Joker
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4,1
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Kinobengel
Kinobengel

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3,0
Veröffentlicht am 11. Oktober 2019
Todd Phillips, bekannt durch „Hang Over“, hat sich an einer Figur aus der DC-Comicwelt versucht.

Der geisteskranke Arthur Fleck (Joaquin Phoenix) möchte so gerne ein berühmter Comedian werden. Doch er lebt in erbärmlichen Verhältnissen mit seiner Mutter Penny (Frances Conroy) im Gotham der frühen 1980er. Als ihm die Medikamente aus Kostengründen gestrichen werden, ist es schlecht um Arthur bestellt.

Für Todd Philips ist es ein Versuch geblieben. Zum Abspann ist nicht klar, was der Filmemacher eigentlich wollte. Die Charakterstudie versinkt anteilig in einem theatralischen Aufzug nebst dem völlig überladenen Score. Andere Parts wirken reell. Diverse Situationen werden mit Horrorelementen durchmischt, leider nicht konsequent. Damit sind nicht die blutigen Gewaltausbrüche gemeint (diese kommen übrigens ohne große Effekthascherei oder splatterige Nahaufnahmen aus). Aber muss Arthur im Gespräch mit der Psychologin düster beleuchtet sein und mit einem künstlich erzeugten Funkeln in den Augen auf die Dame einreden? In anderen Momenten ist dies offensichtlich nicht notwendig. Unter dem Inszenierungsdurcheinander leidet auch die gesellschaftskritische Komponente. Klar, Todd Phillips möchte irgendwie den großen Wunsch des Arthur Fleck nach Glanz und Ruhm visuell unterbringen. …und dazu ein bisschen Comic; das Überraschungsei ist letztendlich nicht adäquat. Folglich geht der Zugang zum Joker schon recht früh abhanden. Für den Genuss einer meisterhaft guten Charakterstudie ist „The Master“ (2012 von Paul Thomas Anderson) zu empfehlen. Hier spielt wiederum Joaquin Phoenix einen psychisch kranken Kriegsheimkehrer.

Keine Pillen, mehr Durchdreh, mehr Werkzeuge, desto tot. Das ist zu einfach, zu hollywoodlike und nur wegen Joaquin Phoenix zu ertragen. Zudem muss das Gemüt des Arthur noch ganz schön gesund werden, wenn der Joker später umfangreiche Verbrechen planen möchte, oder?! Obwohl, in der DC-Comicwelt herrscht gar keine Einigkeit darüber, wie der crazy Clown bürgerlich heißt. Vielleicht wird ein anderer der große Batman-Gegner, schätzungsweise ein jüngerer, denn der Altersunterschied zwischen Arthur und dem kleinen Bruce Wayne (Dante Pereira-Olson) ist doch beträchtlich. Darf’s noch ein bisschen Schizophrenie sein? Gern, das funktioniert prima mit einer schnittig untergejubelten Taschenspielertrickauflösung, damit sich der Zuschauer ein Aha denken kann. „Joker“ ist schon weit fortgeschritten, als die Traumatisierung des kleinen Arthur wie eine Offenbarung überreicht wird. Warum das denn? Nun ja, aus dramaturgischen Gründen, Phillips muss ja erst die Vaterfrage klären.

Zugegeben, viele Passagen sind isoliert betrachtet sehr ansehnlich - vor allem aufgrund des aufopfernden Spiels des niedergehungerten Hauptakteurs (auch stark: Zazie Beetz) - und Langeweile kommt wegen der Fülle der Ereignisse gar nicht erst auf, aber ein gutes Werk muss als Komposition glänzen.

