Sehr unterhaltsamer Mordfall im wunderschönen Ägypten!
Agatha Christies belgischer Detektiv Hercule Poirot wurde vor allem durch „Mord im Orient-Express“ bekannt, besonders durch die Verfilmung von 1974. Hier verkörperte noch Albert Finney den Mann mit dem Schnauzer. Für die Fortsetzung, „Tod auf dem Nil“ von 1978 (Regie: John Guillermin), sprang jedoch Peter Ustinov für Finney ein und verkörperte von da an mehrmals Poirot. Der Krimi, welcher in Ägypten spielt und sich die meiste Zeit wieder auf eine Location beschränkt (dieses Mal ist es ein Boot), ist der direkte Nachfolger von „Orient-Express“ und wurde ebenfalls viele Jahrzehnte später von Kenneth Branagh neu verfilmt. Wo ich jedoch bei „Orient-Express“ beide Versionen ziemlich gut finde, so gefällt mir das Original von 1978 doch ein ganzes Stück besser als das Remake von 2022.
Die Story spielt nach den Ereignissen von „Orient-Express“: Poirot ist in Ägypten und macht Urlaub auf einem Dampferschiff über den Nil. Auf demselben Schiff tummeln sich allerdings wieder einige dubiose Gestalten. Da wäre das glückliche Ehepaar Simon und Linnet, welches von einer eifersüchtigen Ex heimgesucht wird. Aber auch andere Parteien haben Probleme mit der Ehefrau Linnet. Und als dann tatsächlich ein Mord passiert, muss Poirot wieder einmal seinen entspannten Urlaub unterbrechen, um den nächsten kniffligen Fall zu lösen…
„Tod auf dem Nil“ bietet einen schönen Kontrast zum winterlichen „Orient-Express“. Nun sind wir im heißen Ägypten mit viel Sonne und Schweiß. Dazu gibt es vor allem viel Liebesdrama mit einem sehr unterhaltsamen (und blutigen) Mordfall in der Geschichte. Dieser wird auch nicht ganz so lieblos erzählt wie im Remake. Und obwohl ich das Remake gesehen hatte, war ich doch sehr gespannt zu sehen, wie der Fall gelöst wird. Und es ist ohne Zweifel einer der spannenderen Krimi-Fälle von Agatha Christie. Hinzu kommt eine gesunde Portion aus Kitsch und Pathos, die den Film dadurch umso charmanter macht.
Perfekt ist der Film dennoch nicht, denn die Geschichte hat die üblichen Schwächen einer klassischen „Whodunit“-Story. Es gibt viele Figuren, die alle ihre üblichen Motive bekommen und diese sehr trocken und langweilig dem Zuschauer präsentieren. Person A hasst Linnet, weil Grund A, Person B aufgrund von Grund B und so weiter… Das sind Klischees, die mich in diesen Filmen und Geschichten einfach schnell nerven und auch hier gibt es keine kreative Lösung dafür.
Dafür glänzt der Film aber mit einem schicken Cast, angeführt von Peter Ustinov als bissiger, aber unterhaltsamer Poirot. Daneben glänzt auch Angela Lansbury als wuselige, betrunkene Autorin. Lansbury spielte passenderweise zwei Jahre später auch Miss Marple in Christies „Mord im Spiegel“-Verfilmung. Des Weiteren haben wir hier eine noch junge Maggie Smith, die mich sehr an Tilda Swinton erinnert, und Mia Farrow von „Rosemaries Baby“ als eifersüchtige Jacqueline. Alle sind sie sehr überzeugend und geben dem Film eine bunte Mischung an schrulligen Figuren.
Visuell beeindruckt der Film besonders durch seine Original-Sets an den Pyramiden, Abu Simmel oder dem zerfallenen Tempel von Karnak. Musikalisch ist dagegen überraschend wenig los. Der Score von Nino Rota ist nicht schlecht, aber gefühlt nur selten zu hören. Das ist aber auch nicht unbedingt schlecht, weil der Film dadurch etwas mehr Realismus und Bedrohung erhält.
Fazit: „Tod auf dem Nil“ ist einer der unterhaltsamsten Christie-Verfilmungen, die ich bisher gesehen habe. Ein spannender Mordfall, eine innovative Auflösung und bunt, durch gemischte Figuren.