Der große Diktator
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Kino:
Anonymer User
5,0
Veröffentlicht am 20. Dezember 2011
Ein Film, den JEDER sehen sollte. Charlie Chaplin ist einer der talentiertesten Künstler aller Zeiten und für dieses Werk sollten wir alle unseren Hut vor diesem großartigen Mann ziehen. Die Schlussrede bereitet mir jedes Mal wieder eine derartige Gänsehaut, wie es noch kein anderer Film geschafft hat. Ein Film, dessen Aktualität nach 70 Jahren um kein bisschen verringert wurde ....DANKE, Mr. Chaplin
BrodiesFilmkritiken
BrodiesFilmkritiken

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4,0
Veröffentlicht am 19. August 2017
Einer der wenigen Filme die man wohl zu Recht mit zweierlei Maß messen muß, vielleicht sogar mit mehreren. Aus heutiger Sicht jedenfalls kann man den Film in seiner Machart und vor allem seinem „Wert“ nicht mehr richtig erfassen und bewerten. Er mag ungemein harmlos und albern wirken und vielleicht sogar sein Thema, nämlich die Nationalsozialsten recht locker anpacken und lediglich ein paar Scherze machen – aber selbst das war im Jahre 1940 als die Ausmaße von Hitlers Greueltaten noch nicht wirklich bekannt war ein ziemlicher Hammer. Mit den eher überschaubaren Mitteln wirkte das Ganze zwar mehr wie ein aufgeführtes Theaterstück als wie ein richtiger Spielfilm, aber wie schon gesagt: heutige Guckgewohheiten darf man nicht ansetzen. Und auch wenn man (wie ich) aus dem Film nicht allzu viel mitnehmen kann, so muß man ihn einfach respektieren und wertschätzen, als zeitlosen filmischen Beitrag und als Huldigung für Charlie Chaplin der mit einem solchen Film zu eben dieser Zeit wirklich ein gigantisches Wagnis eingegangen ist. Aber was soll: Freunde von Klassikern kennen ihn auswendig, andere werden ihn gar nicht erst anrühren.

Fazit: Zwar in jeder Hinsicht steinalt, aber auf ne sehr eigene Weise faszinierend und immer noch wert angesehen zu werden.
Chris D. Troublegum
Chris D. Troublegum

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5,0
Veröffentlicht am 21. Januar 2020
Leicht hatte es Charlie Chaplins tragikomische Nazi-Parabel "Der große Diktator" anfangs wirklich nicht. Einige Hürden mussten schon genommen werden auf dem Weg zur weltweiten Popularität, die das Werk heute genießt. Unter anderem rief die mit den Deutschen konforme Hearst-Presse (Zur Erinnerung: William Randolph Hearst war der Verleger, der später alle Citizen Kane-Kopien an sich bringen wollte, weil er sich von Orson Welles auf den Schlips getreten fühlte) in der Heimat USA zu Demonstrationen gegen den Film auf. Und von Seiten der kurzsichtigen Kritikerschaft musste Chaplin den Vorwurf der Verharmlosung von Nationalsozialismus und Faschismus über sich ergehen lassen. Hat aber alles nichts genutzt: "Der große Diktator" mauserte sich zum unverwüstlichen Filmmonument und bildet aus heutiger Sicht einen wichtigen Eckpfeiler in der Karriere des gebürtigen Londoners, der sich 1940, zu einer Zeit, als die schlimmsten Hitler-Verbrechen noch bevorstanden, nicht nur abermals als differenzierter Beobachter des "Patienten" Gesellschaft erwies, sondern fast schon als "Visionär".

