Unser Heiland Tom Cruise ist zurück gekehrt und wird die Welt von bösen Computern befreien!
Endlich ist es geschafft und „Mission: Impossible“ ist zu Ende! Der letzte Teil der Reihe und das Finale des „Reckoning“-Zweiteilers. Endlich ist Tom Cruises Stunt-Show beendet… Zumindest bis es ein den nächsten Film gibt. „The Final Reckoning“ jedoch will uns mit aller Gewalt einprügeln, dass das hier das finale Abenteuer ist und ich hoffe es. Nicht weil ich einen schönen Abschluss für die Reihe haben möchte, sondern weil Cruise und seine Selbstinszenierung langsam aber sicher vollkommen wahnsinnige Ausmaße angenommen haben. Doch gehen wir ein paar Schritte zurück… Die „Mission: Impossible“-Reihe besteht mittlerweile seit 60 (!) Jahren als die TV-Serie 1966 unter dem Namen „Kobra, übernehmen Sie“ sieben Jahre lief. 30 Jahre später machten Tom Cruise und Regisseur Brian de Palma aus dem verstaubten TV-Stoff mitreißende Kino-Action, die in die Geschichte einging. Der erste Teil ist nach wie vor ein packender und gut gemachter Thriller. Dann wurde es wild im Franchise mit einigen Aufs (Teil 6) und Abs (Teil 2). Und während die Action in den Filmen meistens sehr toll und atemberaubend war, so mangelte es an echten Emotionen. Die Filme sind kurzweilige Unterhaltung, versuchen aber immer wieder so zu tun als ob dies das größte Actionfranchise aller Zeiten ist. Und ja, die Action mit Tom Cruise ist toll, aber immer weniger ging es um die Story, sondern viel mehr um ihn und seine waghalsigen Stunts. Welchen Gefahren wird sich Cruise dieses mal aussetzen? Das ist die Frage, die sich das Publikum und die Fans der Reihe immer wieder aufs Neue stellen. Die Geschichte ist dabei nebensächlich, wir alle wollen nur die wilden Stunts des Scientology-Chefs sehen. Bis zum siebten Teil („Dead Reckoning“) in 2023 war ich damit auch fein. Doch für den letzten Film („The Final Reckoning“) in 2025 hatte ich erstaunlich schnell mein Interesse verloren. Dennoch wollte ich dem Ganzen einen Abschluss gönnen und schaute Cruises letzte Mission endlich an. Und wow… Ich habe einige Gedanken!
Ethan Hunts Jagd auf die böse Entität geht weiter und zusammen mit seinem Team muss er dafür sorgen, dass die KI zerstört wird. Denn sonst droht ein nuklearer Alptraum…
Um es gleich vorweg zu nehmen: Ja, die Actionszenen hier sind stark, teilweise wieder äußerst beeindruckend. Die Highlights sind Cruises Tauchgang in ein U-Bott und vor allem natürlich das Finale mit den Flugzeugen. Aber um ganz ehrlich zu sein: Das alles haben wir schon in der ein oder anderen Form gesehen. Cruise machte einen Tauchstunt im fünften Film („Rogue Nation“) und an einem Flugzeug bzw. Helikopter hing er mittlerweile schon zwei mal („Rogue Nation“ und „Fallout“). Insofern ist das alles hier dann doch irgendwie etwas… unterwältigend. Selbst der Vorgänger, Teil 7, war eindrucksvoller mit dem Motorrad-Stunt und dem Finale im Zug. Aber ok, so ist es nun und die Szenen sind dennoch unterhaltsam. Visuell ist der Film natürlich ganz schick, auch wenn die Kameraeinstellungen nur selten richtig kreativ werden, wie etwa im U-Boot. Ansonsten ist der Film äußerst konservativ gefilmt. Auch der Score ist seit Jahren immer das Gleiche: Eine endlose Trailer-Version des Hauptthemas von Lalo Schifrin mit ordentlich Brass und Wumms. Die Musik wurde kurioserweise nicht mehr von Lorna Balfe komponiert, welcher Teil 6 und 7 vertonte, sondern von Max Aruj und Alfie Godfrey. Einen großen Uterschied hab ich aber ehrlich gesagt nicht gehört, bis auf ein paar Chorelemente, die etwas Abwechslung rein brachten.
