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FILMGENUSS
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3,5
Veröffentlicht am 7. September 2021
BIS HIERHIN UND NICHT WEITER von Michael Grünwald / filmgenuss.com!
Österreich hat einen Filmemacher, der seine Locations für den Dreh nicht irgendwo wählt, sondern ganz besonders das Fremdenverkehrsamt einzelner Bundesländer besonders glücklich macht. Sei es ein durchs burgenländische Weinbaugebiet radelnder Erwin Steinhauer im spätsommerlichen Abendlicht oder das Salzkammergut fernab jeglicher touristischer Bildflitzer in schwerem, warmem Grün, dampfend und taufrisch. Julian Roman Pölsler ist der Mann für das kleine Drama vor großer Kulisse, und Autor Alfred Komarek zum Beispiel hat in ihm seinen Bildermacher gefunden. Doch nicht nur er, auch die 1970 viel zu früh verstorbene Marlen Haushofer wäre froh gewesen, ihren berühmten Roman Die Wand in seinen Händen zu wissen. Bereits schon 1963 verfasst, scheint das Werk wie ein dem momentanen Trend verwandter Beitrag zur Endzeit des Menschen und vielleicht dessen Neuanfang zu sein. Zeitlos, könnte man sagen. Und zeitlos ist auch Pölsler Inszenierung, und zwar zu einem Gutteil auch im wahrsten Sinne des Wortes.
Wer Haushofers beklemmendes Szenario nicht kennt: eine Frau macht gemeinsam mit einem befreundeten Ehepaar (Karlheinz Hackl und Ulrike Beimpold in wirklich sehr kleinen Rollen) Urlaub im schönen Oberösterreich, und zwar inmitten malerischer Forstwildnis in einem stattlichen Bauernhaus fürs Wochenende. Während das Ehepaar ins Dorf geht, bleibt die Frau mit dem Hund Luchs allein zurück, erwacht nächsten Morgen und stellt fest, dass die beiden nicht heimgekehrt sind. Sie geht der Sache auf den Grund – und stößt dabei auf eine unsichtbare Mauer. Jenseits der Mauer scheint die Zeit, gleich eines Dornröschenfluchs, stillzustehen. Die Frau muss sich also arrangieren, wird zur Selbstversorgerin und vom Großstadtmenschen zur Bäuerin. Die Tage vergehen, inmitten ihrer Enklave. Doch die Grenze verschwindet nicht.
Hauptdarstellerin Martina Gedeck ist natürlich eine gute Wahl. Sie gibt sich natürlich, neugierig und oftmals verzweifelt. Jedoch selten ängstlich. Sie weiß – Angst bringt sie nicht weiter. Und dennoch muss sie, auch ohne ausbaubares Ego-Ziel, weiterleben. In anderen Filmen mit ähnlichen Themen würde die Geschichte eine ganz andere Richtung einschlagen. In anderen Filmen, in denen Isolation als roter Faden eine zu bezwingende Hürde spielt, gilt es, diese zu überwinden. Wie aus dem Glassturz entkommen? Da wird stets allerhand ausprobiert. Nicht so in Haushofers Romanverfilmung. Ihre Geschichte ist nicht die einer abenteuerlichen Flucht aus der Begrenzung, sondern die Akzeptanz einer solchen. Gedecks Figur macht nur zaghafte Versuche, herauszufinden, ob es ein Entkommen gibt. Sehr schnell fügt sie sich den Umständen, während ich mir wohl beim Zusehen so allerhand Möglichkeiten ausmale, der Gefangenschaft zu entgehen. Haushofer will etwas ganz anderes erzählen. Neben einer Rückbesinnung auf substanzielles Tagwerk ist es Bescheidenheit, sich nach der sprichwörtlichen Decke zu strecken, was allerdings nicht dem menschlichen Naturell entspricht. In diesem Zwiespalt steckt Pölslers Film, und wird, auch durch Gedecks nüchterne Stimme aus dem Off, von einer düsteren Resignation befallen, trotz Vogelgezwitscher in den Wäldern, sonnendurchfluteten Almen und herrlichen Ausblicken. Die Freiheit des Blickes wird zur Betrachtung einer Illusion, die sich nicht greifen lässt. Genau dieser Punkt macht diesen wie eine Lesung anmutenden Survivaltrip so unbequem und einschnürend. ________________________________________________ Mehr Reviews und Analysen gibt´s auf filmgenuss.com!
