"Grace Rocky save stars."
Gleich vorweg: Keine Trailer zu diesem Film schauen! „Project Hail Mary“ (im Deutschen „Der Astronaut“) funktioniert auch so, aber wer die volle Dröhnung möchte, sollte auf Trailer verzichten, auch wenn das schwer ist…
12 Jahre… Seit 12 Jahren haben Phil Lord und Chris Miller keinen Film mehr gedreht. Dabei sind genau diese beiden zwei der kreativsten Köpfe in Hollywood. „Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen“ und die beiden „Jump Streets“-Filme waren dabei noch ihre „schwächeren“ Filme. Das große Meisterwerk kam 2014: „The Lego Movie“. Nach wie vor einer meiner Lieblingsfilme und das letzte Projekt der beiden als Regisseur. Danach schrieben Miller und Lord vor allem tolle Drehbücher, unter anderem für beide „Spider-Verse“-Teile. Doch 2026 kehrten beide zurück auf den Regiestuhl und zwar mit der Adaption von Andy Weirs Buch „Project Hail Mary“ (Weir schrieb auch das Buch „Der Marsianer“, welches ebenfalls verfilmt wurde und zwar 2015 von Ridley Scott). Mit an Bord ist natürlich Ryan Gosling, der nicht nur die Hauptrolle übernahm, sondern das Ganze auch mitproduzierte. Und da ich Gosling sowieso liebe, ebenso wie das Regie-Team Lord und Miller, war für mich klar, dass ich diesen Film sehen muss, egal, was das Thema sein würde! Doch worum geht es? Keine Sorge, ich werde nur eine grobe Zusammenfassung der Story geben.
Dr. Ryland Grace ist Lehrer und Molekularbiologe. Und genau deswegen wird er von der europäischen Weltraumorganisation (ESA) angeheuert, um ein Problem zu lösen: Die Sonne stirbt langsam, aufgrund von außerirdischen Mikroorganismen…
„Project Hail Mary“ ist ohne Zweifel ein wilder Ritt, ein wahrhaftiges Abenteuer. Dafür gibt es Filme und Kinos. Der Film ist mit zweieinhalb Stunden vielleicht etwas lang, aber ich persönlich war nie gelangweilt, ganz im Gegenteil. Lord und Miller präsentieren uns hier eine Achterbahnfahrt der Gefühle und das im Weltraum und das mit Ryan Gosling. Doch wie beschriebt man diesen Space-Trip? Auf den ersten Blick erwartet man einen fesselnden Thriller mit etwas Herzschmerz-Kitsch. Doch „PHM“ ist im Kern seiner Geschichte ein Film über tiefe Freundschaft. Grace muss die Welt retten und dafür vielleicht sein Leben geben. Doch für wen macht er das? Grace ist ein Einzelgänger, verschließt sich vor Beziehungen. Doch im unendlichen Weltraum findet er plötzlich das, was er immer gesucht hat. In Lord und Millers Film (und letztendlich auch in Weirs Buch) geht es nicht unbedingt um Logik oder Wissenschaft. Ja, es gibt klare Verweise auf unsere teils dystopische Zukunft, die uns alle erwartet, aber am Ende des Tages ist es vor allem ein emotionaler Film. Zwei Figuren treffen aufeinander und kreieren ein wundervolles Leinwandpaar, das man heutzutage selten sieht.
Klar, die Grundidee von „PHM“ ist nicht neu, gefühlvolle Geschichten mit Aliens im Weltraum gibt es seit „Star Wars“. Doch selten hatte ein Film dieser Art so viel Charme, so viel Liebe und aufrichtige Emotionen. Gosling als Grace ist das Herz dieses Films und das nicht nur, weil er unfassbar charmant und liebevoll trottelig ist, sondern auch durch seine sensiblen und verletzlichen Momente. Grace ist, wie er von sich selbst sagt, kein mutiger Mensch. Er hat Angst, flieht vor unheimlichen Situationen und wirkt oftmals heillos überfordert. Doch genau deswegen sympathisiert man mit ihm. Dass Gosling die Ausstrahlung dafür hat, ist mittlerweile klar. Auch sein komödiantisches Talent ist spätestens seit „Barbie“ kein Geheimnis mehr. Als Gegenpol haben wir dazu die facettenreiche und kühlere Sandra Hüller als Eva Stratt, die zusammen mit Gosling ebenfalls eine faszinierende Dynamik hat. Es ist zudem toll zu sehen, wie steil Hüllers Karriere geht, seitdem sie mit „The Zone of Interest“ und „Anatomie eines Falls“ ihren internationalen Durchbruch hatte. Zudem muss auch James Ortiz genannt werden, der als Puppenspieler die wohl süßeste Figur des Films verkörpert und spricht (wie gesagt, ich will hier nicht spoilern).
Der Film ist immer mal wieder etwas kitschig, aber „PHM“ verdient sich diesen Kitsch auch. Die Atmosphäre, der Grundton des Films ist gleich zu Beginn klar. Es geht um ein mitreißendes Abenteuer voller Gefühle. Logik spielt wie schon erwähnt eine eher nebensächliche Rolle, wie auch in Filmen wie „Speed Racer“. Und trotzdem gibt es einige wirklich düstere Momente in „PHM“, vor allem durch die Figur von Eva Stratt. Dadurch verkommt der Film nicht zu sehr zum klassischen Hollywood-Kitsch. Auch das Drehbuch von Drew Goddard, der auch „Der Marsianer“ für Ridley Scott adaptierte, ist sehr gut.
Optisch sieht „PHM“ klasse aus! Mir gefallen vor allem die warmen, knalligen Farben im Weltall im Gegensatz zu dem kühleren Look auf der Erde. Verantwortlich hierfür war Geig Fraser, der unter anderem an beiden „Dune“-Filmen beteiligt war. Ich persönlich hätte gern ab und zu ein paar weniger Schnitte gehabt, gerade im Finale, aber der Film ist dennoch optisch wundervoll umgesetzt. Auch der Score von Daniel Pemberton ist mitreißend und wird im Laufe des Ganzen immer besser und intensiver! Hinzu kommen einige tolle Songs, wie etwa von den Beatles.
Fazit: „Project Hail Mary“ ist ein Film, den man hier und da kritisieren kann und das zurecht. Manchen wird er zu lang sein, anderen zu gefühlsduselig, aber ich kann einfach nicht anders als dieses Werk in mein Herz zu schließen. Lord und Miller haben ein wahrhaftiges und episches Weltraumabenteuer mit Herz und einigen dunklen Momenten geschaffen. Mit an Bord ist ein toller Cast, wundervolle, charmante Figuren, beeindruckende Bilder und mitreißende Musik. Ein Film der beweist, dass selbst ein außerirdischer Felsbrocken dein bester Freund im Leben sein kann!