Jo, ich oute mich jetzt mal als „Bloodrayne“-Fan. Denn mal wirklich, ganz im Ernst, jenseits des obligatorischen Uwe Boll-Bashings, ist der Film gar nicht so schlecht, wie er immer geredet wird. Sicher, wir sind noch immer weit von einem wirklich guten Film entfernt, aber dennoch bietet „Bloodrayne“ doch knackige 90 Minuten Unterhaltung.
Die Geschichte muss man natürlich dabei ausblenden, die folgt einem etwas verworrenen Plot, der tatsächlich nochmal an das Videospiel erinnert, aus dem „Bloodrayne“ hervorgegangen ist. Aber warum Rayne jetzt genau dort irgendwie genau das macht und danach genau dort hingeht, ist schwer nachvollziehbar, am Ende aber auch egal. Die Story mit den Vampiren, die „normal“ unter den Menschen leben, wird zu Beginn cool etabliert (mit dem Spiegel in der Bar), aber dann leider nicht mehr weiterverfolgt. Die Dhampire (halb Mensch, halb Vampir) sind natürlich auch keine neue und besonders originelle Erfindung, sie werden hier aber thematisch gut in das Setting integriert.
Die Action ist knackig und auch die Effekte sind durchaus ansehnlich – immerhin hat der deutsche Splatter-Papst himself, Olaf Ittenbach, hier Hand angelegt. Und das sieht man auch. Das Blut spritzt in alle Richtungen, gerne auch mal entgegen der Physik oder der Anatomie oder auch der Logik. Aber scheiß drauf, das sieht alles ziemlich geil aus und macht viel Spaß. Da sind wir vielleicht auch schon bei einem der Probleme des Films. Die Handlung ist ja total bekloppt, die Splatterszenen sind gnadenlos over the top, der Film ist dabei aber so scheißernst, dass er sich damit selbst keinen Gefallen tut. Etwas mehr Spaß oder selbstreferenzieller Humor hätte dem Film durchaus gutgetan. So wirken manche Szenen dann am Ende eher lächerlich als dramatisch.
Erwähnenswert ist noch der Cast. Uwe Boll hat hier ein ansehnliches Samlesurium von zumindest B-Stars versammelt: Kristanna Loken hat uns als Terminatrix gut gefallen, hier bleibt sie etwas blass und wirkt in den Actionszenen auch etwas unbeholfen. Michelle Rodriguez spielt lässig wie immer, ich mag sie sehr. Michael Madsen hatte angeblich – so geht die Legende – einen Deal mit Uwe Boll gemacht, dass er am Set immer Alkohol trinken dürfe und nicht nüchtern erscheinen muss. Ob das nun stimmt oder nicht, weiß man nicht, aber ein bisschen spielt er hier ja auch seinen Vladimir, als ob er immer leicht eine sitzen hat. Udo Kier macht immer Spaß, in jeder Szene, Michael Paré, Geraldine Chaplin und Billy Zane haben wenig Screentime, spielen aber routiniert. Meat Loaf hat eine sehr eindrucksvolle Szene mit einer eindrucksvollen Perücke, er hat sichtlich Spaß an seinem Psycho-Vampir. Tja, und dann ist da noch der großartige Ben Kingsley, wo man sich wirklich fragt, was ihn hier in diesen Film verschlagen hat. Vielleicht brauchte er das Geld? Naja, die Rolle das Oberschurken Kagan passt so überhaupt nicht zu ihm und wirkt auch, als ob die für jemand anderen geschrieben worden wäre.
Ulkig ist der Epilog, der irgendwie nochmal ein Werbefilm für Olaf Ittenbach sein könnte, und völlig random irgendwelche Splatterszenen aneinanderreiht. Das sieht zwar cool aus, hat mit dem Film aber absolut gar nichts zu tun. Vielleicht waren das Szenen, die gedreht wurden, dann aber für den Final Cut nicht mehr verwendet wurden und jetzt hat sich Uwe Boll überlegt, das wär doch schade, sie einfach so verfallen zu lassen, dann hängen wir die doch einfach am Ende nochmal an den Film ran…?
FAZIT: “Bloodrayne“ hat mit der Videospielvorlage nicht wirklich viel gemeinsam, liefert aber doch ansehnliche 90 Minuten lang Unterhaltung. Wenn man den Logiksektor im Gehirn ausschalten kann und Uwe Boll mal einfach Uwe Boll sein lässt, sich eine Tüte Popcorn und ein kühles Bier dazuholt, dann kann der Film echt ganz knackig sein. Finde ich. Und ich steh dazu! Ich mag „Bloodrayne“.