Die One-Man-Präsentation des Joaquin Phoenix ist gelungen, „Joker“ lediglich als Stückwerk.
Kino:
Anonymer User
3,0
Veröffentlicht am 10. Oktober 2019
Anhand der vergebenen Sterne kann abgelesen werden, wie polarisierend der Film ist und wie emotional er diskutiert wird. Dem jeweils anderen allerdings immer gleich filmischen Sachverstand abzusprechen, schießt etwas über das Ziel hinaus. Über die schauspielerisch herausragende Leistung von Joaquin Phoenix wurde viel berichtet. Allein deshalb, finde ich, lohnt sich der Film. Die Figur Joker ist nicht nur in seinem Wahnsinn, seiner Brutalität und Hoffnungslosigkeit stark gezeichnet, sondern auch in seinem poetischen, geradezu anmutigen Wesen (und das trotz seines deformierten Körpers). Eine in sich schon polarisierte Figur.
Ich kann der Filmstarts-Kritik jedoch an ein paar Punkten zustimmen: mir persönlich gab es im Film zu wenig Entwicklung, zu wenig Überraschung. Andererseits zu viel Redundanz spoiler: (das Leiden unter den Lachanfällen wurde für meinen Geschmack mindestens einmal zu oft bemüht).
Soundtrack gut oder schlecht hin oder her, mir persönlich war er zu vordergründig und überpräsent. spoiler: Und dass die tief verwurzelte Verstörung von Arthur Fleck durch die "Klassiker" Kindesmisshandlung und Adoption geradezu entzaubert wird, fand ich sehr schade.

Fazit: der Film hat mich nicht umgehauen, aber missen möchte ich ihn nicht. Der sehr starke Trailer hat einfach ein wenig zu hohe Erwartungen bei mir geschürt.
niman7
niman7

