Der Gesang der Flusskrebse
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FILMGENUSS
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2,5
Veröffentlicht am 27. August 2022
UNTER'M MOOS WAS LOS
von Michael Grünwald / filmgenuss.com

Eine junge Frau, die, isoliert von der Außenwelt, im Wald aufwächst? Kinogehern der Neunziger kommt hier vermutlich Michael Apteds Resozialisierungsdrama Nell in den Sinn. Jodie Foster, entrückt und menschenscheu, auf non- bis paraverbale Kommunikationsmittel beschränkt. Ein verkümmerter Sprachschatz, ein animalisches Verhalten. Liam Neeson hat hier das versucht, was damals schon François Truffaut in seinem Tatsachendrama Der Wolfsjunge probiert hat: den Mensch dorthin zu bringen, wo er hingehört – In die Zivilisation.

Die junge Frau, weitgehend isoliert von der Außenwelt, wird in Delia Owens Bestseller Der Gesang der Flusskrebse beibehalten. Das animalische aber ist verschwunden, der Einklang mit der Natur nicht. Begeisterten Lesern des Romans zufolge sind die Schilderungen des Marschlandes North Carolinas mit all seiner Flora und Fauna das wahre Highlight des literarischen Werks, die von einer Kakophonie an tierischen Geräuschen untermalte Stimmung zwischen Riesenbäumen und labyrinthartigen Wasserwegen der Grund, warum Owens Buch ein Bestseller geworden ist. Mittendrin in diesem grünen Biotop: Ein Mädchen namens Kya, alleingelassen von allen. Erst von der Mutter, dann von den Geschwistern und schlussendlich vom Vater. Ein Leben aus Verlassenwerden und Einsamkeit. Die Einzige Konstante: die tägliche Agenda der Vögel, die vertrauten Gezeiten, der sich niemals ändernde Mechanismus eines intakten Ökosystems. Daheim ist daheim, auch wenn man dieses Daheim mit niemandem mehr teilen muss. Kya ist aber keine Nell, wie schon erwähnt. Sie ist klug, kann sprechen, außerdem bildhübsch und logischerweise menschenscheu. Was ihr dabei noch fehlt in ihrer sprichwörtlichen Raupensammlung: Die Anklage wegen Mordes. Also zerrt man sie aus ihrer vertrauten Umgebung und pflanzt sie vor Gericht, und das aufgrund von Vermutungen und der Bequemlichkeit, eine Außenseiterin wie Kya problemlos als hexengleiches Inquisitionsopfer einzubuchten, da ihr die Lobby fehlt. Das ändert sich jedoch mit einem herzensguten Anwalt im Ruhestand, der Kya von klein auf kennt und seinen Job für diese Sache wieder aufnimmt. Mit diesem Engagement folgt der Startschuss für mehrere Blicke in die Vergangenheit, die das Leben und die Liebe Kyas illustrieren sollen.

Das Buch schwelgt hier vielleicht in wortgewaltiger Romantik im Stile eines modernen Adalbert Stifter mit seitenweisen Satzgemälden, die das Dort so lebendig werden lassen. Im Film darf die Kamera des öfteren auf den majestätischen Eichen und Sumpfzypressen verweilen, die, behangen mit dem gespenstisch anmutenden, spanischen Moos, dem Wald eine ganz eigene Aura verleihen. Tiere, insbesondere Vögel, kommen auch ab und an vor, dürfen aber nur in der zweiten oder dritten Reihe zwitschern. Viel wichtiger ist die Romanze, die in diesem Sumpfland gedeiht. Mit diesem einen jungen Mann, der Kya das Lesen beibringt und sich natürlich in sie verliebt, was bei Daisy Edgar-Jones‘ reizendem und einfühlsamem Spiel wahrlich keine Kunst ist. Und mit diesem anderen, ebenfalls jungen und auch recht adretten Macho, den das Marschmädchen auf ganz andere Weise fasziniert, der aber sehr bald nicht mehr lockerlässt.