Chaplin spielt die Doppelrolle des Diktators Adenoid Hynkel ("Adenoid" = Wortspiel aus "Adolf" und "paranoid") von Tomanien ("to mania" = "in den Wahnsinn") und des namenlosen jüdischen Barbiers. Letzterer verliert bei einem Flugzeugabsturz in der Endphase des Ersten Weltkriegs sein Gedächtnis und wird daraufhin in ein Hospita
l eingewiesen. Erst 20 Jahre später kehrt er ins zivilisierte Leben zurück und versucht sich in einem jüdischen Ghetto eine neue Existenz aufzubauen. Dass der Tyrann Hynkel sich inzwischen zum Führer des Tomanischen Reichs aufgeschwungen und den Einmarsch in das Nachbarland "Osterlich" befohlen hat, davon weiß der tolpatschige Friseur natürlich noch nichts. Darum können ihm auch die Besuche der Sturmtruppen von "Eurer Exzellenz" keine Angst machen. Seine Leidensgefährtin Hannah (Paulette Goddard, im richtigen Leben zu diesem Zeitpunkt Chaplins Frau) schlägt die Truppen tollkühn mit einer Bratpfanne in die Flucht. Als aber auffliegt, dass die beiden den zu den Juden übergelaufenen SA-Verräter Kommandant Schultz (Reginald Gardiner) im Haus der Nachbarsfamilie Jaeckel verstecken, kommt es zur Festnahme des Friseurs und dessen Deportation in ein Konzentrationslager.

Jedoch: Er kann fliehen und wird infolge eines dummen Zufalls mit dem Führer Hynkel verwechselt. In Uniform besteigt er das Podest Hynkels und tritt vor die Mikrofone...

Charles Spencer Chaplin, genannt Charlie Chaplin, war nicht nur was die Kunst an sich betraf ein Unikum. Auch in Sachen Beliebtheit konnte dem kleinen Mann mit dem Schnauzbart seinerzeit wohl kaum ein Schauspieler das Wasser reichen. Als erster Filmstar Hollywoods erhielt er einen Vertrag über eine Million Dollar - für damalige Verhältnisse bemerkenswert. In seinen Filmen behielt sich der subversive Satiriker und überzeugte Pazifist Chaplin vor, die Funktionsweisen eines gesellschafltichen Systems aufzudecken, um diesem auf zugleich ernsthafte, mahnende, aber doch leichtfüßige Art den Spiegel der eigenen Perspektivlosigkeit vorzuhalten; appellierend an den Verstand und ein Stück Selbstständigkeit in einem fremdbestimmten Alltag: Was in "Moderne Zeiten" noch die Dominanz der Maschinen war, die im Zuge der Industrialisierung dem Menschen das Denken und Arbeiten abnehmen, äußerte sich vier Jahre später, im "Großen Diktator", in der Person eines totalitären Führers, der aus den Unruhen in einem außer Kontrolle geratenen Staat seinen verheerenden Nutzen zieht.

Doch packte Chaplin mit "Der große Diktator" auch auf Dauer ein heißes Eisen an, weil die Thematik von Machtmissbrauch im großen Stil und des Völkermordes im Speziellen erstens nach wie vor brandaktuell ist, und weil man bei eben dieser komplexen Thematik zweitens auch stets Gefahr läuft, sich im Ton zu vergreifen. Doch wenn der Führer Hynkel im Film seine größenwahnsinnigen Expansionspläne in die jubelnde Menge posaunt und dabei so sehr nuschelt, dass ihn ein Off-Sprecher für uns "übersetzen" muss, dann werden damit nicht nur blinder Gehorsam und zugespitzter Nationalstolz der Jubelnden aufs Korn genommen. Gleichzeitig wird eben auch nochmals deutlich, wie selbstzweckhaft und beliebig die Formulierungen der NS-Ideologie doch waren. Es ging um die gewaltsame Ausrottung all dessen, was nicht "arisch" war - das alles im Gewand einer vordergründig volksdienlichen "Politik", die man notfalls auch mal kurzerhand anders ausrichten konnte: Alle Judenverfolgungen sollten augenblicklich eingestellt werden, ordnet Hynkel an. Aber nur bis zu dem Zeitpunkt, "bis wir den Kredit von Epstein (ein Jude) in der Tasche haben".