931 Follower 616 Kritiken User folgen

4,5
Veröffentlicht am 10. Oktober 2019
In den letzten Jahren häuften sich Fälle von Gewaltverbrechen durch Menschen, die entweder in einer Menschenmenge hinein rasten oder wild um sich schossen. In der Regel wird schnell danach ein psychologisches Bild des Täters erstellt.
Fragen nach dem Motiv werden aufgeworfen und vor allen Dingen: was bewegt einen Menschen zu diesen schrecklichen Taten? Hangover-Regisseur Todd Philipps möchte dieser Frage auf den Grund gehen und bedient sich hierbei an der Vorlage des wohl größten Bösewicht´s aller Zeiten- dem Joker! Gotham in den 80er Jahren: der Talent lose Einzelgänger Arthur Fleck (Joaquin Phoenix) verdient sein Brot damit in dem er verkleidet als Clown Werbeschilder durch die Gegend schwingt. Dabei träumt Arthur eigentlich von einer Karriere als Komiker. Nachdem er von einer Jugendgruppe in einer Gothamer Gasse zusammengeschlagen wird, erhält er von einem Kollegen eine Pistole, um sich bei zukünftigen Zwischenfällen verteidigen zu können. Der nächste Zwischenfall kommt früher als gedacht und Arthur wird von 3 halbstarken Schnöseln in einer U-Bahn attackiert. Ungewollt erzeugt Arthur damit eine Welle der Demonstrationen und Gewalt...
Auch wenn Philipps sich hier bei einer Comic Vorlage bedient, sollte man den Film tunlichst nicht als Blockbuster oder gar als Superheldenfilm sehen. Seine "Joker" Version ist ein Psycho-Drama über einen gebrochenen Mann- dem keine Aufmerksamkeit geschenkt wird und nur Gelächter widerfährt. Das heikle Thema umschifft hier Philipps gekonnt und schlägt sich niemals auf die Seite von Terroristen oder dergleichen labilen Menschen, die nur Unheil mit sich bringen.
Auch wenn er sich nicht auf die Seite von Arthur positioniert, erzeugt rasch eine Sympathie für die Figur des Arthur Fleck. Beispielsweise wenn er einfach nur jemanden zum Reden sucht aber seine Therapeutin ihm nicht nur ignoriert, sondern Sage und Schreibe 7 (!) Arzneimittel verschreibt und obendrein selbst von der Wirkung nicht überzeugt ist.
Arthur Fleck ist ein gebrochener Mann, der wie jeder andere seinen Träumen nachgeht, aber eben von der Gesellschaft gemieden wird. In einer Szene sagt er, dass ein riesen Wirbel um tote Schnösel gemacht wird, aber sich niemand darum schert, wenn er halbtot auf der Straße liegt.
Arthur leidet ebenfalls unter einer Krankheit: er kann sein Lachen nicht steuern und fängt unkontrollierbar an zu lachen.
In einer anderen Szene sagt Arthur, ihm wurde gesagt, er solle seine Krankheit unterdrücken und versuchen, sich normal zu verhalten. Damit und mit vielen weiteren Szenen hält Philipps der Gesellschaft ein Spiegel vor Augen. Auch wenn die Figur einem Comic entsprungen ist, ist sie so real und aktuell, wie es nur geht. Er präsentiert uns einen offensichtlich gebrochen Mann (seelisch und körperlich), dem nicht geholfen wird und man so unfreiwillig in ihm eine böse Saat sät...
Ja, Philips hat offensichtliche Anspielungen auf Taxi Driver, King of Comedy und GoodFellas eingebaut. Teilweise 1:1 nachgedreht. Ist das schlimm? Nein, ganz im Gegenteil. Er vereint diese kultigen Meisterwerk wunderbar in einem und verbindet all die verschiedenen Elemente gekonnt in seinem Psychodrama. Teilweise hat es mir sogar Spaß bereitet auf Anspielungen zu achten.
Ein Drama funktioniert nur, wenn die Schauspieler die Tragik überbringen. In der Vergangenheit gab es famose Interpretationen des verrückten Clowns. Wohl jeder Schauspieler muss sich an Nicholson und Ledger messen lassen. Joaquin Phoenix reiht dem Joker eine weitere Facette ein. Er nimmt dieses anarchische aus dem Comic komplett weg und gibt ihm einen gewaltigen Schuss Trauer und Ernsthaftigkeit hinzu. Phoenix Spiel ist durchgehend überwältigend. Wenn er von einer Sekunde auf die andere in Gelächter ausbricht und dann wiederum einen plötzlich eiskalt in die Augen schaut, gefriert das Blut in einem. Er ist herrlich durchgeknallt und trotzdem empfindet man mit diesem Mann so viel Mitleid. So viel Empathie. So sehr wünscht man sich, dass er und seine Nachbarin ein Paar werden und diesen dürren, kranken Menschen, endlich jemand etwas Liebe schenkt.
An dieser Stelle verdient auch Phoenix´ Synchronsprecher Tobias Kluckert eine Erwähnung. Er macht seine Arbeit gewohnt hervorragend-
Schauspiellegende Robert De Niro (spielte einst alle Filme nachempfundenen Filme selbst) kann hier als Talk Show Moderator Murray Franklin brillieren. Von ihm kommt ein bissiges Kommentar nach dem anderen und im späteren Verlauf spielt auch er eine Schlüsselrolle für den Joker...
Auch auf der technischen Seite braucht der Film sich nicht zu verstecken. Die fiktive Stadt Gotham (könnte das New York aus Taxi Driver sein) versinkt in Schmutz und Anarchie. Müllsäcke türmen sich bereits, in den Nachrichten ist die Rede von Riesenratten, Gewalt an jeder Ecke, gefühlt kein Bauwerk ohne Graffiti und als Zuschauer ist man schier endlos abgeschreckt von diesem hässlichen Grau.
Auch der Soundtrack überzeugt hier auf ganzer Linie. Die depressiven Töne ziehen einem nur weiter in den Sog und Kinosessel wird sehr ungemütlich.
Das Einzige, was am Film stört, ist die Kameraführung. Auch wenn diese 80er Jahre Optik perfekt eingefangen wurde, ist sie und da, doch zu wackelig. Besonders in den dunklen, engen Räumen von Arthurs Wohnung, stört es ungemein.
FAZIT: Ein Film, der einen von Anfang in seinen deprimierenden Sog zieht. Ein Psychodrama, was viele Fragen aufwirft. Philipps Film fühlt sich so erschreckend echt an. Joaquin Phoenix dürfte mit seiner Monster-Leistung seinen endlich hochverdienten Oscar in der Tasche haben.
Kino:
Anonymer User
5,0
Veröffentlicht am 19. Oktober 2019
Bei der Entscheidung, ob ich mir die Zeit nehme, einen Film anzuschauen, ziehe ich stets die Meinung der Filmstartsredaktion zur Seite. Doch dieses Mal habe ich mich zum Glück dennoch dazu entschieden, Joker anzuschauen. Aufgrund der enorm vielen positiven Meinungen zu dem Film habe ich mich gewundert, wieso hier nur 2 Sterne vergeben worden. Ich kann es leider nicht nachvollziehen. Es mag sein, dass der Film nicht jedem gefällt, aber 2 Sterne ist für diesen Film doch deutlich untertrieben. Vor allem wenn man ihn mit Filmen vergleicht, die hier ebenfalls 2 Sterne bekommen haben. Ich kann nur hoffen, dass trotz der Bewertung hier auf der Seite, jeder dem Film eine Chance gibt. Der Film war mitreißend und unterhaltsam und die Leistung von Phoenix war meisterhaft.
Kino:
Anonymer User
5,0
Veröffentlicht am 10. Oktober 2019
Der Film ist für mich jetzt schon Meisterwerk. Dramatisch, dreckig, hart. Ich kann weder die filmstartskritik nachvollziehen noch die, von Leuten die nur einen Trailer bewerten. Das ist richtig rotzig.
Kino:
Anonymer User
0,5
Veröffentlicht am 10. Oktober 2019
Katastrophal-- Die Meisten waren im Kino enttäuscht!!!!!!
Das Erlebnis, sich den Film anzuschauen, ist sehr unerfreulich.

