Harry Potter und die missglückte Verfilmung!
Die „Harry Potter“-Verfilmungen hatten seit 2001 die Welt im Sturm erobert. J. K. Rowling hatte mit ihren Büchern einen unvorstellbaren Hit abgeliefert und die Filme brachten den Potter-Hype auf ein ganz neues Level. Nachdem Chris Columbus die ersten beiden Bücher solide verfilmt hatte, nahm sich Alfonso Cuarón dem dritten Teil an, der in meinen Augen die beste filmische Adaption des Stoffes ist. Leider konnte CuarÓn nicht für den vierten Teil gewonnen werden. Stattdessen entschied man sich für Mike Newell, der vor allem durch Dramen und romantische Komödien bekannt geworden war (wie etwa „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“). 2005 erschien dann seine Interpretation des vierten Buches: „Harry Potter und der Feuerkelch“.
Ich weiß noch sehr gut, wie ich damals das Buch las und stellenweise geschockt war, da der vierte Teil deutlich ernster und düsterer wurde. Und gerade deswegen ist er unter Fans auch so beliebt. Wie das alles filmisch umgesetzt werden würde, konnte ich mir nicht vorstellen, weswegen meine Erwartungen an den Film immens waren. Nun ist die Verfilmung 20 (!) Jahre alt und endlich habe ich das Buch wieder gelesen. Und oh je… das war keine gute Idee. Nicht weil das Buch schlecht ist, ganz im Gegenteil, aber nun merke ich doch umso deutlicher, warum dieser Film der schwächste der ganzen Reihe ist!
Harrys viertes Jahr in Hogwarts ist ein ganz spezielles Schuljahr, denn in der Schule für Hexerei und Zauberei findet das trimagische Turnier statt, ein brutaler Zauberwettstreit zwischen drei der besten Schüler, aus jeweils einer Schule. Zu diesem Ereignis sind noch zwei weitere Schulen angereist. Doch bei der Auswahl durch den magischen Feuerkelch passiert etwas, womit keiner gerechnet hat: Harry, der noch viel zu jung für das Turnier ist, wird ausgewählt und weder er, noch die Lehrer, geschweige denn seine Freunde wissen, was dies zu bedeuten hat. Doch eins ist sicher: Lord Voldemort hat etwas damit zu tun…
Um ganz ehrlich zu sein: Newell ist dem Stoff einfach nicht gewachsen. Auch Drehbuchautor Steve Kloves, der die Skripte für die vorherigen Potter-Filme geschrieben hat, liefert hier seine schwächste Leistung ab. Nun muss man natürlich sagen, dass ein über 700 Seiten langes Buch natürlich stark eingekürzt werden muss, wenn es verfilmt werden soll. Der Film selbst ist bereits zweieinhalb Stunden lang, doch es fehlen wirklich viele Sachen aus dem Buch. Sehr viele! Bisher war das bei den Filmen nie so stark ins Gewicht gefallen, doch nun merkt man es deutlich. Selbst ohne das Buch im Kopf, wirkt der Film unfassbar gehetzt und steif. Ich selbst hatte die Ereignisse vom Buch nach einiger Zeit vergessen. Nun, nach dem erneuten Lesen, bin ich wirklich schockiert, wie viel wichtige Dinge weggelassen wurden. Szenen zwischen Snape und Harry, die BELFER-Storyline, Ludo Bagman und Winky als Figuren, auch Dobby ist nicht zu sehen, die letzte Aufgabe generell wurde ziemlich verändert (zum Schlechten) und das Schlimmste: Es fehlt die Atmosphäre! Das Buch nimmt sich Zeit für den Aufbau des Turniers. Die Angst und der Respekt von Harry gegenüber dem Turnier, aber auch die bevorstehende Bedrohung durch Voldemort, all das ist hier nicht zu spüren. Newell missachtet immer wieder das abgedroschene Klischee „Show don´t tell!“ (zu deutsch: Zeig und erzähl es nicht!). Die ganzen Gefühle und Emotionen werden oftmals nur behauptet, haben aber keine Substanz. Vielleicht auch weil der Film eben von Szene zu Szene rast und nie Luft zum Atmen lässt. Wichtige Handlungsstränge werden angeschnitten und mit ein oder zwei Dialogen abgehandelt. Selbst unter dem Zeitdruck eines Films, hätte man das Ganze deutlich besser handhaben können, ber Newell ist in meinen Augen einfach handwerklich unbegabt für diese Art von Film. „Der Feuerkelch“ ist teilweise etwas albern und wirkt sogar auch an manchen Stellen wie eine TV-Produktion, was nicht zuletzt an der Optik liegt, die für meinen Geschmack zu lasch ist. Hogwarts wirkt hier auch mehr wie ein Filmset als ein realer Ort.