Was den Film so außerordentlich macht, ist das nahezu nahtlose Wechselspiel zwischen Komik und Tragik. Der jüdische Friseur, der später ja selbst für den Diktator gehalten wird, begegnet auf offener Straße einem Nazi-Offizier. Da er den Siegeszug des Dritten Reichs wegen seines Gedächtnisverlusts und des Krankenhausaufenthalts "verschlafen" hat, weiß er mit dessen Gruß "Heil Hynkel" nichts anzufangen. "Wer ist das?", fragt er mit reumütigem Blick. Als er daraufhin rumgeschubst wird, wehrt er sich mit Händen und Füßen und schleudert dem Offizier sogar einen Farbeimer ins Gesicht. Einen abseits stehenden SA-Mann fordert er dazu auf, die Polizei zu rufen. Nur Hannah kann ihn vor dem Schlimmsten bewahren. Wenn man hier nun lacht, dann lacht man nicht aus Schadenfreude über die missliche Lage des Barbiers oder sonst etwas. Man lacht über den hoffnungsvollen Mut zur Komik, die hier für einen klitzekleinen Moment befreiend über das historisch geerdete Grauen, welches ständig präsent ist, triumphiert. Und auch wenn Hynkel im weiteren Verlauf des Films der totalen Lächerlichkeit preisgegeben wird - mit am schönsten zu sehen beim unvergessenen Tanz mit dem Globus, der als warnender Vorbote für des Führers Untergang vor dessen Augen zerplatzt wie eine Seifenblase - dann geschieht dies im Zeichen des Respekts und im Wissen der vielen Opfer, die das Hitler-Regime gefordert hat. Aus dem quälenden Unverständnis dafür, wie ein einziger Mann, von dem überliefert wird, dass er selbst zum Autofahren unfähig war, ein ganzes Volk mobilisieren und schließlich unterjochen konnte, entsteht die Karikatur eines Despoten, dessen Machtgebärden so weit führen, dass er und sein Vertragspartner Napaloni (entspricht im Film der Figur Mussolinis) sich auf Friseurstühlen um die Wette nach oben schrauben, um ein Überlegenheitsgefühl gegenüber dem jeweils anderen zu spüren.

Dieses Verhältnis aus Satire/Parodie und der Tragik der Auswüchse des Krieges balanciert Chaplin mit der ihm gegebenen Genialität aus. Ferner transportiert er die ihm auf den Leib geschriebene Standardrolle des "Tramps", des liebenswürdigen Vagabunden mit schwarzem Zylinder und Spazierstock, in die Ära des Tonfilms, dem er sich jahrelang selbstbewusst (um nicht sagen zu müssen trotzig) verweigerte. Wobei "Der große Diktator" ja konkret gesagt nicht der erste Tonfilm Chaplins war. Schon "Moderne Zeiten" wurde im Tonfilmverfahren gedreht; im hier besprochenen Film gab es aber erstmals Sprechrollen. Trotzdem durfte Chaplin sein pantomimisches Talent auch hier noch mal zur Schau stellen.

Obwohl "Der große Diktator" in diesem Jahr sein 80. Jubiläum feiert, hat sich auf der Oberfläche des Films kein einziges Staubkorn niedergelassen. Wenn der jüdische Barbier in seiner weltbekannten Schlussrede die universelle und zutiefst humane Friedensbotschaft verkündet, dann haben wir das Gefühl, der Weltstar Charlie Chaplin spräche persönlich zu uns und der versammelten Menschenmenge - und sind uns bewusst, soeben einem ganz besonderen Klassiker der Filmgeschichte beigewohnt haben zu dürfen.
PostalDude
PostalDude

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5,0
Veröffentlicht am 29. August 2024
Vorneweg: Natürlich wusste Chaplin nicht, wie schlimm es in einem KZ wirklich ist & wie die Judenverfolgung wirklich war, das ist also auch nicht zu kritisieren.

Genial lustige & bedrückende Szenen, wie die Rede am Anfang, "The Wiener Schnitzel & the Sauerkraut", die Globusszene, die den Wahnsinn von Hynkel (Hitler) beschreibt, die Szene am Buffet undundund...