Der Film Joker ist ein verdorbener Müll.

Noch ist der düster, erschreckend oder widerlich und grausame Gewalt gab es nur bei ein oder zwei Szenen, die etwas Blutige waren – somit Könnte man auf die FSK Altersbeschränkung „fast“ ganz verzichten. Der Film war eine reine Langeweile und Zeitverschwendung diese gehört schnell vergessen."

Die Performance von Joaquin Phoenix war ok aber auch nervig vom gelache und den unnötigen Handlungen.
Eben nix spannendes und nicht der Joker den WIR alle kennen.

Wie alles begann - wie er zum Joker wurde sahen wir allerdings nur in den letzten Minuten und das nicht mal richtig.
Für Kamera und Ton Liebhaber „könnte“ der Schnitt und die Kameraführung sowie Ton spannend sein, die sind aber im
„ES 1 und 2 „ Film um einiges spannender!!


Definitiv keine Empfehlung!!!
Ich frage mich wirklich ob all die positive Bewertungen gekauft wurden????? Schaut euch auch mal die Bewertungen der ""The New York Times"" und oder von anderen Pressestimmen der internationalen Medien Welt!!!!
Kino:
Anonymer User
5,0
Veröffentlicht am 10. Oktober 2019
Dunkle Straßen, nur beleuchtet durch fahles Laternenlicht und bisweilen einer grellen Neonreklame. Dazu das Treiben der großstädtischen Nacht. Das Gefühl mag sicher auch der Tatsache geschuldet gewesen sein, dass die Stimmung, die an diesem verregneten Kinoabend rund um Berlins Alexanderplatz  in der Luft lag, perfekt zur morbiden Atmosphäre Gotham Citys gepasst hat, denn am Ende geblieben ist der Eindruck, an besagtem Abend einen der besten Filme seit langem gesehen zu haben.

Dieses Gefühl wurde noch um ein deutliches bestärkt durch die atemberaubende Vorstellung, die Joaquin Phoenix in diesen zwei Stunden Kinogeschichte dargeboten hat. Noch vor dem eigentlichen Film konnte man in verschiedenen amerikanischen late night shows erahnen, wie verbunden dieser Schauspieler mit der Rolle des Jokers war und auch zwei Jahre nach Drehbeginn noch immer ist. Und umso größer die Ironie, dass sich in diesen Shows genau das zu wiederholen schien, was im Film den depressiven Arthur Fleck zum wahnsinnigen Joker werden lässt: oberflächliche Unterhaltung, die über ernstgemeintes Unterhalten geht. Lachen statt Ausreden lassen. Stumpfe Witze, die die Pointe letzten Endes gar nicht erst möglich machen.

