„What´s going on?“ „People. In the house.“
Ich vergesse immer wieder, was für ein großartiger Regisseur David Fincher ist. Immer wenn ich einen seiner Filme sehe, bin ich aufs Neue erstaunt und begeistert. 2002 hatte Fincher bereits eine starke Karriere hinter sich mit Werken wie „Sieben“ und „Fight Club“. Doch nach 2001 und dem 11. September, hatte sich die Welt verändert, besonders in Amerika. Zwar hatte die Idee bereits 2000 ihren Start, doch nach 9/11 hatte „Panic Room“ eine ganz besondere Präsenz in den Kinos. Nun ist der Film aber mehr als 20 Jahre alt. Fincher hat bis heute einige großartige Thriller gedreht, darunter „Zodiac“ und „Gone Girl“. „Panic Room“ ist einer seiner „kleineren“ Filme und das war auch volle Absicht. Nach dem aufwendigen „Fight Club“ sollte „Panic Room“ nur in einer Location stattfinden. Doch die Probleme kamen trotzdem und die eigentliche Hauptdarstellerin Nicole Kidman konnte aufgrund einer Verletzung nicht dabei sein und wurde von Jodie Foster ersetzt. Auch Kristen Stewart kam erst spät zur Produktion dazu. Foster war zwischenzeitlich dann sogar schwanger und der gesamte Film wurde untypischerweise chronologisch gedreht, was ebenfalls einige Herausforderungen mit sich brachte. Doch dieser ganze Aufwand hat sich gelohnt! „Panic Room“ ist ein hervorragender Thriller, der trotz seiner simplen Story fesselt und handwerklich einwandfrei gemacht ist!
Meg Altman und ihre Tochter suchen nach der Scheidung ein neues Zuhause in New York. Sie stoßen auf ein luxuriöses Appartment. Das Besondere: Ein Panikraum. Dieser ist für Notfälle gedacht, wenn man sich vor Einbrechern schützen will. Und natürlich lässt diese Situation nicht lange auf sich warten…
Was nach plumpen Stoff für eine nette, spannende Story klingt, ist im Endergebnis so viel mehr geworden! Fincher ist einer dieser Regisseure, die wissen, wie man einen Film dreht. „Panic Room“ ist allein vom technischen Aspekt herausragend. Die Kameraarbeit von Darius Khondji (welcher aufgrund der hohen Produktionskosten leider vom Projekt entlassen wurde) und Conrad H. Wall ist großartig und intensiv. Der Mix aus echten Shots und CG ist besonders imposant und war besonders aufwendig. Nur der Score von Howard Shore ist manchmal etwas zu monoton für meinen Geschmack, aber im Film funktioniert er.
„Panic Room“ überzeugt aber auch in allen anderen Bereichen. Nicht nur, dass der Film ein handwerklich toll, gemachter Thriller ist, Fincher behandelt hier auch subtil, aber kraftvoll Themen wie den Klassenkampf und beleuchtet dabei die Menschlichkeit auf beiden Seiten. Allein das Bild des Panikraums, welcher sowohl als Rettung als auch als Käfig für die Protagonistinnen dient, ist metaphorisch perfekt gewählt und dient nicht nur als netter Kniff für eine Thriller-Geschichte. Ebenfalls toll, dass fast der gesamte Film im Haus spielt und wie ein teuflisches Kammerspiel wirkt. Fincher wurde sicherlich von Hitchcocks „Das Fenster zum Hof“ inspiriert.
Auch das Drehbuch von David Koepp („Jurassic Park“) ist wirklich toll, alle Figuren wirken nie zu dumm oder zu intelligent. Jede Entscheidung von Meg und ihrer Tochter sind absolut nachvollziehbar, selbst die irrationaleren.
Das liegt natürlich auch an der darstellerischen Leistung. Der Cast ist sehr stark: Jodie Foster hatte zwar nur eine Woche zur Vorbereitung auf die Rolle, aber sie ist wirklich klasse im Film als besorgte und taffe Mutter Meg. Auch Kristen Stewart, die hier eine ihrer ersten großen Rollen hatte, überzeugt auf ganzer Linie als Tochter. Eine wirklich beeindruckende Leistung von einer so jungen Dame! Daneben überzeugen Forest Whitaker, Jared Leto und Dwight Yoakam als überfordertes, aber gefährliches Einbrecher-Trio.
Fazit: „Panic Room“ ist ein sehr spannender und mitreißender Thriller, der in eigentlich jedem Bereich abliefert. David Fincher zeigt auch in seinen „kleineren“ Filmen, was für ein begabter Regisseur er ist. Absolut sehenswert!