Selbst nach 40 Jahren noch, ist Cronenbergs Horrorvision relevant!
David Cronenberg ist und bleibt einer der kontroversesten Regisseure, besonders in den 80ern und 90ern. Durch sein großartiges Remake von „Die Fliege“ (1986) gelang ihm der Durchbruch. Seine Body-Horror-Geschichten faszinieren Filmfans noch heute, auch wenn mich eines seiner aktuelleren Werke, „Crime of the Future“, ziemlich enttäuscht hat. Doch seine früheren Filme hatten ordentlich Biss. So auch „Videodrome“ von 1983. Ein Horrorfilm mit sehr starken gesellschaftskritischen Ideen, die sich bis heute erstaunlich gut gehalten haben, wie auch der gesamte Film. Cronenberg beschäftigt sich in seinem Werk „Videodrome“ mit der Beziehung zwischen Mensch und Medium, besonders das des Fernsehens. Aus heutiger Sicht ist es allerdings nicht schwer die Brücke zu Smartphones und anderen Endgeräten zu schlagen, weshalb der Film auch heute noch erstaunlich gut funktioniert.
Max Renn, der Chef eines Fernsehkanals, ist auf der Suche nach neuem, brisantem Material für seine Zuschauerschaft. Er ordert einen Kollegen an etwas Schockierendes zu finden und schon landet Max bei „Videodrome“. Die produzierten Videos zeigen pure Gewalt, Folter, Vergewaltigung… Es geht dabei nicht um Sex, sondern um die niedersten Gelüste eines Menschen. Max sieht genau darin die Zukunft des Fernsehens, doch plötzlich sieht er selbst Bilder von grotesker Gewalt und das vor allem an seinem eigenen Körper…
„Videodrome“ war in Deutschland lange Zeit indiziert und ist erst seit 2018 frei zugänglich. Grund dafür waren sicherlich die teils verstörenden, aber extrem gut gemachten Bilder. Die Effekte von Special Effects-Legende Rick Baker („An American Werewolf in London“, „Gremlins 2“ und „Men in Black“) sind famos und wundervoll eklig. Zudem passen sie wunderbar zur verstörenden Thematik des Films und kreieren somit teils ikonische und abstrakte Bilder, wie etwa einen fleischgewordenen Fernseher, der anschwillt und Max in sich verschlingt.
Regisseur Cronenberg tobt sich hier visuell voll aus und bietet einige düstere Szenen, die zwischen Realität und Wahnsinn wechseln. Und genau wie der Protagonist, können wir als Zuschauer nicht immer sagen, was echt und was eine Halluzination ist. Ein klassisches Stilmittel in diesem Genre, welches aber wirklich gut eingebaut wird.
Es ist vor allem die Grundidee, welche auf einem Buch des kanadischen Philosophen Marshall McLuhan basiert, die „Videodrome“ faszinierend und sogar zeitlos macht. Wie groß ist der Einfluss der Medien auf uns und auf unseren Körper? Ist der Fernseher oder jedes andere Endgerät Teil unseres Körpers? Spannende Fragen, die Cronenberg mit grotesken, aber kunstvollen Bildern versucht zu beantworten.
So spannend die Idee auch ist, der Story und den Figuren fehlt es am Ende in meinen Augen etwas an Seele. Generell konnte ich der Handlung manchmal schwer folgen, weil es stellenweise sehr unklar war, wer was genau wollte. Plötzlich etablieren sich mehrere Parteien in der Geschichte und die Grundaussage des Films gerät etwas in den Hintergrund...
Dafür überzeugen wirklich gute Darsteller: James Woods, welchen ich die ganze Zeit mit Roy Scheider („Der weiße Hai“) verwechselt habe, gibt eine sehr solide Performance und auch der restliche Cast überzeugt!
Und neben den starken Bildern von Kameramann Mark Irwin, kann auch der düstere Score von Howard Shore dem Ganzen immer mal wieder eine interessante Facette geben, wobei für mich einige Szenen ohne Musik vielleicht sogar besser funktioniert hätten…
Fazit: „Videodrome“ ist ein sehenswertes und nach wie vor relevantes Horrorwerk, welches mit über 40 Jahren immer noch etwas zu sagen hat. David Cronenberg schuf einige extrem spannende Werke der Filmgeschichte und „Videodrome“ ist trotz seiner Ecken und Kanten eines davon.