Unangenehm eingestaubter Superhelden-Klassiker
Kaum ein Superheld hat die Filmlandschaft so geprägt, wie Batman. Die düstere, aber auch absurde Comicfigur entstand durch Bob Kane und Bill Finger Ende der 30er Jahre. Yep, eine sehr alte Fledermaus. Seitdem gab es tatsächlich mehrere filmische Adaptionen, die populärste dürfte die mit Adam West in der Hauptrolle sein. Doch richtig durch die Decke ging die Figur im Jahre 1989, als der damals noch unbekannte Tim Burton seinen dritten Film drehte und Batman auf die große Leinwand brachte. Es folgten drei weitere Teile, einer davon drehte Burton ebenfalls, bis Joel Schumacher dann das Franchise wortwörtlich killte.
Und dennoch hat besonders der erste Film bis heute einen Kultstatus unter Fans, was nicht zuletzt an der tollen Optik und der ikonischen Musik von Danny Elfman liegen dürfte. Ich selbst hatte den Film als Kind mal gesehen, konnte mich aber an praktisch nichts mehr erinnern. Ich sah diesen Film also im Grunde genommen zum ersten Mal. Natürlich habe ich einen ganz anderen Blick auf das Ganze als jemand, der mit „Batman“ von 1989 aufgewachsen ist. Nun ist die Frage: Wie hat sich der berühmte Burton-Film gehalten? Es sind mittlerweile über 35 Jahre vergangen. Und bestimmt werden mich einige für diese Meinung steinigen wollen, aber es ist am Ende eben nur eine Meinung: „Batman“ von Tim Burton ist leider kein guter Film!
Die Story dürfte vielen bekannt sein: Der Milliardär Bruce Wayne bekämpft nachts im Fledermauskostüm das Verbrechen in Gotham City. Doch eines Tages trifft er auf einen Gegner, der alles Vorherige in den Schatten stellt: Der wahnsinnige Joker…
Gleich vorweg: Ich erkenne an, dass der Film Millionen Menschen geprägt hat, ebenso wie die Filmlandschaft. Immerhin war der Film der erfolgreichste Streifen des Jahres. Und Burton hätte ohne diesen Film sicherlich nicht die Karriere haben können, auf die er heute zurück blicken kann. Und es gibt auch viele positive Aspekte, die ich hier gern benennen möchte.
Da wäre zu aller erst die Optik: Burton war seit jeher ein Mann des Visuellen. Vom düsteren Gothik-Look in vielen seiner Filme, bis hin zum quietschbunten Alien-Spoof („Mars Attacks!“) hat Burton immer ein gutes Auge für das Optische. Sein Stil prägte nicht umsonst die 90er und ist auch heute noch in Serien wie „Wednesday“ zu finden. Für „Batman“ orientierten sich Burton und sein Team an den Comics, gemischt mit seinem Stil. Die beiden Art Director Anton Furst und Peter Young erhielten für ihre Arbeit sogar einen Oscar.
Die Action hingegen ist oftmals eher lasch, auch wenn die Sets und Modelle wirklich cool aussehen. Dafür überzeugt aber vor allem ein Element: Die Musik von Danny Elfman. Der stand wie Burton ebenfalls am Anfang seiner Karriere. Nachdem beide erfolgreich bei „Pee-Wee´s irre Abenteuer“ und besonders „Beetlejuice“ zusammen gearbeitet hatten, waren sie nun wieder vereint. Und Elfman lieferte einen seiner populärsten Scores ab. Besonders das ikonische Hauptthema wurde zu einem Klassiker in der Superhelden-Welt und ist wie kaum ein anderes Thema bis heute an den Charakter gebunden (ähnlich wie John Williams´ „Superman“-Thema oder seine Musik zu „Indiana Jones“). Allerdings stoßen mir die Prince-Songs im Film sehr sauer auf und passen so gar nicht in das Ganze. Auch wenn das Album sehr erfolgreich war, so merkt man doch den unangenehmen Beigeschmack von „Star Power“, den sich das Studio Warner Bros. von Prince und seiner Musik versprach.