Am Ende wird Hynkel dann noch mit dem Frisör verwechselt!

Aber das Beste & gleichzeitig schlimmste am Film ist immer noch die Abschlussrede..., auch nach all den Jahren leider immer noch wahr... :(
Sie muss eigentlich überall zitiert werden & gezeigt werden !

„Es tut mir leid, aber ich möchte nunmal kein Herrscher der Welt sein, das liegt mir nicht. Ich möchte weder herrschen noch irgendwen erobern, sondern jedem Menschen helfen, wo immer ich kann. Den Juden, den Heiden, den Farbigen, den Weißen.

Jeder Mensch sollte dem Anderen helfen, nur so verbessern wir die Welt! Wir sollten am Glück des Anderen teilhaben und nicht einander verabscheuen. Hass und Verachtung bringen uns niemals näher! Auf dieser Welt ist Platz genug für jeden und Mutter Erde ist reich genug, um jeden von uns satt zu machen.

Das Leben kann ja so erfreulich und wunderbar sein, wir müssen es nur wieder zu leben lernen! Die Habgier hat das Gute im Menschen verschüttet und Missgunst hat die Seelen vergiftet und uns im Paradeschritt zu Verderb und Blutschuld geführt. Wir haben die Geschwindigkeit entwickelt, aber innerlich sind wir stehen geblieben. Wir lassen Maschinen für uns arbeiten, und sie denken auch für uns. Die Klugheit hat uns hochmütig werden lassen und unser Wissen kalt und hart, wir sprechen zu viel und fühlen zu wenig, aber zuerst kommt die Menschlichkeit und dann die Maschinen! Vor Klugheit und Wissen kommt Toleranz und Güte! Ohne Menschlichkeit und Nächstenliebe ist unser Dasein nicht lebenswert!
Aeroplane und Radio haben uns einander näher gebracht, diese Erfindungen haben eine Brücke geschlagen von Mensch zu Mensch, sie erfordern eine umfassende Brüderlichkeit, damit wir alle eins werden.

Millionen Menschen auf der Welt können im Augenblick meine Stimme hören, Millionen verzweifelte Menschen, Opfer eines Systems, das es sich zur Aufgabe gemacht hat Unschuldige zu quälen und in Ketten zu legen. Allen denen, die mich jetzt hören, rufe ich zu: Ihr dürft nicht verzagen! Auch das bittere Leid, das über uns gekommen ist, ist vergänglich! Die Männer, die heute die Menschlichkeit mit Füßen treten, werden nicht immer da sein, ihre Grausamkeit stirbt mit ihnen und auch ihr Hass! Die Freiheit, die sie den Menschen genommen haben, wird ihnen dann zurückgegeben werden. Auch wenn es Blut und Tränen kostet, für die Freiheit ist kein Opfer zu groß!

Soldaten! Vertraut euch nicht Barbaren an, Unmenschen, die euch verachten und denen euer Leben nichts wert ist, ihr seid für sie nur Sklaven! Ihr habt das zu tun, das zu fühlen, das zu glauben! Ihr werdet gedrillt, gefüttert, wie Vieh behandelt und seid nichts weiter als Kanonenfutter. Ihr seid viel zu schade für diese verirrten Subjekte! Diese Maschinenmenschen, mit Maschinenköpfen und Maschinenherzen! Ihr seid keine Roboter, ihr seid keine Tiere, ihr seid Menschen! Bewahrt euch die Menschlichkeit in euren Herzen und hasst nicht! Nur wer nicht geliebt wird hasst! Nur wer nicht geliebt wird! Soldaten, kämpft nicht für die Sklaverei! Kämpft für die Freiheit!

Im 17. Kapitel des Evangelisten Lukas steht: Gott wohnt in jedem Menschen. Also nicht nur in einem oder einer Gruppe von Menschen. Vergesst nie: Gott lebt in euch allen und ihr als Volk habt allein die Macht! Die Macht Kanonen zu fabrizieren, aber auch die Macht Glück zu spenden! Ihr als Volk habt es in der Hand, dieses Leben einmalig kostbar zu machen, es mit wunderbarem Freiheitsgeist zu durchdringen!

