Oha! 90 Minuten One-Man-Show von Tom Hardy. Kann der Brite mit dem grimmigen Blick einen solchen Film ganz alleine stemmen? Ja, kann er. So muss die Antwort lauten. Zwar geht es hier – anders als im großen Bruder “Buried Alive” nicht um Leben und Tod, aber dennoch werden hier einige grundlegende existenzialistische Fragen zumindest angeschnitten. So trifft Ivan Locke hier praktisch kurz bevor der Film anfängt eine Entscheidung, die sich ziemlich stark sein weiteres Leben auswirken wird. Nach den 1 ½ Stunden hier ist jedenfalls nichts mehr so, wie es zuvor war. Ich möchte vermeiden, auf weitere Details einzugehen, um nicht zu spoilern, aber wir sehen praktisch die komplette Zeit Tom Hardy beim Autofahren und dabei Telefonieren zu. Das hört sich so vielleicht ziemlich langweilig an, ist es dann aber am Ende tatsächlich nicht – was einfach an der enormen Präsenz und dem Charisma des Protagonisten liegt.
Äußerlich passiert allerdings tatsächlich nicht viel, das ist dann auch das Hauptproblem, das der Film hat und sicher dafür verantwortlich ist, warum der Film nicht bei allen so gut ankommt. Denn der Film verläuft fast in Echtzeit, es ist Nacht und die Perspektive ist bis auf ganz wenige Ausnahmen immer auf Tom Hardy gerichtet. Dadurch ergibt sich natürlich sehr wenig Abwechslung auf der visuellen Ebene, es passiert alles im Rahmen der Telefonate, die er im Laufe der Nacht so führt und führen muss. So bekommen wir dann auch keinen der anderen Schauspieler zu sehen, sondern hören lediglich ihre Stimmen durchs Telefon.
Mich hat der Film dennoch gepackt, ich fand das sehr spannend und interessant, wie sich die Handlung entfaltet und was aus Ivan Locke so wird, nachdem er diese folgenschwere Entscheidung getroffen hat. Für Freunde des ruhigen, unaufgeregten Dramas, die auch mal aushalten können, dass es außer einem telefonierenden Tom Hardy kaum etwas zu sehen gibt, möchte ich hier durchaus eine Empfehlung aussprechen.