Reese Witherspoon hat das Buch fasziniert – und für die Verfilmung das nötige Kleingeld besorgt. Bei so viel Landschaftsliteratur sollte auch die passende Regie ans Werk gehen. Gut vorstellbar, was einer wie Terrence Malick daraus gemacht hätte. Seine frühen Arbeiten, unter anderem In der Glut des Südens, erheben die Natur zu einer üppigen Sensation aus Licht und Schatten. Der Gesang der Flusskrebse wäre wohl sein Ding gewesen. Auch die für Malick typische Stimme aus dem Off hätte hypnotischer, philosophischer, ausdrucksstärker geklungen. Dazu mystische Aufnahmen von Eule und Greifvogel, Frosch und Alligator. Olivia Newman fällt der Zugang in so eine Welt sichtlich schwer. Ihre Sumpfbilder sind da, weil das Buch es verlangt. Der Konflikt mit der Zivilisation ebenso. Wichtig ist der fürs breite Publikum so relevante Herzschmerz, männliche Rivalitäten und das vergebungshungrige Schmachten reuevoller Verliebter. After Love trifft auf Jungfrau-Robinsonade? Ungefähr so, nur der periphere Kriminalfall wartet darauf, dass irgendwo gar Sean Connery aus dem Sumpf des Verbrechens steigt. Stattdessen gibt David Strathairn den integren Advokaten mit überzeugendem Schlussplädoyer.

Den Vergleich mit dem Buch kann ich an dieser Stelle leider nicht ziehen, nur traue ich Owens Werk wohl kaum diese wenig plausible Entwicklung zu, die sich im Film offenbart. Manches begnügt sich, undurchdacht zu bleiben. Der Film selbst: arg konventionell. Edgar-Jones gibt ihr Bestes, hätte aber in ihrer naturkundlichen Leidenschaft und ihrem zerbrechlich-widerstandfähigem Äußeren einen besseren, wuchtigeren Film verdient, der die Thematik des Verlassenseins weniger auf das Ende von Romanzen reduziert.
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DHR
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4,5
Veröffentlicht am 26. August 2022
Aus dem Großteil des heutigen Kinoangebots hervorstechender Film mit Handlung.

Man ist gefesselt von der Hauptfigur und bekommt richtig Wut auf das 60/70 er Jahre Mief in dem jede Art von Andersseits von der Mehrheit der Menschen einfach verfolgt , abgelehnt und diskriminiert wurde.

Man gönnt dem Maschgirl das Happy End und ihr glückliches Leben nach dem Jury Freispruch und weicht davon auch nicht ab als der Film am Ende nach dem Tod der , inzwischen zur erfolgreichen Naturbuchautorin, , glücklicher Ehefrau,Mutter und alten Dame herangereift , noch eine spezielle Wahrheit ans Licht bringt.

Wäre der Film 30 Minuten kürzer gäbe es 5 Sterne.

Intelligente Unterhaltung mit emphatischer Message.
Herausragende Produktion!
das Odeon
das Odeon

14 Follower 150 Kritiken User folgen

3,5
Veröffentlicht am 8. September 2022
sorry, ich muss spoilern, sonst geht das hier nicht. um jura-interessierte vor der enttäuschung zu bewahren: die verhandlung mit dem mysteriösen mordfall und der beschuldigung des sumpf-mädchens macht nur einen kleinen teil des filmes aus. würde man den weglassen, hätte der film immernoch genug charisma, genug gesellschaftskritik und immernoch einen eigenen charme. und das ist es, was den film ausmacht. es ist das gesamtpaket, mit allem drum und dran. zuerst die kleine kya, die über die runden kommen muss, dann die große kya, die lesen lernen muss, obwohl sie schon groß ist und natürlich die beeindruckenden landschaftsaufnahmen. und zwischendurch immer ein bischen gesellschaftskritik, wie die spießer immer jemanden verachten, bzw beschuldigen, nur weil er oder sie anders ist.
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mit spannung ist hier aber nicht viel. das ist hier kein remake von "zeuge der anklage" oder sowas. die verhandlung macht vielleicht zehn prozent des filmes aus. gefühlt fünf prozent.
die meiste zeit geht es zuerst nur um das aufwachsen des mädchens / der jungen frau und danach ordentlich um ihre ersten kontakte und liebschaften zu jungs. zwei, um genau zu sein. soll sie den einen oder den anderen lieben? das war für mich (gefühlt) die haupthandlung dieses films. trotzdem hat der film eine absolut beeindruckende atmosphäre und könnte einen so richtig in den bann ziehen. so mit allem drum und dran. wäre da nicht die laufzeit von zwei stunden und die wirklich sehr, sehr ruhige erzählweise. ich würde den film lieben, wenn da irgendwie ein wenig spannung drin wäre. fünf sterne. aber mit dieser langsamkeit geht das nicht.
mein tip:
den film zur entschleunigung ansehen. nach einer stressigen woche einfach mal wieder runterkommen und entspannen. und sich von der atmosphäre und dem charme des films einfangen lassen. das funktioniert. (sitzfleisch mitbringen)
Riecks-Filmkritiken
Riecks-Filmkritiken

34 Follower 212 Kritiken User folgen

2,5
Veröffentlicht am 12. August 2022
Zwischen mäanderten Flusslandschaften und weiten Waldgebieten präsentiert Regisseurin Olivia Newman einen wundervoll atmosphärischen Film. Scheinbar inspiriert von der Tragikomödie Grüne Tomaten werden Drama, Krimi und Romanze miteinander verwoben. Umschlungen von einer oberflächlich angerissenen Justizrahmenhandlung, die deutlich weniger zur Geltung kommt, als es wünschenswert gewesen wäre, verfolgen wir eine intensive Liebschaft mit emotionalen Konflikten.