Daher: Im Namen der Demokratie! Lasst uns diese Macht nutzen! Lasst uns zusammenstehen! Lasst uns kämpfen für eine neue Welt, für eine anständige Welt! Die jedermann gleiche Chancen gibt, die der Jugend eine Zukunft und den Alten Sicherheit gewährt. Versprochen haben die Unterdrücker das auch, deshalb konnten sie die Macht ergreifen. Das war Lüge, wie überhaupt alles was sie euch versprachen! Diese Verbrecher! Diktatoren wollen die Freiheit nur für sich, das Volk soll versklavt bleiben!
Lasst uns diese Ketten sprengen, lasst uns kämpfen für eine bessere Welt! Lasst uns kämpfen für die Freiheit in der Welt! Das ist ein Ziel, für das es sich zu kämpfen lohnt. Nieder mit der Unterdrückung, dem Hass und der Intoleranz! Lasst uns kämpfen für eine Welt der Sauberkeit, in der die Vernunft siegt, in der Fortschritt und Wissenschaft uns allen zum Segen gereichen. Kameraden!

Im Namen der Demokratie! Dafür lasst uns streiten!“

https://www.youtube.com/watch?v=xY9_rA2RSsE&t=1s
Kino:
Anonymer User
5,0
Veröffentlicht am 18. März 2010
Grosses JA - man KANN Tränen lachen über Hitler und Konsorten, auch wenn viele das für eine Herabsetzung der Opfer des Nationalsozialismus halten - die haben aber offenbar diesen Film noch nicht gesehen!

Hitler wurde schon oft parodiert, in der einen oder anderen Form, es ist ja auch zu einfach : Zahnbürste unter die Nase halten, das "R" beim Sprechen rollen und jeder wiess, wer gemeint ist. Von solch billigem Klamauk ist Chaplins äusserst tiefsinnige Satire aber weit entfernt. Gerade wenn man nicht nur etwas von Hitler, sondern auch von seinen Vasallen sowie von Mussolini weiss, erkennt man sie alle wieder : den heimtückisch-durchtriebenen Göbbels, den prunksüchtigen, aber einfältigen Göring und - genial - die Parodie auf Mussolini, der nicht nur davon träumt, ein neues römisches Reich zu errichten, sondern sich auch im beständigen Wettstreit (Friseurstühle!!) mit Hitler befindet. Dies alles ist nicht nur eine Satire, es ist weit mehr : es ist die Blossstellung des gesamten Regimes mit den Mitteln, die Chaplin zur Verfügung standen und das war eben zunächst mal Humor. Auch heute noch,fast 70 Jahre nach seiner Uraufführung, kann man immer wieder Tränen lachen über dieses Meisterwerk - erst ganz zum Schluss, als der kleine jüdische Friseur in der Uniform des grossen Diktators an das Rednerpult tritt und zu Millionen von Menschen spricht, als er, mit zunächst stockender Stimme, dann immer selbstsicherer ein Leben in Freiheit über alles andere stellt, als er seine Vision einer besseren Welt offenbart - die bekanntermassen in völligem Gegensatz zu der des Diktators steht - da bleibt das Lachen etwas im Halse stecken und man wird nachdenklich.... Bemerkenswert auch, dass alle ihr Fett wegbekommen, auch die Juden - einige Seitenhiebe auf ihre Eigenarten sind im Film durchaus enthalten - es macht ihn noch mehr zum Meisterwerk, dass er keine (Achtung, Wortspiel, da es ein S/W Film ist! ) Schwarzweissmalerei betreibt, wie das in so vielen anderen Filmen der Fall ist, die sich mit der Themathik auseinandersetzen.

