Also ich fand die Grundidee der Story sehr, sehr toll, die Umsetzung ebenso. Die Musikalische Untermalung war recht gut. Nicht schlecht.
Was ich bei Science Fiction nicht ab kann ist, wenn es einfach GAR kein "Science" gibt. So ziemlich alles was gezeigt wurde ergibt Physikalisch keinen Sinn. Das mag okay sein, wenn man in einer Fantasiewelt wie in Harry Potter oder sogar Pandora (Avatar) wohnt, aber wenn man halt wirklich von der Erde ausgeht und unserem Sonnensystem, die Lichtgeschwindigkeit immer wieder zitiert - also ganz klar vorgeben möchte, das ist unsere Welt - dann sollte die Physik Sinn ergeben.
- Die erste Künstliche Schwerkraft die der Akteur spürte war, wo der Antrieb des Raumschiffes aktiv war... Naja das ergibt wenig Sinn. Wenn man sich nahe der Lichtgeschwindigkeit bewegt, spürt man bei aktivem Antrieb nicht mehr die Beschleunigung - weil man sich fast nicht mehr beschleunigen kann. Und man bremst auch nicht aprupt ab. Lichtgeschwindigkeit im Vakuum und so. Wo bremst man denn gegen? Käse und Unglaubwürdig.
- Die Spacewalks sind nicht glaubwürdig. Der ist ja gefühlt gesprintet und immer wieder gegen die Hülle geknallt. Weder funktioniert das, noch würde der Anzug das überleben
- Warum musste die andere Lebensform ausgerechnet aus Stein bestehen und dann so fragil gegen die Erdatmosphäre sein? Was für ein Humbug. Das hat sich leider ein bisschen wie ein billiger Marvel-Charakter angefühlt. Ansonsten war der kleine Stein dennoch nett - er hätte halt nur nicht aus Stein sein müssen. Vor allem lebt der auch auf einem Planeten... Aus Stein. Also lebt der auf Lebewesen? Ergibt keinen Sinn. Entweder - oder.
- Ein Organismus, der die Atmosphäre der Sonne übersteht, von rein organischem Leben zerstört werden kann und auch noch hauptsächlich aus Wasser besteht. Okay mag im Buch so stehen, dann hat der Autor halt gesoffen. 6000K Temperatur - da überlebt nichtmal ein Hochtemperaturmaterial ohne sämtliche Organik
- Die Künstliche Schwerkraft durch Rotation später ist im Grundkonzept, also der Zwangsrotation, vollständig korrekt. Nur ist da irgendwie scheinbar ne Kapsel die an Seilen oder so hängt. Die wird ausgefahren und plötzlich dreht sich das Schiff präzise??? Nein. Einfach mal Interstellar ankucken, die haben das glaubwürdig dargestellt. Auch der Marsianer. Das sind glaubwürdige Konzepte.
- Wenn ich nicht komplett betrunken war, 11 Lichtjahre Entfernung? Die Rückreise sollte dann nur 4 Jahre dauern?
- Es wird immer wieder gesagt "Die Wellenlänge von Kohlenstoffdioxid". Manchmal wird auch von der exakten Wellenlänge gesprochen. Und man kann nicht einfach mal sagen 15000 nanometer oder 15 mikrometer? Und das ist auch nicht genau, sondern ein Spektrum. Dann resonieren CO2 Laser . bei 10,6um. Also jedes mal wenn die sagen "DIE Wellenlänge von CO2" dann kriege ich das Kotzen
- 11 Lichtjahre Entfernung - dafür braucht man mehr als nur 11 Jahre. Ansonsten würde einen die Beschleunigung umbringen und Lichtgeschwindigkeit ist nunmal die maximale Wirkübertragungsgeschwindigkeit im leerem Raum (Im vollen Raum wird's sogar langsamer)
Wie viele Fehler habe ich nicht genannt? Puh, da sind noch einige gravierend unlogische Dinge dabei gewesen... Der Film hat nur auf emotionaler Ebene gepunktet - und dort perfekt - aber auf der logischen Ebene einfach mal absolut überhaupt nicht. Totaler Schwachfug. Da finde ich selbst Harry Potter deutlich glaubwürdiger (Weil ganz klar in einer magischen Welt mit eigenen Regeln - und meißtens auch glaubwürdiger Physik und so), und obwohl ich alle Harry Potter Filme am Stück gekuckt habe war ich kein Fan davon.
