Es sah so vielversprechend aus: Eine aufwändige Neuverfilmung von Richard Mathesons Kultroman "I am Legend", der (neben der ein oder anderen B - Film - Adaption) schon zweimal zu Leindwandehren kam: 1964 mit Horror - Ikone Vincent Price ("The last man on earth") und 1971 mit Charlton Heston ("Der Omega - Mann") in der Hauptrolle. Diese beiden Verfilmungen gehören zwar nicht zu den absoluten Meisterwerken des SF - Genres, dazu tragen sie zu sehr die Zeichen ihrer jeweiligen Entstehungszeit, sind aber sehr solide Genrekost und stellenweise auch interessante Umsetzungen des Original - Stoffes von Matheson. Schon Ende der 90er kamen Gerüchte über eine mögliche Neuverfilmung des Stoffes auf, damals war vor allem Arnold Schwarzenegger im Gespräch für die Titelrolle.
Wie die Endzeit - Vision mit dem Gouvernator ausgesehen hätte wird wohl für immer Gegenstand von Spekulationen bleiben. Die Produzenten entschieden sich schliesslich für Allrounder Will Smith und ob sie wirklich gut daran taten, bleibt wohl jedem selbst überlassen. Fest steht: Smith bietet wahrscheinlich eine seiner besten Performances überhaupt, sein Robert Neville ist so einsam, verzweiffelt und traurig daß es einem das Herz bricht. Vincent Price (der ebenfalls eine der besten Leistungen seiner Karierre bot) war ein desillusionierter, fast schon apathischer Antiheld, den ganzen Film über am Rande des Wahnsinns. Charlton Hestons Version des Robert Neville war trotz interessanter Ansätze im Grunde nur eine Variation der Rolle die er zuvor schon in "Planet der Affen" innehatte, ein zwar gebrochener, aber dennoch knallharter und leicht zynischer Actionheld. Will Smith darf von allen am meisten menscheln. In einer der stärkeren Szenen des Films (SPOILER) klammert er sich an seinen sterbenden Hund, um ihm einen schnellen und schmerzlosen Tod zu gewähren. Die Verzweifflung, die ihn durch den Tod seines letzten noch verbliebenen Freundes überkommt überträgt Smith mühelos auf den Zuschauer (SPOILER ENDE).
Aber es ist einmal mehr eine Milchmädchenrechnung. So sympathisch sein Robert Neville ist, so oberflächlich ist er auch. Auch wenn Smith ohne die rotzigen Sprüche aus Independence Day - Tagen auskommt erlaubt ihm seine Rolle nicht mehr als ein weiterer, typischer Hollywood - Übermensch zu sein. Der Wahnsinn, der sich zwangsläufig einstellen muss wenn man der letzte noch verbliebene Mensch auf Erden ist während sich die Überlebenden in Monster verwandelt haben, ist bei "I am Legend" kein Thema. Neville bleibt letztlich immer Herr der Lage. Zweiffel, Selbstmordgedannken oder Allmachts - Fantasien haben bei ihm keine Chance. Heston und Price hatten hier wesentlich glaubwürdigere Interpretationen zu bieten.
Dieses Dilemma ist aber wohl mehr auf das schwache Drehbuch zurückzuführen denn auf das mangelnde Talent des Hauptdarstellers. Und da wären wir auch gleich bei der zweiten grossen Schwäche des Films. Die Geschichte von "I am Legend" ist so blutarm wie die Kapillargefässe der vampirischen Infizierten. Mehr als Will Smith vs. die Monster hat der Film im Grunde nicht zu bieten. Darüber kann auch die ein oder andere zaghafte Nebenhandlung nicht hinwegtäuschen. Und das Ende des Films ist ebenso einfallslos wie enttäuschend und wird ausserdem viel zu abrupt herbeigeführt. Das Konfliktpotenzial, daß in der Vorlage vorhanden ist, wird nicht einmal annähernd ausgeschöpft. Ärgerlich auch die simple Infizierten - Thematik: Waren die Mutanten in "Der Omega - Mann" als sektenähnliche Vereinigung immerhin noch gut für etwas Zivilisationskritik, so werden sie in "I am Legend" zu instinktgesteuerten, grunzenden Zombies degradiert. Damit könnte man sich ja vielleicht noch anfreunden, wären die Effekte wenigstens brauchbar. Aber die Animation der albern herumspringenden Zombies auf Speed fällt mehr als dürftig aus. Die CGI - Effekte sind in der Tat so schlecht daß man sich in die dunklen Tage der Entstehungszeit dieser Technik zurückversetzt fühlt, als Filme mit CGI - Effekten (wie "Jumanji") gerade im Kommen waren. Daß dies der Spannung in den durchaus packend inszenierten Actionszenen einen enormen Abbruch tut, braucht eigentlich nicht erwähnt zu werden.
Aber es gibt nicht nur schlechtes zu vermelden: Die Atmosphäre die der Film heraufbeschwört, sucht ihresgleichen. Besonders die Bilder der ersten dreissig Minuten, wenn die Kamera mit Neville durch ein geisterhaftes, zerfallendes New York wandert, sind von ungeheurer Intensität und hervorrangend fotografiert. Schon "Der Omega - Mann" bot beängstigende Eindrücke einer entvölkerten Welt, aber erst die Errungenschaften des digitalen Zeitalters und ihrer Bildbearbeitungsprogramme lassen die Illusion perfekt werden. Die unkrautumrankten verlassenen Häuserschluchten der Mammutstadt hinterlassen einen beklemmend - poetischen Eindruck, und setzen sicherlich einen neuen Standard für kommende Endzeitfilme.
Fazit: Trotz eindringlicher Atmosphäre und einem hervorragenden Will Smith vermag "I am Legend" kaum zu überzeugen. Das utopische, gesellschaftskritische Material des Autors Matheson bleibt nahezu unangetastet, und auch auf dramaturgischer Ebene herrscht eher Einfallslosigkeit. Spannung kommt aufgrund für Blockbuster - Verhältnisse unzureichender Effekte und einfallslosem Monster - Design kaum auf. Somit scheitert "I am Legend" letztlich auf beinahe jeder (relevanten) Ebene. Für begeisterte Photoshop - Nutzer dennoch einen Blick wert.