Im Sommer 1990 erlebt Deutschland einen historischen Ausnahmezustand: Die Nationalmannschaft wird in Italien Fußballweltmeister und schreibt unter Teamchef Franz Beckenbauer Sportgeschichte. Jahrzehnte später wird das Turnier neu beleuchtet – mit persönlichen Erinnerungen der Spieler, bislang unveröffentlichtem Privatmaterial und seltenen Archivfunden aus dem FIFA-Bestand. Die Rückschau zeichnet nicht nur den sportlichen Weg zum Titel nach, sondern beleuchtet auch den Geist eines Landes im Umbruch. Im Mittelpunkt stehen Zusammenhalt, Loyalität und das Gefühl von Aufbruch in einem frisch wiedervereinigten Deutschland, dessen kollektive Euphorie bis heute nachwirkt.
Der Sololauf von Lothar Matthäus im Spiel gegen Jugoslawien, der Spuck-Skandal um den angerotzten Rudi Völler sowie schließlich der Elfmeter von Andreas Brehme im Finale gegen Argentinien, der uns nach 1954 und 1974 zum dritten Mal zum Weltmeister machte: Das sind die aus deutscher Sicht ikonischsten Momente der WM 1990, die sich seitdem tief ins kollektive Gedächtnis einer damals im Taumel der Wiedervereinigung berauschten Nation eingebrannt haben. Die größte Stärke der Kino-Doku „Ein Sommer in Italien - WM 1990“ ist es allerdings, dass sich das Regie-Duo Nadja Kölling und Vanessa Goll nicht auf diesen altbekannten Highlights ausruht, sondern einen ganz eigenen Zugang findet – und zwar, indem die damaligen Geschehnisse ausschließlich aus der Perspektive des Teams nachvollzogen werden.Keine sonstigen Expert*innen, kein übergeordneter Kontext – nur die Erinnerungen der damaligen Spieler s