Die Story fand ich klasse. Sehr tolle Umsetzung, schöne Atmosphäre. Echt super gemacht. Cinematographisch top. Daher 2,5 Sterne. Ansonsten 0.
Und die Ausrede "Es ist ja auch Science Fiction" ist Unfug. Sowas behauptet auch nur jemand, der physikalisch komplett ungebildet ist und der einfach alles glaubt, was er auf der Leinwand sieht. Wann denkt eigentlich mal jemand an Menschen die mehr als Kindergartenkenntnisse in der Wissenschaft haben? Das macht den Film ja nicht weniger spannend. Das war wie Top-Gun Maverick. Der Film war durch und durch plausibel und logisch nachvollziehbar. Sicher nicht der Geschmack eines jeden. Aber ich habe an der Kampfszene fast nen Herzinfarkt gekriegt, weil die Vorbereitung so gut war, man genau verstanden hat was da Physikalisch jetzt abgeht, wie exakt es funktionieren muss - es aber nicht unmöglich wie ein Lottogewinn aussieht, sondern einfach nur: Du musst gut genug sein und dann packst du das. Nicht zu viel und nicht zu wenig. Genau das richtige Maß. DAS ist Nervenkitzel. Wie Interstellar, Tennet, Der Marsianer, Inception. Diese Filme sind alle in sich stimmig. Sicher nicht jedermanns Sache. Aber sie sind in ihrer vorgespielten Realität vollständig glaubwürdig und logisch bis auf minimalste künstlerische Freiheiten.
Ich sag's gleich: Der Film ist total überhyped - weil Menschen den Film bewerten werden, die nicht im Geringsten verstehen, wie unser Planet, Sonnensystem und Universum funktioniert. 5 Stunden passende Youtube-Videos von den richtigen Kanälen (bitte nicht Electric Universe Schwurbler) könnten einem das gut nahebringen - zumindest ein Gefühl dafür zu haben. Das kann einem auch helfen sich zu erden, wertzuschätzen, was für ein Privileg es überhaupt ist zu leben - denn das ist wirklich mehr als ein Lottogewinn.
Edit:
Ich muss anloben, dass der Film mal nicht versucht hat, dem kurzlebigen Hype "politisch korrekter Film" zu entsprechen. Es wurde zwar auch nichts provokatives gesagt, aber es hat sich nie künstlich angefühlt. Die Frau die das Sagen hatte hat nicht gewirkt wie eine Disney "starke Frau". Sondern die war halt einfach ne starke Frau, man hat das verstanden und musste es nicht 10x betonen. War authentish. Okay, 3 Sterne. Filme, die sich zu stark auf aktuell in der jugend wichtige Themen beziehen mögen zwar im Hype ganz nett dastehen, aber wenn man die in 10 Jahren wieder ankuckt wird man feststellen, was für ein absoluter, unauthentischer Schrott das ist.
Für jemanden, der einfach eine gute Kombi aus Atmosphäre, Story und Emotion möchte und der keinerlei Ahnung von Physik hat und auch ignorant ist es jemals zu lernen, der wird den Film mit hoher Wahrscheinlickeit mögen. Für so jemand ist es zu empfehlen. Für alle die Glaubwürdigkeit bevorzugen. Nope. Kuckt euch lieber Iron Man 1 an. Der ist für sich betrachtet irgendwie realistischer (außer dass er die Splitter mit nem Magneten hält - das würde zu druckbedingen, inneren Nekrosen führen, aber wer achtet bei Marvel schon auf tiefgreifende Logik)