Unter Missachtung kleiner Schnittfehler, viel zu langen expositorischen Handlungen sowie der oberflächlichen Handhabe von Rassismus und aufgedrückten gesellschaftlichen Konventionen ergibt sich ein nettes Werk in Nicholas Sparks Manier. Ruhige Szenen mit sanfter Musik und unzähligen Sonnenuntergängen am Wasser zeigen, dass die Regisseurin die volle Bandbreite der schnulzenhaften Erzählung auskostet und dabei gerne auch die Machtposition von Männern kritisiert. Teile der Handlung referenzieren das Leben der Autorin Delia Owens.

Die gesamte Kritik gibt es auf riecks-filmkritiken.de/der-gesang-der-flusskrebse
BrodiesFilmkritiken
BrodiesFilmkritiken

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4,5
Veröffentlicht am 11. August 2022
Eine hochrangige Buchverfilmung die ich nicht gelesen habe – seis drum, so habe ich mehr vom Film. Insbesondere da ich den krassen Schlußtwist so nicht kenne. Bis dahin bekam ich einen sehr gebremsten, ruhigen Film zu sehen der sich zwischen die Genres begit. Es sind Anteile von Thriller, Krimi, Drama und Gerichtsfilm mit drin. Am Ende ist es aber einfach nur eine Geschichte über eine starke Haupfigur die durch eine Hölle geht und wir folgen ihr. Das wird in sehr stimmitger, ruhiger Weise berichtet und von überragenden Dartellern vermittelt. Wenn esih am Ende das Gesamtbild ergibt ist zwar nichts da was man nicht schon irgendwo gesehen hat, aber wie es hier kreativ und mitreißend neu zusammen geschraubt wurde ist am Ende in höchstem Maße zufrieden stellend.

Fazit: Atmosphärisch dichte, langsam erzählte und mitreißende Geschichte!
Breite Masse im Hintergrund
Breite Masse im Hintergrund

12 Follower 89 Kritiken User folgen

4,5
Veröffentlicht am 21. Juli 2022
Nach Sichtung des Trailers kam bei mir unweigerlich die Assoziation zu Nicholas Sparks starker Verfilmung von The Notebook auf. Eine Liebesgeschichte, eingebettet in etwas noch größeres. Seit 2004 versuchten nun zahlreiche Filme an dieses hohe Niveau heranzukommen und sind teilweise krachend gescheitert. Es freut mich daher umso mehr sagen zu können, dass der Gesang der Flusskrebse nicht nur locker mit Nicholas Sparks mithalten kann, nein stellenweise übertrifft er ihn sogar.

Ende der 60er Jahre wird in den sumpfigen Marsh-Lands in North Carolina die Leiche eines jungen Mannes gefunden. Es gibt keine Spuren oder Hinweise auf einen Mord, dennoch wird in der kleinen Gemeinde schnell die junge Kya verdächtigt, die allein und zurückgezogen als ausgestoßene in den Sümpfen lebt. In zahlreichen Rückblenden wird erzählt, wie es zu der besagten Situation gekommen ist und mit welchen Herausforderungen Kya bereits ihr ganzes Leben zurechtkommen musste.

In den gute zwei Stunden Laufzeit nimmt sich der Film Gott sei Dank nur wenig Zeit für romantischen Kitsch oder großartige Liebeserklärungen. Natürlich kommt die Romantik nicht zu kurz, aber sie wirkt nie deplatziert oder überflüssig an den Stellen. Der Cast ist überragend und vor allem unverbraucht und liefert durch die Bank ab. Ganz besonders ist hier Jojo Regina als junge Kya hervorzuheben, die in ihrer knappen halben Stunde Screentime absolut heraussticht. Das hätte selbst Anna Paquin damals nicht besser hinbekommen.

Der heimliche Star des Film sind natürlich aber auch die Marsh-Lands. Leider habe ich das Buch noch nicht gelesen, aber ich kann mir vorstellen, dass sämtliche Leser*innen vollends zufrieden damit sein werden, wie diese hier eingefangen und die in die Geschichte mit eingebaut wurden.

Für alle Freunde von anspruchsvoller Kinounterhaltung ein MUST-SEE!!!
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