„It's called a hard stare. My aunt taught me to do them when people had forgotten their manners.“
Vom noch sehr jungen Regisseur Paul King, der bisher noch nicht viel als Regisseur gemacht hat, kam 2014 der Überraschungshit „Paddington“, basierend auf den bekannten Kinderbüchern von Michael Bond. Ihm zur Seite stand David Heyman, Produzent der „Harry Potter“-Filme. Die überraschend positiven Kritiken haben mich zwar etwas stutzig gemacht, aber schon bei „The Lego Movie“ musste ich feststellen, dass Kinder/ Familienfilme in den richtigen Händen zu Meisterwerken werden können. Und „Paddington“ ist da glücklicherweise keine Ausnahme! Eigentlich schade, dass ich erst jetzt, da der zweite Teil in den Kinos läuft, auf den Film gekommen bin. Die knuffige Geschichte um den süßen Bären ist wirklich wundervoll verfilmt worden.
Der peruanische Bär Paddington und seine Familie kriegen Besuch von einem Wissenschaftler aus London, der ihnen alle Gepflogenheiten aus dieser legendären Stadt beibringt, denn die Bären dort in Peru sind anders: Sie sind intelligent und können sogar sprechen. Doch nach vielen Jahren trennt ein Unglück Paddington von seiner Familie und der kleine unerfahrene Bär begibt sich nach London, denn der Forscher von damals versicherte ihm, dass er in London immer willkommen sei…
Eine simple Geschichte, doch das Tolle an „Paddington“ ist die kreative und skurrile, schöne Erzählweise. King setzt auf wunderschöne Bilder inmitten dieser simplen Geschichte um Freundschaft und Familie. Dabei wird das Ganze manchmal sogar richtig künstlerisch und beeindruckend umgesetzt. Der ganze Film hat eine Art Magie, die ich so schon lange nicht mehr gesehen habe. Dafür gibt es das Medium Film! Einfache Dinge, wie eine zunächst unnütz wirkende Verfolgungsjagd, werden zu einem spaßigen Trip, so wie es eigentlich sein sollte. Selbst bekannte Klischees werden in diesem Film gebracht, aber gleichzeitig überaus frisch und sensibel behandelt, sodass man vom Klischee am Ende nichts mehr mitbekommt. Und das schaffen in meinen Augen nur wenige Filme.
Obendrauf gibt es noch eine sehr gut platzierte Portion Sozialkritik und zwar so schön naiv verpackt, dass es mich manchmal echt berührt hat. Gerade für Kinder wird der Film sicher sehr lehrreich sein, auch wenn die Botschaft von „Paddington“ nichts Neues ist. Dafür ist der Humor neu bzw. wirkt er frisch. Es ist britischer Humor, aber auch nicht nur, auf der anderen Seite benötigt „Paddington“ keine kindischen Fäkal- und/oder Pupswitze, um sein Publikum zum Lachen zu bringen. Der Film hat einen ganz eigenen und wunderbaren Witz, der seinesgleichen sucht.
Alle Figuren haben einen unwiderstehlichen Charme! Egal ob Protagonist oder Antagonist, aber es ist vor allem die Familie Brown und ihre Beziehung zum süßen Bären, die den Film trägt.
Hugh Bonneville als Vater und besonders Sally Hawkins als Mutter überzeugen und sind neben Paddington das Herz des Films! Paddington wird im Original von Ben Whishaw gesprochen, im Deutschen von Elyas M´Barek, von dem ich persönlich kein großer Fan bin. Doch glücklicherweise macht er seine Sache ziemlich gut, nicht wie so viele prominente Schauspieler, die zwar spielen, aber nicht Synchronisieren können.
Daneben gibt es noch einige größere (Nicole Kidman) und kleinere (Jim Broadbent) Rollen, die sich perfekt ins Gesamtbild einfügen.
Die Optik des Films ist wundervoll anzusehen. Ich hätte niemals gedacht, dass ich mal die Kamera positiv hervorheben würde in einem Familienfilm, der sich um einen kleinen Bären dreht. Wirklich beeindruckende Bilder kommen hier zustande und machen den Film zu etwas Besonderem.
Musikalisch gibt’s einen jazzig, verspielten Score von Nick Urata mit einigen Popsongs dazu gemischt. Insgesamt ein sehr schöner und passender Soundtrack.
Fazit: „Paddington“ ist ein kleines, verstecktes Filmjuwel, das mehr Aufmerksamkeit benötigt. Ein wunderbarer und anspruchsvoller Familienfilm, der sowohl für Jung, als auch Alt gelungen ist und für jeden etwas bietet. „Paddington“ ist spaßig, aufregend, schräg, träumerisch und ein perfekter Wohlfühlfilm!