Die Story ist… ok. Wer etwas Besonderes zum Finale erwartet, wird enttäuscht, denn wir kriegen wie immer dasselbe Szenario präsentiert: Die Welt geht unter und Ethan muss sie retten. Es wird knapp, richtig knapp, aber dann geht alles gut aus. Und wer das als Spoiler ansieht, der ist einfach naiv, denn wer rechnet bitte mit einem schlechten Ende in einem „Mission: Impossible“-Film? Ein paar „Überraschungen“ gibt es trotzdem und die möchte ich nicht ruinieren, aber ansonsten ist dieser Teil wie jeder andere zuvor auch.
Regisseur Christopher McQuarrie und Tom Cruise (quasi der wahre Chef der ganzen Filme) versuchen uns aber mit aller Gewalt einzuprügeln, wie episch dieses Finale ist. Es gibt Rückblicke und bedeutungsschwangere Monologe, die betonen, wie wichtig Ethan und seine Existenz sind. Das Ganze nimmt irgendwann dann solche Ausmaße an, dass der Film fast zu einer Parodie von sich selbst wird. Ein Entwicklung, die überraschend viele große Franchises haben, zum Beispiel „Star Wars“. Und auch hier ist dieser filmische Narzissmus nun vollkommen in sich implodiert. Cruise wird immer wieder als eine Art Erlöser und Retter der Menschheit betitelt. Nur er kennt die Wahrheit, ihm müssen wir alle gehorchen, denn nur er kann uns retten. Der Film und alle Beteiligten spielen da wunderbar mit und treiben diese Idee weiter voran, sodass auch wir als Zuschauer*innen davon überzeugt sind. Es ist immerhin Tom Cruise, der Mann, der mit über 60 Jahren immer noch fitter ist als die meisten Menschen jemals in ihrem ganzen Leben sein werden.
Doch für mich fiel diese cineastisch, religiöse Loblied in sich zusammen und wurde schnell unfreiwillig komisch. Nicht nur, dass der Film aus unfassbar vielen patriotisch, amerikanischen Propagandamomenten zum Fremdschämen besteht, auch die Tatsache, dass Ethans Plan, um das MacGuffin zu bekommen und schließlich die Welt zu retten absoluter Irrsinn und Selbstmord ist! In einer echten Welt würde das alles natürlich sofort in die Hose gehen, aber hier muss alles und zwar wirklich alles bis auf die Sekunde genau getimt sein. Geht auch nur ein winziges Detail schief, geht die Welt hops. Und ja, dieser filmische „Kniff“ wird seit jeher genutzt in Hollywood, mal besser mal schlechter. Und selbst die Vorgängerfilme von „Mission: Impossible“ haben dieses Klischee immer wieder bedient. Spätestens seit „Fallout“ steht dabei immer wieder das Schicksal der Welt auf dem Spiel. Das Pulver ist verschossen, wir haben´s kapiert. Und auch wenn uns Cruise & Co noch so sehr anbetteln das Ganze ernst zu nehmen, es fällt mir persönlich sehr schwer.
Der Cast ist wieder mal eindrucksvoll und bietet eine lange Liste an großen Namen, aber kaum jemand kann wirklich begeistern. Hayley Atwell ist dabei noch am sympathischsten und auch Simon Pegg kann mit seiner Präsenz unterhalten.
Fazit: „Mission: Impossible – The Final Reckoning“ ist ein enttäuschendes und selbstverliebtes Finale einer sonst unterhaltsamen Filmreihe. Cruise und Co nahmen sich hier deutlich zu ernst und warten mit einigen Fanservice-Momenten auf, die an einen Marvel-Avengers-Film erinnern. Es geht längst nicht mehr um ausgetrickste Ideen, sondern um waghalsige Stunts, Cameos und das Beharren darauf, dass alles natürlich ohne CGI auskommt. Spoiler: Tut es nicht. Jeder Film der Reihe, dieser hier eingeschlossen, nutzt immer wieder SFX-Effekte und diese sind meistens gar nicht mal so überzeugend, um ehrlich zu sein. Die Action mit echten Autos, Flugzeugen und Menschen ist toll und ist das Aushängeschild der Reihe, selbst im Finale. Aber für mich war es immer die Symbiose aus Action und Spionagethriller, die „Mission: Impossible“ so ausgemacht hat. Stattdessen wurde daraus eine One Man-Show von Tom Cruise, der nicht nur bei Scientology als Erlöser gilt, sondern auch unter einigen Filmfans. Mal sehen, ob er mit „Digger“ (2026) wieder etwas mit mehr Anspruch auf die Beine bringt, aber er soll das „Mission: Impossible“-Franchise bitte endlich ruhen lassen!