Ridley Scotts "Blade Runner" (1982) gehört zu den Sci-Fi-Klassikern des vergangenen Jahrhunderts. Die beeindruckende Kulisse, dieses Film Noir-artige, von Neonfarben durchtränkte L.A. des Jahres 2019 ist, so sind sich viele Cineasten einig, geradezu visionär und versprüht einen subtilen Zauber, der jederzeit verfliegen zu können scheint. Seine minimalistischen Dialoge, die mechanische Kühle, welche die Figuren ausstrahlen und sein philosophischer Symbolismus machen ihn zu einem für viele Zuschauer a priori schwer zugänglichen Werk. So erinnert bspw. der Name "Rick Deckard" nicht ohne Grund an einen einflussreichen französischen Denker des 17. Jahrhunderts, der ein philosophisches Problem diskutierte, das uns nach wie vor zu beschäftigen weiß:
Wie kann es sein, dass ich mich als Wesen begreife, welches bewusst erlebt, Absichten hegt, Wünsche und Hoffnungen hat, doch nur aus Molekülen bestehe, die in ihrer Wechselwirkung den unausweichlichen Gesetzen der Physik gehorchen? Nur Maschinen verhalten sich nach den Gesetzen der Natur, das Verhalten von Menschen ist frei gewählt. Oder nicht?
Diesem komplexen Themenfeld gedenkt nun Denis Villeneuve mit seiner visuell nicht weniger beeindruckenden Fortsetzung, und zwar auf eine Weise, die man eigentlich aus den Marvel-Filmen gewohnt ist: Ein Kinofilm, dem die Kompromisse zwischen Regisseur, Produzenten und Studio sichtlich anhaften.
So spannungsgeladen die ersten anderthalb Stunden mit ihren großartigen, meditativen Sequenzen sind, so ernüchternd verläuft die Schlusstunde, in der nahezu jede Handlung der Charaktere
- von den durchweg absehbaren Toden der Figuren, über Deckards Bemerkung, die echte Rachael habe grüne Augen gehabt, zum genretypischen Finale, bei dem Protagonist und Antagonist in einem Kampf auf Leben und Tod aufeinandertreffen und der Bösewicht nach anfänglicher Überlegenheit nun doch dahinscheiden muss -
nahezu vollständig berechnenbar. Diese, einem narrativen Schlauch gleichkommende Erzählweise, das für die Hollywoodstudios typische, ruckartig angehobene Erzähltempo, sorgt für Verwirrung und öffnet obendrein die Pforten für ein überflüssiges "Extended Universe". All das gibt "Blade Runner 2049" einen Beigeschmack der Beliebigkeit. Nur manchmal
, wenn beispielsweise Joe Deckard in dessen Casino-Ruinen-Behausung danach fragt, ob sein Hund "echt" sei und dieser ihm entgegnet: "Ich weiß nicht. Frag ihn doch!"
da versprüht das Szenario eine Originalität und einen Charme, den man vielleicht noch in einem Coen-Film wiederfindet.
Harrison Ford offenbarte jüngst in einem Interview in der FAZ, ihm habe damals das Happy End von "Blade Runner" nicht gefallen (Der gelungene "Final Cut" sollte ihm als Ausgleich dafür dienen). Wie sehr wird ihn dann erst das Ende von "Blade Runner 2049" wurmen?
Der Director's Cut machte Blade Runner von einem guten FIlm zu einem Klassiker. Beim Nachfolger, der wahrlich kein schlechter Film ist, grenzt dieses Unterfangen an eine Sache der Umöglichkeit.