Zeitlos und aktueller denn je… Ein moderner Klassiker!
Wer hätte gedacht, dass ein Science-Fiction-Film aus dem Jahre 1998 so aktuell and stellenweise sogar wahr werden würde? Regisseur Peter Weir drehte den sehr erfolgreichen Film „Die Truman Show“ mit Jim Carrey in der Hauptrolle. Für die Zeit war der Film ohne Zweifel im Sci-Fi-Genre einzusiedeln, doch heute ist das nicht mehr so genau zu sagen. Sicherlich gibt es einige überzogene Elemente, wie die Manipulation des Wetters, doch das Grundkonzept ist heute alles andere als fremd. Doch der Film bleibt nach wie vor einzigartig in seiner Ausführung und Inszenierung und ist bis heute ein eindrucksvolles Werk!
Truman hat ein perfektes Leben: Ein gut bezahlter Job, eine Frau, ein Haus, tolle Freunde… Was will man mehr? Nun Truman fühlt, dass etwas in seinem Leben fehlt, etwas was ihm seine Heimat, seine Ehe oder sonst etwas nicht geben kann. Währenddessen verfolgen Millionen Menschen auf der Welt Trumans Leben im Fernsehen, denn seit seiner Geburt ist der junge Truman der Star in seiner Serie. Doch er weiß das nicht. Alles um ihn herum ist inszeniert: Die Menschen, die mit ihm leben sind Schauspieler (selbst seine Frau!) und die Stadt selbst, in der er lebt eine riesige Kulisse. Doch natürlich dauert es nicht lang, bis Truman einige seltsame Dinge bemerkt…
„Die Truman Show“ ist einer dieser Filme, die allein von ihrer Grundidee unfassbar spannend sind. Wie „Black Mirror“, nur dass es damals noch kein „Black Mirror“ gab. Trotzdem ist das geniale Drehbuch von Andrew Niccol aktueller den je. Die Idee Menschen bei ihrem natürlichen Leben zu filmen ist nicht neu (auch für 1998 nicht), aber die Tatsache, dass Truman nichts davon weiß, macht das Ganze so interessant und zugleich diabolisch. Was als witzige TV-Show vermarktet wird, entpuppt sich schnell als Überwachungsstaat. So spielt Regisseur Weir sehr clever mit dem Konzept und lässt den besten Freund oder die eigene Frau plötzlich wie Antagonisten in einem Thriller wirken. Und tatsächlich könnte man das Ganze auch so verkaufen, denn die Idee, dass man von allen zu jeder Zeit beobachtet wird, ist sehr unheimlich! Doch ich respektiere den Film eben dafür, dass er mehr als Gesellschaftssatire funktioniert mit viel Humor. Hier ist Carrey natürlich der perfekte Kandidat dafür. Doch seine dramatischen Talente sind ebenso beeindruckend! Ich bin einfach ein großer Fan von ihm, gerade wenn er nicht seine übliche Schiene fährt.
Der Rest des Casts ist ebenfalls sehr stark, allen voran Ed Harris, der nicht zu Unrecht für einen Oscar nominiert war. Laura Linney (die für mich wie die Schwester von Laura Dern aussieht!), Noah Emmerich und sogar Paul Giamatti sind allesamt stark. Gerade die viel zu glatte Art mit der Trumans Freunde ihn behandeln ist einfach perfekt für den Stil des Films.
Sehr spannend sind auch die unzähligen Ebenen und Themen, die Weir mit seinem Film anspricht und kritisiert. Nicht nur die Mediengesellschaft, sondern auch Religion wird hier immer wieder ins Zentrum gerückt. Ein weiterer Film, den man problemlos in der Schule zeigen und analysieren könnte.
Optisch macht der Film ebenfalls etwas sehr Raffiniertes: Er lässt die Kamera zum Antagonisten werden. Gerade wenn es eine Kamera ist, die Truman verfolgt, sehen wir immer eine Vignettierung im Bild (also eine Abrundung der Kanten), was die subtile Bedrohung noch verstärkt.
Das Design der Stadt, in der Truman lebt, wirkt wie aus einer Werbung: Perfekt. Und auch hier passt Weir das Ganze super zum Rest an und kreiert eine scheinbar makellose Welt, in der aber nichts echt ist, außer die Werbung.
Die Musik von Philip Glass und Burkhard von Dallwitz ist sehr beeindruckend und wechselt gekonnt zwischen herrlich überzeichnet und rührend sentimental. Auch hier stimmt alles!
Fazit: „Die Truman Show“ erhielt drei Oscar-Nominierungen und leider keine Trophäe. Wirklich schade, denn in meinen Augen war dies einer der originellsten und besten Filme der späten 90er! Doch gut Ding will Weile haben, denn der Film von Peter Weir wird immer beliebter durch seine aktuelle Thematik und hat mittlerweile Kultstatus. Völlig zurecht, wie ich finde. „Die Truman Show“ ist ein modernes Meisterwerk, das mich berührt und mir gleichzeitig zeigt, wie abgestumpft das Publikum von heute ist. „Die Truman Show“ ist mehr als nur ein Film!