FIREWORK
Sheriff Joe Cross (Joaquin Phoenix) möchte Bürgermeister seiner Stadt in New Mexico werden, die sich gerade in einem für ihn unangebrachten Corona-Lockdown befindet. Die Bewerbung erfolgt nicht nur aus politischen Gründen, denn Joe‘s Ehefrau Lousie (Emma Stone) wurde im Alter von 16 Jahren angeblich von Amtsinhaber Ted Garcia (Pedro Pascal) sexuell missbraucht.
Ari Aster hat für seine vier Langfilme die Drehbücher selbst geschrieben. Die Inhalte sind komplex, auch kompliziert bis verrückt. Die Aster-Methode begeisterte bei den Horrorfilmen „Hereditary“ (2018) sowie „Midsommar“ (2019). Bei „Eddington“ bleibt es nicht bei Covid-Masken-Diskussion und Fake-Facts, Menschenrechte treffen auf Schießeisen, die Lieblingshaushaltsgeräte der US-Amerikaner. Wenn Wahlkandidaten nicht zum Ziel kommen, sogar gedemütigt werden, helfen Amtsmissbrauch und Projektile. Das durch die Verfassung geschützte Recht auf Waffenbesitz rückt bei dem US-amerikanischen Filmemacher allmählich in den Fokus seines bitterbösen Werks, das sich gegen Ende in einen doch sehr bleihaltigen Horror verwandelt. Auf knapp 2,5 Stunden ist die Zuspitzung der Situation gut verteilt, zunächst begleitet von perkussionslastiger, zurückhaltender Musik, später klingt’s nach Thrill.
Joe wird als Ehemann, Bürgermeisterkandidat und Sheriff plötzlich torpediert, wonach die von Joaquin Phoenix‘ herrlich verkörperte Rolle auf der Stelle tritt. Obwohl die Luft nun ein wenig raus ist, hilft dies dem nuancierten Weg ins Finale.
Ari Aster hält auf eine sehr bissige Weise den US-Amerikanern den Spiegel vor, sonst eigentlich Aufgabe von Ausländern wie David Cronenberg („Cosmopolis“, „Maps to the Stars“).