Darf in keiner Sammlung fehlen, sollte auch im Unterricht gezeigt werden und denen, die glauben, über Hitler dürfe man nicht lachen, sei gesagt, dass Lachen nicht nur die beste Medizin ist, sondern auch eine mächtige Waffe sein kann, indem sie die Herrschenden der Lächerlichkeit preisgibt.....
Sebastian Schlicht7
Sebastian Schlicht7

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4,5
Veröffentlicht am 19. Mai 2026
„I'm sorry, but I don't want to be an emperor.“

Kaum ein Film hat sich die Beschreibung „Historisch“ so verdient, wie Charlie Chaplins „Der große Diktator“: Nicht nur war es sein erster Tonfilm, sondern auch eins der berühmtesten Filmwerke gegen den Faschismus. Sicherlich kennen viele das Bild von Chaplin als Hitler-Verschnitt Hynkel und besonders seine Rede am Schluss des Films. So ging es auch mir, aber ich wollte endlich das Werk in seiner Gänze sehen. Und wie erschreckend aktuell dieser Film ist, wird sehr schnell klar…
Man könnte meinen, dass „Der große Diktator“ ein Produkt der Nachkriegszeit war, aber nein. Chaplin drehte den Film in den späten 30ern, da er mit seinem Schnauzbart dem deutschen Führer sehr ähnlich sah. Und so entstand die Idee für eine humorvolle und doch kritische Verwechslungsgeschichte, die letztendlich 1940 erschien. Zu dem Zeitpunkt hatte der 2. Weltkrieg schon begonnen und natürlich wurde der Streifen erst nach dem Krieg in Deutschland veröffentlicht (wobei es aber auch einige inoffizielle Vorführungen gegeben haben soll). Chaplins Werk wurde trotz des finanziellen Erfolgs eher gemischt aufgenommen und auch er selbst entschuldigte sich für einige Darstellungen im KZ im Film. Da der Film mittlerweile fast 90 (!) Jahre alt ist, muss man auch damit rechnen, dass einige Dinge nicht mehr akkurat oder moralisch in Ordnung sind. Aber… „Der große Diktator“ ist in meinen Augen keiner dieser Filme. Ja, es gibt ein paar Szenen im KZ, die man vielleicht kritisieren kann, aber man darf nicht vergessen, was für eine Art Film das hier ist. Chaplin drehte eine Satire, die zwar äußerst echte und berührende Momente beinhaltet, aber am Ende bleibt es eine sehr überspitzte Satire. Dass sich das auch stellenweise auf die dunkleren Passagen der Story auswirkt, ist in meinen Augen ok, aber schauen wir uns das Ganze Stück für Stück an.

Die Handlung spielt in einer fiktiven Welt, in der Deutschland Tomanien heißt und Hitler eben Hynkel. Die Vergleiche sind gleichzeitig plump, aber auch charmant verfremdet. Der Führer Hynkel will die Weltherrschaft und misst sich mit anderen Diktatoren, während ein alleinstehender jüdischer Friseur (und ehemaliger Soldat) nach mehreren Jahren des Gedächtnisverlustes in einer faschistischen Welt aufwacht…

Es ist schwer zu beschreiben, was der Film damals für eine Wirkung hatte, immerhin erschien er ja genau in der Zeit, die Chaplin hier anprangert und verurteilt. Unter der Prämisse ist es auch absolut verständlich, dass es immer wieder Momente gibt, in denen die Figuren quasi in die Kamera sprechen und an die Menschlichkeit appellieren. „Der große Diktator“ ist dahingehend ein ganz besonderes Filmwerk: Chaplin war bekannt für sein komödiantisches Talent, aber er schaffte es immer wieder die Menschlichkeit und Mitgefühl in seine Werke einfließen zu lassen, siehe „Moderne Zeiten“. Und hier schafft er eine beeindruckende Symbiose aus urkomischer Satire und berührendem Drama. Und der Film schafft diesen Spagat äußerst eindrucksvoll: Während man über Hynkels größenwahnsinnige Idiotie lacht, leidet man mit, wenn der Friseur (einen Namen hat die Figur sonst nicht) und seine Freunde im Ghetto unterdrückt und verprügelt werden. Dabei ist Message des Films klar: Jeder kann und sollte sich gegen den Faschismus zur Wehr setzen. Und diese Message vermittelt der Film auf eine beeindruckende und überraschend positive Art. Denn wir als Zuschauer können über so manche slapstickhaften Ereignisse lachen, aber natürlich auch über die widersprüchlichen Nazis. Und in dieser Hinsicht gelingt es dem Film diese absurde und menschenfeindliche Ideologie als das zu zeigen, was sie ist: Lachhaft. Für mich ist Chaplins „Der große Diktator“ in gewisser Weise deutlich kraftvoller als ein Film wie „Schindlers Liste“ oder andere Holocaust-Werke. Denn im Zentrum steht die Menschlichkeit, die Hoffnung, dass die dunklen Zeiten irgendwann weichen werden.

