Angst vor der eigenen Courage bekamen, gibt es den Film mit 2 Enden, wo bei einem die von US Geheimdiensten angeordnete Folter selbstverständlich nachträglich irgendwie doch legitimiert wurde...^^Liesse sich beliebig fortsetzen und Filme wie Transformers werden nicht ohne Grund vom US-Militär gesponsert, da sie eine tolle Werbeplattform darstellen, um neue Rekruten zu gewinnen.Lone Survivor oder American Sniper sind der heiße Shit, da werden auch mal gerne die Fakten begradigt und angepasst und eine durchaus mindestens ambivalente Persönlichkeit in der Realität wird zum amerikanischen Helden stilisiert...Hat sich deiner Meinung dank 11 September doch so wenig verändert?^^
    • Defence
      Das Problem, was ich dabei sehe, das es sicher genug Leute geben wird, die auch diese Pandemie (wie so einige einschneidende Ereignisse der Vergangenheit und das ist es nun mal allein durch die Lockdownmaßnahmen usw aktuell der Fall) dazu nutzen wollen, um quasi durch die Hintertür eine Art Hays Code reloaded zu etablieren.Hollywood ist in bestimmten Aspekten immer noch ultrakonservativ eingestellt, man muß sich z.b. nur Disney und seine Familienfreundlicher Content Agenda anschauen, in dessen Namen, wie aktuell bei Disney+ öfters wahrnehmbar, unangemessene Dinge und Inhalte auf die unterschiedlichsten Arten und Formen zensiert und verändert werden.Und Disney steht nicht alleine mit dieser Einstellung da.^^
    • Defence
      Stimmt, Donnie Darko gehörte ja auch zu den betroffenen Filmen. Hatte ich glatt vergessen.War auch so ein Musterbeispiel für zur falschen Zeit und dürfte vlt ein kleiner Trost für die Macher sein, das der Film trotzdem eine gute Reputation (inzwischen) besitzt, für viele zu einen Kultfilm wurde.
    • Benny P.
      Das mit 9/11 erinnert mich auch direkt an Donnie Darko. So ist dieser Vorfall der Hauptgrund, wieso der Film heftig an den Kinos floppte.Bleibe gespannt, ob du damit Recht haben könntest bzgl. der Änderungen von Stories bzw. dass solche für eine Zeit übwrhaupt nicht erscheinen werden
    • Rockatansky
      Auch hier gilt, was interessiert mich mein Geschwätz von gestern. Generell glaube ich nicht, das Corona die Gesellschaft im Nachhinein irgendwie positiv verändern wird. Wenn der ganze Spuk vorbei ist, dauert es keine 2-3 Monate und alle leben wieder so, als wäre nie was gewesen. Man kann nur hoffen, dass es wenigstens dafür gut war zu Zeigen, dass so'n brauner Sondermüll wie AfD oder dieser orangene Orang-Utan aus Amerika nix taugen wenn's mal richtig brennt...
    • WhiteNightFalcon
      Irgendwo stand damals auch mal: Der 11. September würde das Actionkino für immer verändern. Filme, in denen US Metropolen angegriffen werden, würde es auf lange Sicht nicht geben. Und was davon ist eingetroffen? NICHTS. Nimm nur Transformers zb. Corona wird keinerlei Einfluss haben auf die Thematiken künftiger Filme.
    • Defence
      Ich denke, das auch interessant werden könnte, ob vlt bestimmte Dinge, Thematiken u.ä., egal, ob direkt o. indirekt, erstmal auf eine Schwarze Liste kommen, nicht mehr verwendet werden für einen Plot (z.b. das Bösewichte keine biologischen Kampfstoffe entwenden können, um damit ein Bedrohungsszenario aufzubauen) aufgrund Corona und das Ausmaß, wie schwer es allein die USA bisher getroffen hat auf allen Belangen.Ähnliches gab es ja z.b. damals auch nach den Ereignissen vom 11ten September. Nicht nur eine Liste, welche Songs nicht mehr im Radio gespielt werden sollten, existierte, sondern auch Filme wie z.b. Password Swordfish (u.a. mit John Travolta) und Black Hawk down(?) meines Wissens deswegen lange nicht offiziell veröffentlicht wurden.
    • HalJordan
      Auch wenn die aktuellen Umstände natürlich für etwaige Verschiebungen sorgen, ich brauche weder Spider-Man 3, noch Uncharted mit Tom Holland. 😀
    • Sentenza93
      Ja, das stimmt. Das gibt in den kommenden Monaten noch viel Chaos.
    • Dark Rain
      Naja ob die Filme gut sind oder nicht ist ja nicht das wichtige Thema hier. Der Artikel hat es ja eigentlich gut erklärt das hier eben auch viele Jobs am Rande des Abgrunds stehen.
    • Sentenza93
      Ich würde keinem der beiden Streifen nachtrauern. 😀 Die müssen auch gar nicht weiterdrehen. 😁
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