Ich habe das Buch gelesen und auch erst nach mehrmaliger Auseinandersetzung meinen persönlichen tieferen Sinn dieser Geschichte schemenhaft erkennen können. Wenn man das Buch nicht gelesen hat, kann man den Film gern für sich stehen lassen und akzeptieren. Ansonsten aber ist eine 1-zu-1-Adaption des Buches wirklich relativ pointless. Interessant hätte ich es gefunden, wenn der Film nicht versucht hätte am Buch zu kleben und etwas Eigenes draus entstanden wäre. So kann ich hier nur Jedem beipflichten, der sagt: "Nette Landschaftsaufnahmen." Schauspielerisch keine dankbare Rolle; unter dem Gesichtspunkt solide.
Nette Idee, schnarchige Umsetzung. Gewiss lässt sich aus dem Film ein philosophischer Diskurs rausquetschen: die Selbstisolation des Menschen beispielsweise oder die natürliche Bezogenheit des Menschen auf seine Mitmenschen, das Menschsein als zoon politicon und die Frage, welche Bürde oder welcher Rückfall ins Tierische damit verbunden ist, wenn die Welt eines Menschen nur mehr aus ihm selbst besteht. Das kann man tun. Aber damit springt man weiter als es der Film schafft. Die meist depressiv dreinblickende Hauptfigur, von der wir lediglich erfahren, dass sie mit Hugo und seiner Frau zu einem Jagdausflug wollte und einen recht hohen Wert auf der Intraversion-Skala besitzt, wird ebenfalls zusammen mit den hübschen oberösterreichischen Landschaftsaufnahmen eingeblendet. Leider passiert sonst nicht viel, quasi wie in manchen Werken der Oberstufenliteratur. Schnarch, gähn.... Der übergeblendete Text sind direkt aus dem Roman entnommene Zitate, beispielsweise fasst das hier das 88-Minutentraining in Frustrationstoleranz ganz gut zusammen: "Dann setzte ich mich auf die Bank und wartete auf die lange Nacht." Sitzen und Warten... eine vortreffliche thematische Absteckung des Films!
"Die Wand" findet sprachlich fast ausschließlich im "Off" statt, und das ist gut so. Durch diesen Kunstgriff wirkt der Film wie großartig bebilderte Poesie. Ohne Frage ist das Arthouse-Kost der schwereren Art und nicht jedermanns Sache. Mich persönlich hat "Die Wand" sehr berührt. Eine beklemmende Selbstfindung in Form einer Parabel, die jede Menge Interpretationsspielräume eröffnet und von Martina Gedeck in höchst intensiver Form transportiert wird. Über den Inhalt möchte ich mich gar nicht großartig auslassen, vielleicht nur insoweit, als dass man die surreal anmutende Zäsur zu Anfang als gegeben akzeptieren sollte, ohne sie zu hinterfragen. Die überraschend auftauchende Wand kann dabei sehr viel bedeuten, wichtig ist die daraus entstehende Fokussierung und der schmerzhafte Lernprozess, sich selbst zu verstehen, sich zu entwickeln, zu wachsen. Ein Weg, der aus tiefer Depression zu einer Katharsis und innerer Stärke führt. Eine sehr gelungene Verfilmung eines als "unverfilmbar" eingeschätzten Romans von Marlen Haushofer.
Interessante Buchumsetzung, hervorragende Hauptdarstellerin, ausgeklügeltes Spiel mit Kamera und Sound - herrliche Landschaftsaufnahmen und mächtig 'was zu "brainen" - gaaaaanz STARK!
So, ich habe mir den Film heute ohne große Erwartungen zusammen mit meiner Freundin angeschaut. Schon nach den ersten 10 Minuten wollte ich abschalten...
Wahrscheinlich habe ich mir auch ein bischen "zuviel" Logik von dem Film erwartet. Die sehr gute schauspielerische Leistung von Martina Gedeck steht hier auch außer Frage... Ich persönlich habe einfach ein Problem mit dem Skript für diesen Film! Selbst wenn die Aussage des Filmes eine sehr menschliche und philosophisch wertvolle verkörpert und man sicher auch das Drama und die Freuden die sich hinter dieser Message verbergen verstehen kann so finde ich das dieser Punkt alleine den Film nich tragen kann!
Bevor ich meiner.. und ich will tatsächlich sagen "Wut" über diesen zu meiner Meinung nach die Unbefriedigung geradezu provozierenden Film kund tun kann, will ich nur noch kurz an dieser Stelle meiner Kritik vor einem Spoiler warnen!