Zum Schluss muss ich auch die darstellerische Leistung der beiden Hauptdarsteller loben: Michael Keaton und Jack Nicholson geben ihren Rollen viel Charisma und besonders Nicholson hat sichtlich viel Spaß in seiner Rolle. Kim Basinger hingegen ist einfach nicht gut gecastet in meinen Augen und erfüllt plakativ die Rolle der „Frau“…
Eine gute Überleitung zu den Dingen, die nicht funktionieren und davon gibt es leider eine Menge! Burtons Interpretation von Batman ist natürlich sehr abweichend vom Original. Dieser Batman hier bringt Leute um und das nicht zu knapp. Für mich als jemand, der die Figur nur aus den Filmen kennt, ist das kein großes Ding, wenn das Ganze im Film einen Sinn hat. Das hat es hier aber nicht. Batman hat keinen moralischen Konflikt, sondern bringt Leute einfach um, weil… es am Ende cool und knallhart aussieht im Film. Und hier ist das vielleicht größte Problem: Batman aka Bruce Wayne ist als Protagonist uninteressant. Keaton macht das Beste aus der Rolle, aber seine Figur ist einfach zu blass. Ironischerweise hat der Joker deutlich mehr Background im Film und was noch ironischer ist: In Nolans „Dark Knight“-Trilogie von 2005 – 2012 ist es genau anders herum, was in meinen Augen einfach viel besser funktioniert. Wir als Zuschauer*innen müssen verstehen, warum der Held tut, was er tut. Diese Erklärung gibt es aber praktisch nicht, nur ein beiläufiger Satz und die bekannte, klischeehafte Kindheits-Tragödie von Bruce. Aber auch wenn der Joker deutlich mehr Screentime hat, so ist auch diese Figur in meinen Augen nicht mehr als eine Entschuldigung, um absurde Momente mit Jack Nicholson im Film zu haben. Diese sind, zugegeben, sehr unterhaltsam, manchmal etwas zu anstrengend, aber spaßig. Doch wer ist der Joker? Warum tut er, was er tut? Auch hier bleibt der Film unfassbar schwammig. Nolans Joker (gespielt vom großartigen Heath Ledger) hatte trotz weniger Szenen deutlich mehr Präsenz und Charakter. Nicholsons Joker ist albern und abgedreht, aber das wars dann auch. Ich mag den Ansatz, den Burton zwischen Batman und Joker kreiert: Einer hat den anderen ins Leben gebracht. Auch hier weicht Burton von den Comics ab, aber wen juckt das? Es ist eine eigene Interpretation und ich bin froh, wenn nicht jeder Batman-Film gleich ist. Trotzdem geht diese Idee am Ende nicht auf, weil mir einfach alles im Film egal war.
Des Weiteren sind es immer wieder viele Kleinigkeiten, die mich tatsächlich gestört haben, wie etwa der restliche Cast, der fast durchweg richtig schlecht ist. Ja, Burton entschied sich für eine deutlich überzogenere Variante des dunklen Ritters vor allem wenn man das Ganze mit Nolans Filmen vergleicht. In 1989 war dies jedoch der bis dato düsterste Batman, den man gesehen hatte. Aus heutiger Sicht jedoch ist das nur noch schwer vorstellbar, denn viele Momente wirken einfach nur albern. Manche emotionalen Ausbrüche bestimmter Figuren (besonders der Ausraster von Bruce Wayne) sind vollkommen kurios. Und dann gibt es ein paar Momente, die sehr schlecht gealtert sind. Da ist an erster Stelle der Moment, wenn Bruce Vicky zurecht weist und aggressiv hinsetzt und ihr den Mund verbietet. Ein kleiner, vielleicht unscheinbarer Moment für viele andere, aber für mich ist dieser Moment im Jahre 2025 nicht mehr so einfach zu ertragen. Es ist zwar nicht so schlimm wie viele Harrison Ford-Szenen in seinen Filmen, aber dennoch unangenehm. Vicky Vale ist als gefühlt einzige Frau in Gotham nicht mehr als die Liebesbeziehung für Bruce. Auch ansonsten ist der Film erschreckend schwarz-weiß inszeniert. Ja, wir reden hier auch über einen Superhelden im Fledermauskostüm, der gegen einen verrückten Clown kämpft. Und dennoch birgt die Figur von Batman eine Tragik und eine Dunkelheit, die ihn deutlich komplexer machen. Das gilt auch für alle anderen Figuren und vor allem für die Thematik der Kriminalität. Aber hier bin ich vielleicht auch einfach zu sehr von Nolans Filmen geprägt worden…
Fazit: „Batman“ von Tim Burton hat visuell und akustisch viel zu bieten und einige tolle schauspielerische Leistungen. Doch sowohl die Story als auch die Inszenierung des Ganzen ist stellenweise vollkommen misslungen. Vor allem aber fehlen dem Film Substanz und Figuren mit Seele. Dieser Film ist die Definition des Sprichwortes „Mehr Schein als Sein“. Wirklich enttäuscht bin ich vor allem von Tim Burton, der in meinen Augen in seiner Anfangszeit eigentlich einige seiner besten Filme ablieferte („Beetlejuice“, „Edward mit den Scherenhänden“ und „Ed Wood“). Aber wie bei Ridley Scott schwankt seine filmische Qualität sehr stark in beide Richtungen… Ein ikonischer und wegweisender Film im Bereich der Superhelden-Comic-Adaptionen, doch für mich bleibt die Musik von Danny Elfman das Beste an dem Ganzen!