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Home > Stars > Star-Archiv > Großbritannien > Kenneth Branagh
Kenneth Charles Branagh (bekannt als Kenneth Branagh)
Geboren am 10. Dezember 1960 in Belfast (Nordirland)
Spielt gerade in dieser TV Serie mit: Kommissar Wallander
Wenn der Name Kenneth Branagh fällt, dann ist der Gedanke an William Shakespeare nicht weit. Der nordirische Regisseur, Schauspieler und Autor ist vor allem für seine Adaptionen des berühmten Dramatikers wie "Henry V." und "Hamlet" bekannt geworden, aber Branaghs Werk erschöpft sich längst nicht in der künstlerischen Interpretation Shakespeares. Das Multitalent ist auf der Theaterbühne ebenso zu Hause wie im Filmgeschäft und setzt seine Energie sowie seinen Hang zur Kontrolle auch immer wieder bei ganz anderen Projekten und Themen ein, so inszenierte Branagh 1994 beispielsweise eine durchaus eigenwillige Filmversion von "Mary Shelleys Frankenstein" und legte 2011 die bildgewaltige Comic-Adaption "Thor" vor.
Ein Nordire lernt Britisch
Der am 10. Dezember 1960 im nordirischen Belfast geborene Kenneth Branagh wuchs als Sohn des protestantischen Handwerkers William Branagh und dessen Frau Frances in einfachen proletarischen Verhältnissen auf. Die unsichere politische Lage im Nordirland der 1970er Jahre veranlasste die Familie dazu, ins englische Reading zu ziehen, das am Zusammenfluss der Themse mit dem Kennet liegt. Der nun neunjährige Branagh litt unter seinem nordirischen Akzent und trainierte sich für die Schule eine kultiviert klingende britische Aussprache an, um nicht ausgegrenzt zu werden. Diesem erstaunlichen Nachweis seiner schauspielerischen Begabung folgten im Verlauf seines schulischen Werdegangs zahlreiche weitere Talentproben. Neben sportlichen Aktivitäten prägten Theaterproduktionen Branaghs umtriebige Schulzeit. Im Alter von 15 Jahren soll er von einer Darbietung Derek Jacobis als Hamlet derart gepackt worden sein, dass sein Interesse für das Theater geweckt wurde. Nach dem Schulabschluss besuchte Branagh die Royal Acadamy of Dramatic Arts, um Schauspiel zu studieren. Noch vor seinem Abschluss im Jahr 1981 verkörperte er in drei Folgen der BBC-Serie "Play for Today" den Sohn einer nordirischen Familie, die vor dem Hintergrund der politischen Unruhen mit Schicksalsschlägen konfrontiert wird. Die ersten Schritte auf dem Weg zum Berufsschauspieler waren gemacht.
Shakespeare und andere Kleinigkeiten
Von der Royal Acadamy of Dramatic Arts gelang Branagh der direkte Sprung auf die Theaterbühnen Londons. Für seine Rolle als Judd in Julian Mitchells gesellschaftskritischem Stück "Another Country", das Homosexualität vor dem Hintergrund eines restriktiven schulischen Machtapparates behandelt, erhielt er 1982 eine Auszeichnung als bester Nachwuchsschauspieler. Branagh war nun sowohl im Theater, als auch im Fernsehen ein gefragter Mann und übernahm parallel Engagements für Bühne und Mattscheibe. So spielte er in der 1984 entstandenen Fernsehserie "Boy in the Bush" nach D.H. Lawrence mit und inszenierte sich selbst in dem Einpersonenstück "The Madness" nach Alfred Lord Tennysons 1855 entstandenem Gedicht "Maud". Der große Erfolg auf den Brettern, die die Welt bedeuten, brachte ihm ein Engagement in der angesehenen Royal Shakespeare Company ein. Dort brillierte er als Heinrich V. in Shakespeares gleichnamigen Drama, wobei Branagh weniger die Brutalität des Despoten als vielmehr die Furcht hinter dessen Handlungen auslotete, was ihm überwältigende Kritiken bescherte. Für das Fernsehen verkörperte er dann unter anderem D.H. Lawrence an der Seite von Helen Mirren dem 1985 entstandenen Film "Spuren der Liebe". Sein künstlerischer Hang zur Selbstdarstellung sowie der Wille, über alle Aspekte des kreativen Prozesses die Kontrolle zu behalten, der bereits bei seiner Theaterproduktion "The Madness" zum Ausdruck kam, schlug sich auch in seiner weiteren Karriere nieder. 1987 gründete Branagh gemeinsam mit dem Schauspieler und Produzenten David Parfitt die Renaissance Theatre Company, die es schließlich bis 1994 geben sollte. In diesen Jahren brachte der Schauspieler und Regisseur zahlreiche Shakespeare-Inszenierungen auf die Bühne, darunter "Romeo und Julia" sowie "Viel Lärm um Nichts".