Was dieser Film aber schafft, ist genau das Gegenteil. Er lässt schonungslos ausreden. Er zeigt bis ins unangenehmste Detail, dass diese Welt eben nicht für jeden nur Spaß und Glück bedeutet. Dass gerade diejenigen am meisten darunter leiden, die ohnehin nicht viel zu lachen haben.

Die Genauigkeit, mit der dabei die Abgründe menschlicher Abnormität aufgezeigt werden, tut mitunter weh, macht diesen Film aber letztlich zu dieser einzigartigen Sozialstudie, die den gleichermaßen genialen Dark Knight Filmen in nichts nachsteht. So nah und so spannungsgeladen wird man dem Thema Depression wohl so schnell nicht mehr auf einer Kinoleinwand begegnen. Phoenix spielt dabei so überzeugend, dass es einem Tränen der Freude, aber eben auch Tränen des Mitgefühls in die Augen treibt. Man kann nur hoffen, dass die Rolle zwar einen Oscar, aber keine bleibenden Spuren für Phoenix nach sich zieht. Und für einen selbst, dass man Mitmenschen in Zukunft aufmerksamer begegnet. A spoiler:
uch die Unscheinbaren, die Eigenartigen beachtet.
Und für den Film bleibt festzuhalten: das ist glänzende Unterhaltung!
Kino:
Anonymer User
5,0
Veröffentlicht am 10. Oktober 2019
spoiler:


Die Darstellung Joaquin Phoenix hat mich von Anfang an fasziniert. Er wirkte als hätte ihn Gotham am Tag seiner Geburt einfach auf die Straße gekackt. Mit dem Wissen das er niemals Teil dieser Gesellschaft sein wird.
Selten habe ich mit einer Figur so mitfühlen können, bis zu einem gewissen Punkt natürlich.
Mein Epischster Moment war zweifelsohne das aufeinandertreffen mit dem kleinen Bruce Wayne.
Eine Szene die so unglaublich Still war aber dennoch wie ein Orkan über die Leinwand fegte.
Gänsehaut Pur.
Cursha
Cursha

