„Fische sind Freunde, kein Futter!“
2003: Pixar hatte bereits einige Meisterwerke im Bereich des Animationsfilm herausgebracht, vor allem die zwei „Toy Story“-Filme gelten bis heute als ikonisch. Doch in den 2000ern sollte das Studio einige weitere Hits hervorbringen, darunter „Ratatouille“, „Die Unglaublichen“ oder „Oben“. Doch kaum ein Film des Studios sorgte für einen dermaßen großen Wirbel, wie „Findet Nemo“. Der Film war der erfolgreichste des Jahres, hinter „Der Herr der Ringe – Die Rückkehr des Königs“ und konnte vor allem Kritiker und Publikum gleichermaßen begeistern. Dies war auch das Regiedebüt von Andrew Stanton, der hier nach auch für „WALL-E“ verantwortlich war. Spätestens hier war Pixar der unbestrittene König im Animations-Game. Selbst DreamWorks konnte mit seinem Hit „Shrek“ nicht mithalten. Nun ist „Findet Nemo“ mittlerweile über 20 Jahre alt und trotz der Fortsetzung („Findet Dorie“) ist der Hype um den Film kaum noch spürbar. Aber was geblieben ist, ist die Qualität des Films. In meinen Augen ist dies nach wie vor einer der besten Animationsfilme aller Zeiten. Natürlich verbinde ich viele nostalgische Momente mit diesem Werk, aber auch jetzt als Erwachsener (oder gerade als Erwachsener) bin ich immer wieder erstaunt und auch gerührt vom Ideenreichtum und der wundervollen Message des Films.
Als der einzige Sohn des Clownfisch Marlin von einem Taucher entführt wird, macht sich der ängstliche Papa auf, um sein Kind wieder zu bekommen. Dabei muss er den ganzen Ozean durchqueren, trifft dabei auf Haie, Bomben, Schildkröten und eine liebenswerte, aber vergessliche Dame namens Dorie…
„Findet Nemo“ ist nach wie vor ein Film für alle Altersgruppen, doch tatsächlich spricht er sogar mehr Eltern an als Kinder. Immerhin ist die Message der Geschichte ganz klar an besorgte Eltern wie Marlin gerichtet. Aber genau das macht „Findet Nemo“ so besonders und genau deswegen orientierten sich einige der besten Pixar-Filme auf ähnlich erwachsene Themen (wie „Oben“). Denn obwohl der Film bunt ist, super lustige Figuren und turbulente Actionszenen hat, so hat das Ganze doch einen sehr reifen und zutiefst rührenden Kern. Einige Momente rühren mich heute mehr denn je zu Tränen und Thomas Newmans dichter und melancholischer Score, der sonst nie in einem Disney/Pixar-Film zu hören war, unterstützt den sensiblen Charakter des Films.
Das Highlight sind die Figuren: Wirklich jeder Charakter ist besonders und fast schon ikonisch. Dorie mit ihrem Gedächtnisschwund ist eine der witzigsten Figuren der 2000er, aber auch Marlin als zynischer und besorgter Helikopter-Papa hat eine äußerst sympathische Seite und funktioniert gut als Kontrast zu den ganzen ausgeflippten Figuren. Daneben sind die vegetarischen Haie, die surfenden Schildkröten, die charmant verkorksten Aquariums-Bewohner oder auch die hohlen Möwen („MEINS!“) allesamt fantastisch und unfassbar lustig umgesetzt. Dabei liebe ich es, dass jede Figur ihre eigene kleine Macke hat, was sie umso menschlicher und nachvollziehbarer macht.
Der Film ist NIE langweilig, jede neue Szene ist ein Erlebnis und trotzdem wird die Story wunderbar organisch vorangetrieben. Und selbst nach dem hundertsten Schauen, verliert der Film nie an Charme und Unterhaltungsfaktor. Und ganz ehrlich: Ich kann nicht verstehen, wie man nach diesem Film immer noch Fisch (oder generell Fleisch) essen kann, besonders nach dem Finale mit dem Netz!
Ein großes Lob muss ich auch der deutschen Synchronisation aussprechen, die hier auf einem absoluten Topniveau ist, ähnlich wie bei „Ice Age“. Christan Tramitz und Anke Engelke verleihen den beiden Protagonist*innen so viel Seele und Sympathie, dass ich den Film gar nicht mehr anders sehen will. Für mich sind diese Stimmen eins mit den Figuren. Und ich bin immer wieder erstaunt darüber, wie gut Engelke ihren Job als Sprecherin macht, denn vielen Promis hört man diesen Filmen an, dass sie kein Talent fürs Synchron haben. Auch der restliche Cast ist fantastisch besetzt im Deutschen, ein absolutes Fest (auch Erkan & Stefan finde ich in diesem Film nach wie vor lustig)!
Optisch war „Findet Nemo“ einer der bis dato schönsten Animationsfilme, vor allem bei Pixar. Der Ozean sieht auch heute noch unglaublich echt aus, die Bewegungen der Fische ebenso und die ganze Atmosphäre des Films profitiert von den dichten, aber dennoch farbenfrohen Bildern.
Fazit: „Findet Nemo“ ist ein Film, der wirklich allen Altersklassen gefallen dürfte. Auch heute noch unterhält die rührende und zugleich witzige Geschichte und die Message des Films ist nach wie vor relevant und kraftvoll. Ein zeitloses Meisterwerk und generell einer der besten Filme des Jahres!