Queens Of The Dead
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,5
durchschnittlich
Queens Of The Dead

Zombie-Horror, Camp und Comedy

Von Dobrila Kontic

Im Genre des – gerne mit Gesellschaftskritik angereicherten – Survival-Horrors fühlen sich Zombies seit jeher am wohlsten. Aber daneben dürfte die Horror-Komödie sicherlich das zweitliebste Genre der nach Menschenfleisch lüsternen Untoten sein: Schließlich birgt der Überlebenskampf im Angesicht einer zwar blutrünstigen, aber oft ganz schön schlaff dahinschlurfenden Verwesenden-Horde auch allerlei Potenzial für Situationskomik. Den zwei bis heute bekanntesten Zombie-Komödien „Shaun Of The Dead“ (2004) und „Zombieland“ (2009) ist gemein, dass sie in ihre mit Gags vollgestopften Plots auch traurige Momente von Verlust integrieren – und daneben mit reichlich Splatter und Gore auch noch den Blutzoll in die Höhe schrauben.

Mit ihrem Spielfilmdebüt „Queens Of The Dead“ begibt sich nun auch Tina Romero auf ebendiesen von Horror und Humor gesäumten Pfad – und damit auch auf die Spuren ihres eigenen Vaters George A. Romero, der seit seinen bahnbrechenden Horror-Meisterwerken „Die Nacht der lebenden Toten“ (1968) und „Zombie – Dawn Of The Dead“ (1978) völlig zu Recht als Begründer des modernen Zombiefilms verehrt wird. Allerdings situiert die Regisseurin ihren Zombie-Survival-Plot im Milieu eines queeren Drag-Show-Clubs im New Yorker Stadtteil Brooklyn. Das verspricht neben Blut und Gedärmen auch jede Menge Glitzer, Pomp und Shade – nur zeigt sich leider schon früh in „Queens Of The Dead“, wie schwierig es ist, diese Elemente stimmig in Einklang zu bringen.

Der knallige Auftritt von Margaret Cho gehört ganz klar zu den Highlights von „Queens Of The Dead“. Filmperlen
Der knallige Auftritt von Margaret Cho gehört ganz klar zu den Highlights von „Queens Of The Dead“.

Die Eröffnungssequenz setzt zunächst einen trashigen Ton: Eine bei Tageslicht durch Brooklyn stöckelnde Drag Queen sucht vor dem anstehenden Partyabend noch eine Kirche auf und wird dort von einem Geistlichen mit metallic-grünlicher Haut gebissen. Dann switcht „Queens Of The Dead“ zum Hauptensemble des Films, das über zwei Orte verteilt ist: Dre (Katy O'Brian) ist die lesbische Betreiberin des queeren Clubs ‚Yum‘ und bereitet unter Hochdruck alles für den Abend vor. Dabei geht jedoch so ziemlich alles schief: Das Klo ist verstopft und ausgerechnet ihr engstirniger Cis-Hetero-Schwager Barry (Quincy Dunn-Baker) rückt an, um für Abhilfe zu sorgen und allerlei dumme Kommentare abzulassen. Derweil proben Nico (Tomas Matos) und Ginsey (Nina West) ihre Drag-Show – und warten dabei zunehmend ungeduldig auf Yasmine (Dominique Jackson), den eigentlichen Star der Truppe.

Schon hier greifen die affektierten Spitzen der Dragqueens und die Spannungen zwischen Dre und Barry nicht wirklich ineinander. Das liegt vor allem am behäbigen Schnitt, der zu seltsamen Pausen zwischen den Dialogwitzen führt. Ähnlich ins Stottern gerät der Film auch am anderen Ort des Geschehens, einem Krankenhaus, in dem Dres Partnerin Lizzy (Riki Lindhome) als Krankenschwester arbeitet. Diese überredet den Pfleger Sam (Jaquel Spivey), notfalls für Yasmine in der Drag-Show einzuspringen. Währenddessen wird die missmutige Jane (Eve Lindley) mit Schwächesymptomen, die auf die von Nico verhökerten Drogen zurückzuführen sind, eingeliefert. Noch ahnt niemand, was die zusammengepanschten Mittel noch so alles auslösen können …

Viel Glitzer, wenig Gore

Ein dichtes, durchaus interessantes Beziehungsgeflecht mit in doppelter Hinsicht diversen Figuren hat Tina Romero hier gemeinsam mit Drehbuchautorin Erin Judge ersonnen. Doch dem gesamten Personal dann auch den nötigen Raum zur Entwicklung einzuräumen, erweist sich als zunehmend mühsam – zumal ja auch noch das Hereinbrechen einer regionalen Zombie-Invasion in den knapp 100 Minuten unterzubekommen ist. Die Gestalten, die nach und nach ins Yum und in das Krankenhaus wandern, sind bewährt blutrünstig, aber mit ihren Glitzeroutfits und der schimmernden Haut wenig furchterregend.

Zudem sind die Gore-Momente so rar gesät, dass der Untoten-Einfall eher zum Hintergrundrauschen gerät. In den Vordergrund rückt stattdessen der Überlebenskampf der Yum-Crew und Dres Sorge um Lizzy, mit der sie kurz vor der Familiengründung steht. Doch dieses emotionale Gewicht kommt kaum zum Tragen: In entscheidenden Momenten beharrt „Queens Of The Dead“ darauf, eine möglichst überdrehte Horror-Comedy zu sein, für die dem Film wiederum die nötige Dynamik in der Kameraführung und ein entsprechend gesetztes Schnitt-Tempo fehlen.

Tina Romero erkundet die queere Seite der „… Of The Dead“-Reihe ihres berühmten Vaters. Filmperlen
Tina Romero erkundet die queere Seite der „… Of The Dead“-Reihe ihres berühmten Vaters.

Trotz dieses unausgewogenen Tons blieb mir persönlich aber bis zum Schluss viel Sympathie für „Queens Of The Dead“ erhalten. Denn immer, wenn die Erwartungen in den Keller zu rasseln drohten, bäumte sich der Film zombiegleich wieder auf – etwa mit amüsanten Genreverweisen wie einem Cameo-Auftritt von Maskenbildner-Legende Tom Savini, mitreißenden Drag-Performances oder knalligen Figuren-Einführungen wie dem ersten Auftritt von Margaret Cho als resoluter Butch.

Zudem lässt Dre-Darstellerin Katy O'Brian hier erneut die bestechende Präsenz erkennen, mit der sie bereits den Kristen-Stewart-Kultfilm „Love Lies Bleeding“ so bereichert hat. Allesamt verweisen diese Stärken auf einiges an Potenzial, das sich mit mehr technischem Feinschliff und einer weiteren Überarbeitung des Skripts womöglich hätte entfalten können. Wir würden es also zumindest nicht von vornherein ablehnen, wenn sich Tina Romero weiterhin der queeren Ausleuchtung des Zombievermächtnisses ihres Vaters widmen würde.

Fazit: „Queens Of The Dead“ fährt mit Pomp, Glitzer und einer kleinen Prise Gore auf, verheddert sich aber im Versuch, Beziehungsgeflechte auszuarbeiten und einen klaren Ton zwischen blutigem Zombie-Horror und hochtouriger Untoten-Comedy zu treffen.

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