Doch schauen wir uns die guten Momente an, denn die gibt es trotzdem! Moody als neue Figur ist klasse und toll umgesetzt durch Brendan Gleeson. Seine Szenen sind oftmals am besten gelungen und auch heute noch sehr unterhaltsam. Ralph Fiennes hat zudem seinen ersten Auftritt als dunkler Lord und auch er ist wie geschaffen für die Rolle. Seine Szene ist in meinen Augen auch wirklich gut gelungen und bringt die nötige Dunkelheit in die Story. Für jüngere Zuschauer ist „Der Feuekelch“ definitiv kein Kinderfilm mehr, hier gibt es doch sehr viel Blut zu sehen!
Auch der Humor ist wirklich schön und charmant, da hat Newell seine Qualitäten ausgepackt. Am witzigsten ist der Film sowieso, wenn er sich vom Buch entfernt und sein eigenes Ding macht, was ich vollkommen in Ordnung finde. Einige der witzigsten Momente der Filmreihe sind sogar hier zu finden, ich sage nur Harrys putziges Lächeln beim Trinken.
Schauspielerisch ist das alles etwas durchwachsen. Daniel Radcliffe macht seine Sache gut, wie auch Rupert Grint als Ron. Doch ihr extrem forcierter und peinlicher Streit hat mich nie überzeugt, was aber auch an der filmischen Inszenierung liegt… Emma Watson spielt hier etwas zu sehr mit ihren Augenbrauen, aber sie ist trotzdem toll! Auch Robert Pattinson ist gut, er hatte hier seine erste große Rolle vor seinem Durchbruch. Leider haben Maggie Smith und Alan Rickman kaum Screentime im Film, doch sie machen jede Szene sehenswert. Ansonsten finde ich, dass der Film etwas zu sehr overacted ist, also viele übertriebene Gesten und Mimiken. In den anderen Filmen ist das komischerweise nicht so…
Optisch ist der Film in Ordnung, auch wenn es dem Teil an visuellem Charakter fehlt. Da war Teil 3 einfach so viel besser gemacht, wenn es ums visuelle Storytelling ging. Dennoch sind einige der Sets schick anzusehen und Design einiger Kreaturen und Zaubertricks ist wieder mal sehr kreativ umgesetzt.
Die Musik wurde dieses Mal von Patrick Doyle komponiert, der Williams ablöste, weil der sich dem Film "Die Geisha" widmete. Und Überraschung: Doyle schafft es einen tollen, dynamischen und besonders klassischen Score abzuliefern, der zwar ein paar Mal zu aufgesetzt wirkt, aber auch wirklich tolle und frische Momente bietet, wie etwa den Walzer beim Ball oder das neue Thema für Voldemort.
Fazit: „Der Feuerkelch“ ist ohne Zweifel eins der besten Bücher der Potter-Reihe, doch die Verfilmung wurde dem Stoff kaum gerecht. Einige Momente und Ideen sind super, während dem Film Struktur und Seele fehlen. Für mich sind alle „Harry Potter“-Filme etwas Besonderes, da sie mir durch meine Jugend geholfen haben. Doch von einer Objektiven Perspektive muss ich sagen, dass dieser Teil wirklich nicht gut gelungen ist, besonders wenn man das starke Buch kennt. Da muss man die wirklich schwierige und teils widerliche Rowling dann doch loben, denn schreiben konnte sie das Ganze wirklich gut. Und hier empfiehlt es sich sogar das Buch zu kennen, da man sonst einiges nicht versteht im Film. Schade, aber aus nostalgischer Sicht immer noch eine schöne Erinnerung für mich.