So, zuallererst hat habe ich nun die Angewohnheit mich meistens in die Hauptrollen bzw Rollen des Films hineinzuversetzen. Womit ich sicherlich nicht alleine stehen werde. Das größte Problem in dem Film "Die Wand" für mich ist die Wand! Der Film wird mit der erschreckenden Tatsache einer plötzlich wie aus dem nichts erscheinenden, unsichtbaren Wand eingeleitet die die Hauptprotagonistin von der restlichen Welt abtrennt. Bis dahin ist auch alles noch vollkommen logisch und nachvollziehbar. Doch der Regisseur des Filmes lässt seine Hauptprotagonistin kurz nach dieser erschreckenden Entdeckung nicht etwa den Tatsachen auf den Grund gehen...nein er schickt sie zurück in ihre Waldbehausung wo sie erst einmal in eine tiefe nachdenkliche Stimmung verfällt... Soweit so gut! Vieleicht befindet sie sich auch in einem Schockzustand und muß erst einmal wieder klare Gedanken fassen. Doch auch eine Woche nach der Entdeckung der unsichbaren Wand macht Sie keine Anstallten das zu tun was meiner Meinung nach jeder einigermasen logisch denkende Mensch in so einer Situation machen würde. Und zwar ersteinmal heraus zu finden wo den diese Wand hin verläuft bzw wie hoch sie ist und ob sie evtl Schwachstellen aufweist. Nein! Auf diese Idee kommt sie selbst nach 2 Jahren noch nicht die sie nun mitlerweile in diesem völlig isolierten Zustand verbringt. Statt dessen erkundet sie völlig wilkürlich die Gegend, findet tierische neue Freunde und verfällt in Selbstmitleid. An den vielen Möglichkeiten die sie in dem Film hat die Gegend zu erkunden läuft sie kein einziges Mal die Wand ab...bzw testet wo das Ende von ihr ist bzw ob sich evtl ein Ausgang finden lässt. Dieser Aspekt hat mich so wütend gemacht das ich eigentlich in vielen Momemten des Films den Film einfach abbrechen wollte. Und da die Wand ja eigentlich das Hauptthema des Films meiner Meinung nach ist, wird im gesamten Verlauf des Films viel zu wenig bzw garnich mehr darauf eingegangen! Statt dessen entwickelt sich der Film zu einer Art weiblicher Robinson Cruso, Naturdoku in den Alpen und lässt den Zuschauer mit ungelösten Fragen auf der Couch verzweifeln! Statt den Hauptcharakter des Films auf die Erforschung der Wand zu fokusieren fokusiert Julian Pölsler ihn auf eine tiefgründige Fahrt in das menschliche Bewusstsein das an vielen Stellen schon fast zu viel melancholie aufkommen lässt wo sie doch eigentlich lieber ihre Energie auf das entkommen aus der Isolation aufbringen könnte.
Laaaangweilig, nichtssagend, ereignislos, gedankenschwere litargie, wie eine einzige 2h (!) Lange sterbeszene. Eigentlich ist das kein Film sondern ein Hörbuch mit Bild. Nur monolog. Keine dramaturgische Wende. Kein Höhepunkt, nur ein immerwährender Tiefpunkt. Ob das amtliches begleitmaterial für sterbewillige ist? Oder ein Versuch der Regierung zur gedankenkontrolle? Mitleid habe ich mit den Hunderten, - oweia, vielleicht Tausenden Kinogängern, die sich da hinsetzen, abwarten und zuschaun wie ne Kuh stirbt.
Trotz mancher Langatmigkeit vibriert dieser Film voller schauspielerischer, tiefenpsychologischer und wohl auch philosophischer Intensität. Vielfach deutbar, geheimnisvoll und von packender Langsamkeit - die Gedeck verkörpert all dies in ihrem Spiel. Die Berglandschaft grundiert diese stille und pulsierende Erzählung mit ihrer Großartigkeit.
Es ist ein absolut ruhiger Film. Es kommt auch keine Musik vor, wenn ich mich recht erinnere. Er erzählt einfach die Geschichte einer Frau, die von jetzt auf nachher mit der Einsamkeit fertig werden muß. Nicht mehr und nicht weniger.
Ich kann den Film empfehlen für alle, die sich gern mal was anderes ansehen, abseits der Massentauglichkeit.
In einer Kritik habe ich vorab gelesen, dass dem Buch sozusagen nichts hinzugefügt wurde und dass sich die Verfilmung eng an die Vorlage hält; dem kann ich nur zustimmen - und es ist gut so! Ein wunderbarer Film für diejenigen, die sich auf ein stilles Kinoerlebnis mit schönen Bildern und detaillierten (Innen)-Ansichten einer wunderbar spielenden Hauptakteurin einlassen können und wollen. Man meint mitunter, die Einsamkeit der Figur mit Händen fassen zu können. Der Film bietet weder Erklärungen noch eine Auflösung, doch das tut dem intensiven Kinoerlebnis keinerlei Abbruch. Empfehlenswert. (Winziger Wermutstropfen: die weisse Krähe... hätte man weglassen oder lieber nur andeuten sollen; aber das ist Jammern auf höchstem Niveau..;o)