Eins Vorweg: Ich werde hier an einem Punkt Spoilern, da ich unbedingt meine Gedanken zum Ende und der Prämisse loswerden möchte.
„Weapons“ ist der zweite Film von Regisseur Zach Cregger, der mit seinem Erstliegswerk „Barbarian“ einen, besonders in der ersten Hälfte, spannungsgeladenen Schocker inszeniert hat, der mich dann aber mit dem extremen Wechsel im Ton und auch Setting leider verloren hat.
„Weapons“ ist hier nicht ganz unähnlich, denn auch hier erzählt Cregger aus verschiedenen Winkeln, lässt uns kurze Momente zwei Mal erleben und führt zu einem schon fast grotesken Finale hin.
In „Weapons“ geht es um das Verschwinden von 17 Kindern, die alle Nachts um 2:17Uhr, in der gleichen Körperhaltung aus dem Haus stürmen, hinaus in die Dunkelheit. Alle Kinder stammten aus einer Klasse. Nur der kleine Alex sitzt am nächsten Morgen in der Schule. Schnell fällt der Verdacht auf die Lehrerin Justine.
Die Erzählstruktur von „Weapons“ ist im Grunde nichts Neues. Anders als Filme wie „Die Unschuld“ wird hier auch nicht eine Geschichte erzählt, die wir dann nur immer wieder aus verschiedenen Winkeln erleben, sondern die Geschichte ist Gradlinig erzählt und erinnert damit eher an Filme wie „Magnolia“. Dabei wird der Perspektivwechsel zu einer großen Stärke, da die Spannung so stets aufrecht gehalten wird und man sich fragt, wie man zu gewissen Punkte in der Handlung kommt. Einzig im Finale kommen die Figuren dann zusammen. Im Zentrum stehen sechs Figuren, die wir alle mit ihren Stärken und Schwächen präsentiert bekommen. Julia Garner als Justine ist dabei das Zugpferd. Man fühlt mit ihr mit und kann ihre Emotionen, Laster und Taten sehr gut nachvollziehen, während Josh Brolin als leidender Vater ebenfalls gewohnt stark spielt und ebenfalls eine Figur ist mit der man mitfühlt. Auch Alden Ehrenreich, als Polizist Paul, ist nachvollziehbar und man fragt sich lange was seine Funktion in der Geschichte ist, während Benedict Wong, Austin Abrams und Cary Christopher (ebenfalls sehr stark als kleiner Alex) den Cast hervorragend abrunden.
Im Kern ist „Weapons“ auch eher ein Drama, das sich mit den einzelnen Figuren beschäftigt und erst im Zweiten als Horrorfilm funktioniert, da die Schreckmomente oft gering ausfallen. Die wenigen Momente fallen dann aber sehr heftig aus und haben in gewissen Momenten sogar einen Hang zur Komik, die auf positive Weise zum Lachen einlädt. Das Spiel mit der Dunkelheit funktioniert gut, wenn auch der Horror viel am hellen Tag stattfindet. Auch die Musik ist dabei wirklich gelungen und ein eigener Charakter in dem Film. Mehr kann man erst mal nicht sagen, ohne Spoiler. Ich kann den Film aber uneingeschränkt empfehlen.
Hier damit der SPOILERPART; ALSO ACHTUNG!!!
„Weapons“ kann man im Kern mit drei Grundmotiven versehen.
An erster Stelle kann man den Film auf die aktuelle Waffenpolitik der USA beziehen und auf die immer wiederkehrende Amokläufe, die leider zum festen Alltag der Staaten zählt. Eine komplette Schulklasse verschwindet, während nur ein Kind übrig bleibt. In diesem Fall wäre Alex zur Waffe geworden. Das kann man auch auf das Bild in Archers Traum ziehen, der über einem Haus ein riesiges Sturmgewähr sieht.
Auch der Umgang mit Polizeigewalt wird hier nochmal aufgebaut, wenn Paul, dem Junkie James ins Gesicht schlägt, ehe er aller daran setzt um sein Vergehen zu vertuschen. Am Ende übt er selbst Gewalt aus um James zu stoppen. Dabei teilen beide eine Parallele. James ist Süchtig, ebenso wie Paul. Paul ignoriert aber seine Alkoholsucht. Er steht stets auf der „richtigen Seite“, während James von Natur aus keine größere Wahl hatte und vom Staat nur noch tiefer gestoßen wird.
Das dritte Grundmotiv kann der Einfluss toxischer Personen sein und deren Einfluss auf eine, besonders junge Gesellschaft, gerade in Zeiten von Social Media. Die Kinder werden im Film von der Hexe Gladys kontrolliert, die über Blutzauber die Kinder in seelenlose Waffen verwandelt. Dazu erpresst sie Alex, da sie droht seine Eltern zu töten. Ihre genauen Hintergründe sind dabei nicht vollständig klar. Allerdings kann man ihre Kontrolle wie der Einfluss von Influencern lesen, die die Kinder manipulieren, radikalisieren und schließlich zu gewaltbereiten Menschen/Waffen macht. Gleichzeitig sind die Eltern machtlos und wissen nicht, was aus ihren Kinder geworden ist. Es ist sicherlich auch kein Zufall, dass eines ihrer ersten Opfer Lehrer Marcus (Benedict Wong) ist, der zuerst seinen Mann töten soll und danach die Lehrerin Justine. Zudem übt sie auch Einfluss auf die Polizei aus (Paul) und kontrolliert auch ihn als Instanz des Staates. „Weapons“ wäre damit, unter der Haut eine Abrechnung von dem Einfluss rechter Medien und Influencer auf eine neue Jugend.
Am Ende macht dies „Weapons“ so spannend. Man kann ihn als einfachen Horrorfilm sehr genießen, aber unter der Oberfläche schlummern unzählige, sehr aktuelle Themen.