7.500 Follower 1.067 Kritiken User folgen

4,5
Veröffentlicht am 19. Oktober 2019
Im Vorfeld wurde bereits viel über den „Joker“- Film von DC gesprochen, der nun in den Kinos anläuft. Viele scharfe Kritik bekam der Film ab, die wie sich jetzt für mich herausstellt, absolut unbegründet ist. Ich bin kein großer Fan der bisherigen Werke von Todd Phillips, aber mit „Joker“ gelingt ihm etwas wahrhaft außergewöhnliches.
Die Geschichte handelt von Arthur Fleck, der sich als Straßenclown sein Geld verdient, aber eigentlich von der großen Karriere als Stand-Up-Comedian träumt. Doch trieftet Arthur immer weiter in den Wahnsinn an, nach einer Reihe von erschütternden Ereignissen.
Wenn man nicht wüsste, dass der Film auf eine Figur aus einem Comic aufbaut, könnte man diesen Film auch kaum mit einer Comicverfilmung in Verbindung bringen, denn „Joker“ fühlt sich so gar nicht wie eine solche Umsetzung an. Darin liegt gleich schon mal ein großer Pluspunkt. Der Film setzt sich sehr deutlich von den anderen Werken dieses Genre der letzten Jahre ab. Im Grunde braucht sich „Joker“ auch nicht vor der großen Vertretern dieses Genre wie „Logan“, „Watchmen“ oder auch der „The Dark Knight“ Trilogie zu verstecken, den er kann mit diesen mithalten. Das hat mehrere Gründe. Zunächst weil der Film rein optisch schon heraussticht, wie auch von seinem ganzen Handwerk. Die dreckigen, verschmutzten und abstoßenden Bilder, die Kameramann Lawrence Sher von Gotham einfängt sind atemberaubend, hinzu kommt, dass der Film ein sehr körnigen Look erzeugt, der den Film wirklich wie ein Film der 70er und 80er Jahre wirken lässt. Was vielen anderen Werken eben nicht gelingt, meistert Sher hier mit Bravur. Und auch großartig ist die mitreißend, depressive Musik der Isländerin Hildur Guðnadóttir, die mit ihrem Score zum Film eine wirklich verstörende und melancholische Abwärtsspirale geschaffen hat. So viele Bilder wirken einfach wunderschön, auf eine sehr grausame Art und Weise und alleine durch seine Handarbeit ist „Joker“ schon einzigartig in seinem Genre. Aber auch die Musik lässt, im Vergleich zu den Filmen aus dem Marvel Studios, einen bleibenden Eindruck. Aber das ist nicht das Einzige was der Film besser macht. Nein! Auch dass der Fokus einmal auf ein paar sehr wenigen Figuren liegt, ist gerade in den sich zu riesigen Ensemblefilmen entwickelten Filmen von Marvel, wieder eine glorreiche Abwechslung. Den der Fokus liegt vollkommen auf Joaquin Phoenix. Worin sich die nächsten zwei Pluspunkte finden. Zunächst ist es ohnehin spannend einen Film auch einmal über einen Antagonisten zu sehen. Davon gibt es viel zu wenige, bzw. leider bleiben die meisten Schurken in Comicverfilmung eher blass, austauschbar und vergessenswert. Glücklicherweise wird dies mit dieser Figur und dieser Interpretation nicht passieren. Allein von spannenden Gegnern möchte ich mehr sehen. Vor allem wenn sie so gezeichnet werden wie von Joaquin Phoenix. Und ich kann gleich sagen, dass sich Vergleiche mit Ledger, Nicholsen und co. Nicht lohnen, den dafür ist dieser Joker zu anders und besonders. Ich habe mich im Kino nie dabei ertappt Vergleiche aufzustellen, so war ich gefesselt von Phoenix, der etwas vollkommen eigenes daraus macht und eine neue, spannende Version des Schurken schafft. Und dabei stört mich auch der Begriff der Küchenpsychologie der in der Kritik dabei öfters viel, den ich finde, weder kommt der Film mit halber Psychologie daher, noch wird die Rolle bis in jedes noch so kleines Detail erklärt. Die Zusammenschlüsse sind logisch und machen aus dem Joker einen Menschen, der erst noch zu den wird was er ist. Dabei ist mit dieser Weg sogar sehr viel lieber, als jemand in ein Becken mit Chemikalien zu werfen und danach ist er plötzlich wahnsinnig (siehe „Batman“ von Tim Burton). Der Charakter funktioniert in sich geschlossen und bringt eine große Tragik mit sich, die mich verzaubert hat im Kino. Der Joker ist ein gebrochener Mann, dessen Motive stets logisch und nachvollziehbar sind. Nie hatte ich den Eindruck es wirkt unschlüssig. Vor allem dank Joaquin Phoenix, der wieder einmal Oscarwürdig spielt und sowohl psychisch, wie auch physisch eine Glanzleistung hinlegt. Es war wunderbar den Fokus nur auf ihn zu legen.
Und noch zum Thema Gewalt, die ja stark diskutiert wurde. Ja, die Gewalt schlägt ein, aber sie ist auch so erschütternd und grausam und so weit weg von der Romantisierung, dass ich die vielen Debatten dazu nicht nachvollziehen kann. Da gab es schon problematischere Filme. Hier passt sie aber gut in den Kontext der Geschichte. „Joker“ beschäftigt sich dabei mit einer Vielzahl von gesellschaftsrelevanten Problemen, die sich auch in der Modernen finden und macht ihn daher auch zu einem sehr modernen und zeitgenössischen Film, der Genreuntypisch ist. Da wäre zum Einen, die Auswirkung der Gesellschaft auf das Individuum. Der Joker wird zu einem Produkt seiner Mitmenschen, welches schließlich seine einzige Zuflucht in der Gewalt findet. "Das schlimmste an einer psychischen Erkrankung ist, dass die Leute erwarten, das du so tust als hättest du keine". Dieses Zitat spiegelt dieses Bild wieder. Die Konsequenz dieses Theaters, welches der Joker täglich spielt um sich der Gesellschaft anzupassen führt schließlich in seinen seelischen Ruin, da niemand im Stande war, sich den Problemen und Bedürfnissen von Arthur anzupassen. Gerade wie hier mit dem Thema psychische Erkrankungen umgegangen wird, finde ich schlicht spannend. Vielleicht ein Appell an unsere Gesellschaft mehr auf unsere Mitmenschen zu achten, bevor sie sich in eine radikalere Welt flüchten. Aber auch die Gesellschaftliche Entwicklung in dem Film ist sehr spannend, gerade bezogen auf die Moderne, in der die Schere zwischen Arm und Reich immer größer und unausgewogener wird. Die Anarchisten, die auf die Straße gehen, die sich von der Spitze verlassen fühlt und sich schließlich gegen sie erhebt. Das ganze Mündet schließlich in einem wunderbaren Finale, dass das ganze Dilemma in wenigen Sätzen auf den Punkt bringt und bei mir gerade am Ende pure Gänsehaut erzeugt hat.
Kurz: Handwerklich perfekt! Joaquin Phoenix spielt erstklassig und schafft eine einzigartige Interpretation des Jokers, der wieder neue Facetten öffnet. In seinem Genre absolut herausragend und außergewöhnlich, ist „Joker“ ein sehr brutaler und abschreckender, wie auch sehr kritischer und zeitgenössischer Film, der das Medium Comicverfilmung wieder auf ein neues Level hebt.
„Joker“ wird nicht allen gefallen, dafür ist er zu außergewöhnlich, aber er hat etwas geschafft, was immer seltener wird. Er schafft es zu polarisieren und Leute zur Diskussion anzuregen, bzw. zur Analyse einzuladen und dass ist schon einmal ein großer Verdient des Filmes, das es schaffen könnte dem Kino wieder etwas mehr Leben einzuhauchen.
Für mich ein Film, den man gesehen haben muss!
BrodiesFilmkritiken
BrodiesFilmkritiken