Selbstdarstellung und Werktreue
1989 war es ebenfalls eine Adaption William Shakespeares, die gleich bei seinem Kinoregiedebüt für Kenneth Branaghs Durchbruch im Filmgeschäft sorgte. Mit sich selbst in der Titelrolle inszenierte er "Heinrich V.", ein Drama, mit dem er bereits im Theater sehr erfolgreich war. Als Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller konnte er seine persönliche Vision des Stoffs umsetzen. Gestützt von einer hervorragenden Besetzung mit Derek Jacobi, Brian Blessed, Richard Briers, Robbie Coltrane, Judi Dench, Emma Thompson, David Parfitt und dem jungen Christian Bale erschuf Branagh ein düsteres Werk und verdammte mit blutiger Deutlichkeit kriegerische Auseinandersetzungen. Dafür wurde er als bester Regisseur mit dem BAFTA-Award ausgezeichnet und für die Regie sowie als Hauptdarsteller gleich zwei Oscar-Nominierungen. Fortan stand die Kinoarbeit im Mittelpunkt von Branaghs künstlerischem Wirken, ohne dass er dem Theater ganz untreu geworden wäre. Nach dem Thriller "Schatten der Vergangenheit" inszenierte er 1992 die Komödie "Peter's Friends - Freunde sind die besten Feinde", in der er einer von sechs Collegefreunden war, die sich Jahre nach der Uni wiedertreffen. Mit viel Gespür für eine nuancierte Figurenzeichnung entwickelte Branagh einen amüsanten Charakterreigen um Neurosen und Wunschträume, der schließlich auch leicht tragische Züge annimmt. Damit bewies der Filmemacher, dass er nicht nur auf Shakespeare festgelegt ist, auch wenn er mit einer Leinwandversion von "Viel Lärm um nichts" 1993 wieder zum britischen Dichterpapst zurückkehrte.
Zwischen Ambition und Anmaßung
Kenneth Branaghs bis dahin ambitionierteste Kinoarbeit war der 1994 entstandene "Mary Shelley's Frankenstein" nach dem Klassiker der romantischen Schauerliteratur. Diesmal war der Tausendsassa Regisseur, Hauptdarsteller und Koproduzent in Personalunion. Sein Versuch, die mythologische Tragik des Stoffes mit filmischen Mitteln umzusetzen, verriet viel über die eigenwillige künstlerische Haltung Branaghs: Mit nacktem, trainiertem Oberkörper präsentierte er sich als unermüdlicher, athletischer Schöpfer, der absolute Größe im Sinn hat. Eine solche Inszenierung der eigenen Person war für viele kritische Betrachter schlicht zuviel des Guten und sie sahen im bizarren Pathos solcher Szenen eine selbstverliebte Eigendarstellung Branaghs. Ausgeprägte narzisstische Züge sind dem Mimen sicher nicht abzusprechen, schließlich hat er schon mit 28 Jahren ein erstes autobiographisches Buch über seine Karriere veröffentlicht. Nach dem Misserfolg mit "Frankenstein", in dem selbst Robert De Niro nur die zweite Geige spielen konnte, kehrte Branagh vorübergehend zu Shakespeare-Stoffen zurück. Er spielte Jago in "Othello" und verkörperte dann den Dänenprinzen "Hamlet" wieder unter eigener Regie. Seine Version des berühmtesten aller Dramen ist vor allem deswegen bemerkenswert, weil die Originaldialoge Shakespeares ohne Kürzungen verwendet wurden – ironischerweise erhielt Branagh für sein Drehbuch eine weitere Oscar-Nominierung.
Von Woody Allen über Mozart zu Thor
Nach weiteren Filmrollen in Robert Altmans Thriller "Gingerbread Man - Eine nächtliche Affäre" oder als Woody Allens Alter Ego in dessen verschrobener Komödie "Celebrity" war Kenneth Branagh Anfang des Jahrtausends wieder stärker auf der Theaterbühne präsent, wo er unter anderem als Richard III. im Crucible Theatre in Sheffield zu sehen war. Nach vielbeachteten Fernsehrollen als Heydrich in "Conspiracy - Die Wannseekonferenz" und als Polarforscher "Shackleton" brachte sich Branagh 2002 mit seiner Darstellung des Gilderoy Lockhart in "Harry Potter und die Kammer des Schreckens" einem weltweiten Millionenpublikum wieder in Erinnerung und verkörperte die Rolle als blasierter Aufschneider beängstigend überzeugend. Nach "As You Like It", einer weiteren Shakespeare-Verfilmung, inszenierte er eine originelle Kinoversion von Mozarts "Die Zauberflöte" und stellte einmal mehr seine Vielseitigkeit unter Beweis. Eine weitere höchst individuell ausgestaltete Regiearbeit ließ Branagh 2007 mit dem Remake "1 Mord für 2" folgen, in dem sich Michael Caine und Jude Law wie einst Laurence Olivier und Michael Caine in "Mord mit kleinen Fehlern" ein trickreiches, brillant gespieltes (Wort-)Duell bis aufs Blut liefern. Prägnante Schauspieljobs übernahm Branagh danach als Major-General Henning von Treschkow in Bryan Singers "Operation Walküre" und als Kommissar Wallander in der neuen TV-Filmreihe nach Henning Mankell. Mit der Comic-Verfilmung "Thor" meldete sich Kenneth Branagh 2011 auch als Regisseur zurück und zeigte, dass er sich auch in der Welt der Götter und Superhelden heimisch fühlt.
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