Ich hatte immer geglaubt, “Rendezvous mit Joe Black” sei eine furchtbare Liebesschnulze mit dem damals sehr beliebten und umschwärmten Brad Pitt! Daher habe ich um diesen Film immer einen Bogen gemacht – ein großer Fehler, wie sich jetzt herausgestellt hat. Denn es handelt sich hier nicht so sehr um einen Liebesfilm, das ist er zwar auch, aber vielmehr steht das Familiendrama im Zentrum und die Dynamik, die sich zwischen Familienoberhaupt William Parrish und seinen beiden Töchtern Susan und Allison entspinnt. Zusätzlich gibt es einen bitterbösen Sideplot um Drew, der versucht, die Firma zu übernehmen, um sich persönlich zu bereichern. Und in diesem Spannungsfeld treibt dann Joe Black – der Tod himself - sein Unwesen, der durch William die Menschen an sich besser kennen lernen will. Die Liebesgeschichte zwischen Joe und Susan ist dabei nur ein kleiner Sidequest.
Der Film brilliert durch intelligente und extrem pointierte Dialoge, die die Dramatik stetig vorantreiben. Der Film ist immer dann am besten, wenn Brad Pitt und Anthony Hopkins sich hier mit Worten duellieren, deren Beziehung zueinander macht im Verlauf des Films auch eine deutliche Veränderung durch, vor allem William wird zum Ende hin immer fordernder und aggressiver gegenüber Joe. Beide Schauspieler agieren absolut überragend, die Szenen mit den beiden sind absolut meisterhaft inszeniert, das ist ganz, ganz großes Kino. Ebenso großartig ist auch Claire Forlani in der Rolle der Susan, die Chemie zwischen ihr und Brad Pitt ist geradezu magisch und trägt ganz entscheidend dazu bei, dass diese Lovestory nicht peinlich oder unglaubwürdig wird.
Der Subplot um die hinterhältige Firmenübernahme ist an sich zwar wenig originell, funktioniert hier aber auch wieder aufgrund der starken schauspielerischen Leistungen sehr gut. Jake Weber ist als Drew so ein aalglattes Arschloch, man muss ihn einfach hassen! Jeffrey Tambor als Quince ist da demgegenüber gutmütige Freund, der bei der ganzen fiesen Action unter die Räder kommt, weil er wahrscheinlich gar nicht ahnt, wie abgrundtief böse Drew sein kann. Und die Szene am Ende, wenn Joe Black endlich enthüllt, wer er wirklich ist (!), ist einfach nur grandios! Der Gesichtsausdruck bei Anthony Hopkins ist unbezahlbar! Fantastisch!
Insgesamt ist der Film mit seinen fast drei Stunden schon sehr lang, wird aber zu keinem Zeitpunkt langweilig, redundant oder uninteressant. Es ist einfach nur großartig, so einzigartigen Schauspielern wie Brad Pitt, Anthony Hopkins und Claire Forlani zuzuschauen. Dennoch schrammt der Film haarscharf am Meisterwerk vorbei, Grund dafür ist das leider viel zu kitschig ausgearbeitete Ende. Ein Happy End ist ja schön und gut, auch Feuerwerk am Ende eines solchen Films haben wir schon gesehen, das kann man machen, aber hier ist das einfach viel zu dick aufgetragen und von allem too much. Hier wäre weniger eindeutig mehr gewesen und ich persönlich hätte dieses kitschige Happy End auch nicht gebraucht, man hätte Joe Black auch einfach mit William Parrish hinter dem Hügel verschwinden lassen können und dann direkt “Directed by Martin Brest” einblenden können.
FAZIT: Unfassbar starkes Schauspiel trifft auf ein grandioses, spannendes und emotionales Drehbuch. Eine konflikthafte Familiendynamik, eine bösartige Firmenübernahme und eine zarte Lovestory, alles in einem fantastischen Film, der ganz, ganz knapp die Höchstwertung verfehlt! Unbedingt sehenswert! Und wer behauptet, Brad Pitt sieht hier nicht absolut umwerfend aus, der lügt!