Nicht die beste Vorlage, aber sicherlich eine der besten Potter-Verfilmungen!
Mit "Harry Potter und der Gefangene von Askaban" gelang dem Regisseur Alfonso Cuaron, der Chris Columbus ablöste (Columbus war dafür aber noch mit in der Produktion des Films mit involviert), eine wundervolle Verfilmung des dritten Buches. Und für mich neben "Die Heiligtümer des Todes" die beste von allen noch dazu, obwohl das dritte Buch von einigen Fans sogar als das Schlechteste und Langweiligste abgestempelt wird. Cuaron machte aber aus der Buchvorlage eine zauberhafte Reise durch das dritte Jahr in Hogwarts.
Nicht nur die Figuren und Hogwarts selbst haben sich verändert, auch der Stil und der Look von "Harry Potter" hat sich weiterentwickelt. Bei einem neuen Regisseur ist das nicht verwunderlich, aber diese Weiterentwicklung hat der Reihe gut getan, denn "Der Gefangene von Askaban" hat wirklich Alles, was ich mir als Fan von dem Buch wünsche und noch mehr: Eine spannende Inszenierung, mit gereiften Darstellern, viel Gefühl und Tiefe in der Geschichte und dazu noch wichtige Dinge, die ausschlaggebend für die späteren Filme sind...
Im dritten Schuljahr erwartet Harry und seine Freunde eine große Herausforderung: Nicht nur dass Harry außerhalb der Schule zaubert und somit fast von der Schule für Hexerei und Zauberei verwiesen wird, der gefürchtete Massenmörder Sirius Black ist aus Askaban, dem größten Zaubergefängnis entkommen, von dem es hieße, es sei absolut sicher...
Und Harry erfährt, dass Sirius hinter ihm her wäre, aber nicht nur das: Blacks Vergangenheit birgt böse Geheimnisse für Harry.
Zwei Jahre nach „Der Kammer des Schreckens“ sind Harry & Co deutlich reifer und älter geworden, was logischerweise auch an den gealterten Darstellern liegt. Doch genau das hilft dem Film in vielerlei Hinsicht. Daniel Racliffe hat sich in die Rolle des Harry mittlerweile sehr gut eingelebt, wie auch Emma Watson und Rupert Grint, Alan Rickman (diesmal mit neuer und besserer Synchronstimme) und Robbie Coltrane sind nach wie vor perfekt in ihren Rollen und mit Gary Oldman als Sirius und besonders David Thewlis als Lupin, gibt’s neuen, frischen Wind mit überraschend, authentischen Figuren. Besonders die Szenen mit Lupin und Harry sind wirklich schön umgesetzt.
Ein weiterer Neuzugang ist Michael Gambon als Dumbledore, da Richard Harris leider nach Teil 2 verstarb und natürlich ersetzt werden musste. Und auch wenn ich Harris mochte, Michael Gambon passt irgendwie besser in die Rolle des charmanten und weisen Lehrers.
Doch der Star des Films ist der Regisseur Alfonso Cuaron. Die neue, frische Erzählweise des Films ist genau das, was diese Reihe gebraucht hat. Nachdem die ersten beiden Teile sehr konservativ alle Kapitel der Bücher behandelt hat, spielt Cuaron mit wiederkehrenden Elementen, lässt die Schüler von Hogwarts nicht mehr nur in ihren Schulklamotten rumlaufen, sorgt dafür, dass die Dialoge viel natürlicher rüberkommen und überzeugt obendrein mit einer tollen Kameraarbeit von Michael Seresin.
Auch die Emotionen und Stimmungen des Films kommen viel natürlicher rüber. So ist das Finale in der heulenden Hütte wirklich mitreißend und spannend, die Dementoren richtig unheimlich, während es aber auch viele witzige Momente gibt, sowohl für Kinder, als auch Erwachsene. Apropos: „Der Gefangene von Askaban“ ist in meinen Augen der erste Film der Reihe, der sowohl für Kinder, als auch Erwachsene geeignet ist und besonders für Jugendliche (immerhin ist auch die Buchreihe ebenfalls hauptsächlich für Jugendliche geschrieben worden).
Kommen wir zur Musik: John Williams kehrte ein (leider!) letztes Mal zurück und schuf einen sehr anderen und interessanten musikalischen Ansatz für Harry´s Zauberwelt. Viele keltische Elemente und sehr schöne Themen, wie etwa das „Window To The Past“-Motiv oder der Flug auf Seidenschnabel. Ein großartiger Soundtrack, der nicht umsonst für den Oscar nominiert war!
Macken hat auch dieser Film zwar (wie etwa das Finale mit der Zeitreise, die (wie viele andere Zeitreise-Elemente in Filmen) völlig Sinn-frei in ihrer Logik ist), aber diese sind in meinen Augen nebensächlich und können mich auch heute nicht wirklich vom Rest des Films ablenken!
Und zur Altersfreigabe: Wie schon gesagt ist „Der Gefangene von Askaban“ endlich mal etwas düsterer angelegt und sollte daher auch wirklich nur erst ab 12 gesehen werden, da es doch einige wirklich gruselige Momente gibt.
Fazit: In meinen Augen eine großartige Buchverfilmung und zwar nicht nur auf die „Harry Potter“-Filme bezogen, sondern auch insgesamt im Filmbereich. Alfonso Cuaron vollbringt mit diesem Werk eine gekonnte Meisterleistung, weil er weiß, was aus dem Buch wichtig für die Verfilmung ist und wo man etwas umstrukturieren muss. Gereifte Kinderdarsteller, tolle Figuren, eine einzigartige Erzählweise, viel Humor, Spannung, Action und etwas Tragik machen diesen Potter zu einem der besten der Reihe!