Dalton Trumbo war mir bisher eigentlich nur als Autor von “Johnny zieht in den Krieg” bekannt, ein Buch, das die Hauptargumentation meiner damaligen Kriegsverweigerungsschrift darstellte. Dass er auch als Drehbuchautor in Erscheinung trat, war mir nicht bewusst. Und überhaupt war mir auch das ganze groteske Ausmaß dieser völlig absurden Kommunisten-Verfolgung in den USA der 40er und 50er Jahre nicht klar. Insofern hat mir der Film etwas beigebracht und verdient allein dafür schon Anerkennung. So richtig zufrieden bin ich dann aber mit dem Gesamtkunstwert doch nicht.
Der Film präsentiert sich als etwas seltsamer Mix aus Biopic, Geschichtsstunde und Familiendrama, wobei er sich niemals so wirklich entscheiden kann, in welche Richtung er denn nun möchte. Als Biopic funktioniert er nur eingeschränkt, da das Gezeigte lediglich 15 Jahre (mehr oder weniger) aus dem Leben von Dalton Trumbo umfasst. Die Geschichtsstunde funktioniert schon ein bisschen besser, die ganzen Hintergründe der amerikanischen Hexenjagd auf Kommunisten werden aber nur am Rande abgehandelt und quasi im Vorbeiflug wird auch noch das Thema Rassentrennung mitverhandelt. Und das Familiendrama ist vielleicht der Teil, in dem Bryan Cranston so richtig aufdrehen kann und sein großartiges Talent zeigen kann. Das ist aber gleichzeitig auch der Teil, der oft ziemlich nervt und auch die Handlung ein ums andere Mal ausbremst.
So richtig erreichen konnte der Film mich irgendwie nicht, ich glaube aber, das liegt zum großen Teil einfach an der fehlenden Dynamik, dem ständig zwischen gehetzt und behäbig wechselndem Erzähltempo und an der damit zusammenhängenden zu langen Laufzeit. Am Ende werden nur ein paar wesentliche Stationen in Trumbos Leben abgeklappert, immer im Zusammenhang mit einer mehr oder weniger ausgeprägten Exposition, bei der ständig neue Figuren eingeführt werden, von denen aber nur wenige wirklich von Belang sind und den Zuschauer eigentlich nur verwirren. Zwischendrin gibt es aber immer wieder Episoden, die wirklich wunderbar sind und herrlich zwischen Tragik, Komik und Dramatik changiert. Und am Ende ist es immer wieder der fantastische Bryan Cranston, der jede Szene dominiert und dann letztlich auch den Film rettet.
Das soll aber nicht heißen, dass der Rest nicht gut ist. Allerdings sind es dann doch mehr die Schauspieler, die mir im Gedächtnis bleiben werden, als die doch mitunter anstrengende Dramaturgie des Films. Großartig (wie immer) ist vor allem Helen Mirren, die eigentlich jede Szene (mit immer einer anderen Kopfbedeckung!) dominiert. Dann natürlich John Goodman, aber auch Elle Fanning hat mich sehr beeindruckt. Besonders überrascht hat mich dann noch Christian Berkel, den ich hier gar nicht erwartet hätte, der aber als der österreichische Regisseur Otto Preminger mit einem herrlich kuriosen deutschen Akzent einen richtig starken Auftritt hat. Im Nachspann werden einige Bilder des echten Dalton Trumbo gezeigt und es ist dann doch ziemlich cool zu sehen, wieviel Ähnlichkeit dieser mit dem Film-Trumbo hat – toll!
FAZIT: Etwas seltsam konstruierte Mischung aus Drama, Biopic und History, die nicht immer wirklich gut funktioniert. Dafür gibt es großartige schauspielerische Leistungen zu sehen, insgesamt ist der Film aber doch einigermaßen unterhaltsam. Für Hollywood-Fans und filmhistorisch Interessierte auf jeden Fall eine Empfehlung, alle anderen könnten auch schnell genervt oder gelangweilt oder beides sein.