Daher ist es auch so passend, dass die Grenze zur Realität fast gar nicht vorhanden ist: Alle Figuren sind überspitzte Versionen der Originale und die Ländernamen sind der Fantasie entsprungen. Hynkel selbst redet in einer erfundenen Quatschsprache und absurd, abstrakte Momente gibt es auch. Und dennoch ist es ganz klar, um was es hier geht, da Begriffe wie „Jude“ und „Arier“ eben geblieben sind. Und genauso plump wie diese Symbolhaftigkeit, ist auch der ganze Faschismus, der hier parodiert wird.

Chaplin drehte diesen Film natürlich wieder selbst: Er führte Regie, schrieb das Drehbuch und spielte die beiden Protagonisten. Und auch wenn man ihm selbst eine Art Größenwahn unterstellen kann, so spricht das Endergebnis doch für sich. Der Cast ist wundervoll (Chaplin sowieso, aber auch Paulette Goddard als offensive Hannah) und besonders der Humor ist auch heute noch wundervoll. Der Mix aus Ernsthaftigkeit und Slapstick ist wundervoll und extrem unterhaltsam, wie etwa wenn gleich zu Beginn Chaplin und sein Kollege Schulz mit dem Flugzeug abstürzen: Schulz lässt noch einmal die Bilder seiner geliebten Frau Elke vor sich Revue passieren und merkt gar nicht, dass sie schon am Boden aufgeschlagen und unverwundet sind. Auch die kindliche Sturheit des Führers und seine dümmliche Inkompetenz machen die Szene mit ihm zu einem Fest. Für meinen Geschmack wird ab und zu ein bisschen zu viel Nonsens geschrien, aber auch das passt ja leider sehr gut zu Autokraten.

Auch nach fast 90 Jahren hat der Film eine magische Optik: Modelle, kreative überzeichnete Sets und eine Ästhetik, die zeitlos ist. Die Kameraarbeit und auch die Musik (Chaplin war selbst auch am Score beteiligt) sind klasse. Es ist zwar Chapins erster Tonfilm, aber man merkt die Schönheit und Sensibilität der alten Stummfilmzeit, die Chaplin immer noch transportierte. Der Friseur selbst verliert sich immer wieder in klassische Stummfilm-Momente, in denen die Handlung nur durch Aktionen, Mimik und Gestik erzählt wird.

Fazit: „Der große Diktator“ ist nicht ohne Grund ein zeitloser und historischer Klassiker in der Filmgeschichte geworden. Der Mix aus Komödie, Satire und echter Tragik machen dieses Werk zu einem einzigartigen Erlebnis, welches auch heute noch erschreckend relevant ist. Einige der Dinge, die wir hier sehen, können problemlos auf faschistische und rechte Parteien und Figuren der heutigen Zeit übertragen werden. Das Muster ist immer gleich und genau das zeigt Chaplin hier eindrucksvoll. Und es wird immer die Hoffnung geben, dass der Hass und die Entmenschlichung irgendwann überwunden werden. Und deswegen ist dieser Film so gut und so wichtig!
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