Danke an EudoraFletcher68 für die Empfehlung!
„In den besten Händen“ ist sicherlich ein guter Film, der mich 99 Minuten lang gut unterhalten hat. Die Thematik mit den sog. „Gelbwesten-Protesten“ 2018 ist jedenfalls sehr interessant, ich hatte das auch damals gar nicht so richtig mitbekommen. Immerhin ist es auch irgendwie beruhigend, zu sehen, dass nicht nur in Deutschland das Gesundheitssystem am Limit ist und die Situation auch in anderen Ländern von der Politik konsequent ignoriert wird. Diese Problematik bringt der Film ziemlich gekonnt auf den Punkt, indem er im Wesentlichen vier Personen in den Mittelpunkt stellt, die alle auf unterschiedliche Weise in diesen Konflikt involviert sind. Der Film ist insgesamt sehr dialoglastig, streckenweise ist vor allem Valeria Bruni Tedeschi in ihrer Rolle als Raf ziemlich anstrengend, aber wenn man genau zuhört, sind vor allem diese Dialoge ziemlich on-point und wirklich stark geschrieben. Die Kritik an den Zuständen des französischen Gesundheitssystems ist ebenso deutlich wie heftig und wenn die Wahrheit nur annähernd so ist, wie im Film dargestellt, auch absolut berechtigt. Die Parallelen zu unserem eigenen, gerade dramatisch abstürzenden Gesundheitssystems sind dabei sehr erschreckend.
Schauspielerisch ist der Film stark besetzt. Valeria Bruni Tedeschi ist wie gesagt streckenweise mit ihrem Gejammer etwas nervig, spielt ihre Rolle aber dennoch überzeugend. Ihre Partnerin wird ebenfalls sehr gut von Marina Foïs gespielt. Pio Marmaï ist gewissermaßen die einzige Männerfigur in diesem Film und macht eine interessante Entwicklung vom Vollarsch zum echten Sympathieträger durch. Aber das Highlight und auch das emotionale Herzstück des Films ist auf jeden Fall Aïssatou Diallo Sagna. Sie ist auch eine tatsächliche Krankenschwester, dadurch wirkt ihr Spiel hier sehr authentisch und überzeugend, einfach grandios! Überhaupt ist das ein sehr cleverer Kniff von Catherine Corsini, in diesem Film echte Krankenpfleger einzusetzen, dadurch wird die ganze Szenerie in dieser Notaufnahme unheimlich intensiv, glaubhaft und authentisch. Und auch die ganzen medizinischen Dinge sind dadurch realistisch dargestellt, die Reanimationsszene sieht (im Gegensatz zu den meisten anderen Filmen) auch mal aus, wie eine echte Reanimation.
FAZIT: Eindringlich inszenierte und sehr authentisch dargestellte Szenerie in einer französischen Notaufnahme während der „Gelbwesten-Proteste“. Starke Darsteller und eine nicht sehr subtile Kritik am Gesundheitswesen machen den Film nicht nur inhaltlich, sondern auch aus cineastischer Sicht sehenswert. Danke, Eudora, für den Tipp!