11.853 Follower 5.015 Kritiken User folgen

4,0
Veröffentlicht am 10. Oktober 2019
Die Figur des Jokers ist endlos oft auf der Leinwand gewesen und hat dennoch keine richtige Geschichte. Nun versucht sich Todd Phillips daran, wobei das Skript fast auch ohne die „Batman“ Bezüge bestehen kann: es erzählt von einem traurigen, dabei aber psychisch labilen Mann dem durch schlimme Umstände mehr und mehr der Verstand abhanden kommt. Das der Film gefährlich ist und Amokläufer inspirieren kann schätze ich nicht, er gibt allerdings ein sehr glaubhaftes und plausibles Bild davon ab wie sich ein mehr und mehr unterdrückter Mensch letztlich in Gewalt flüchtet und diese als letzte Möglichkeit einsetzt. Ansonsten ist dieser Film in einer sehr eigenen und passenden Stimmung erzählt und zeigt Joaquin Phoenix in einer absolut großartig gespielten Rolle. Die Bezüge zur Batman Materie sind zwar dar, ich hoffe trotzdem das dieser Film einzeln und für sich bleibt und nicht nur die nächste Kinoserie einläuten soll.

Fazit: Funktioniert als Psychodrama ebenso wie als krasse Gesellschaftssatire und ist dabei keine Unterhaltung, sondern manchmal sehr unangenehm zum Anschauen.

Videoreview von mir: https://www.youtube.com/watch?v=Hc5vrTSBABQ
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