Überladen und deprimierend – Burtons zweiter Fehlgriff des dunklen Superhelden!
Tim Burton wurde nicht umsonst für seine stilistischen und visuelle beeindruckenden Filme berühmt. Seine Werke waren aber nicht nur optisch ansprechend, sondern hatten auch viele düstere und spannende Ideen. Man könnte viele seiner Filme als dunkle Märchen für Erwachsene bezeichnen. Als Burton noch am Anfang seiner Karriere stand, drehte er die erste große, populäre Verfilmung von „Batman“. Die bunte und zugleich dunkle Adaption war 1989 extrem erfolgreich und machte den Fledermaus-Mann zu einem der beliebtesten Helden aller Zeiten. Doch so sehr dieser Film auch einen Einfluss auf die Popkultur der 90er Jahre hatte und selbst bis heute relevant ist, so sehr ist er in meinen Augen schlecht gealtert. Ein verwirrender, Klischee-beladener und wilder Film, der außer einer tollen Optik und großartiger Musik nur wenig zu bieten hat. Burton drehte hier nach wieder einen wirklich tollen Film, „Edward mit den Scherenhänden“. Doch Warner Bros. wollte Burton auch für die Fortsetzung von „Batman“ haben. Dieser jedoch willigte erst ein, als er völlige kreative Freiheiten erhielt. Und so entstand einer der kuriosesten „Batman“-Filme aller Zeiten: „Batmans Rückkehr“ von 1992.
Der Film war sehr erfolgreich, wurde jedoch extrem gespalten aufgenommen, nicht zuletzt da der Film auch für ein jüngeres Publikum gedacht war. Doch das Endergebnis war alles andere als ein Kinderfilm. Viel Gewalt, noch mehr seltsame sexuelle Anspielungen und ein überraschend depressiver Grundton. Und das soll schon was heißen bei einem Tim Burton. Und eigentlich hätte ich gedacht, dass mir der Film genau deswegen deutlich besser gefallen würde als der erste Teil. Doch leider ist dem nicht so. Als Kind hatte „Batmans Rückkehr“ mich schon etwas traumatisiert, aber als Erwachsener bin ich einfach nur verwirrt. Ich frage mich ernsthaft: Was sollte dieser Film?
Zuerst zur Story: Bruce Wayne hat in Gotham City keine ruhige Nacht, denn eine neue Schar an Bösewichten ist auf dem Vormarsch. Da wäre die mysteriöse Cat-Woman, ein machthungriger Millionär, der Gotham mit einem Kraftwerk ausbeuten will und der „Pinguin“, ein Mann, der als Kind aufgrund eines Gendefekts von seinen Eltern in die Kanalisation geworfen wurde und nun Rache möchte…
Klingt alles nach einem typischen Setting für einen „Batman“-Film: Neue Gegner und gleich mehr davon für noch mehr Spannung und Action. Soweit so gut, doch was auf dem Papier schon etwas überladen klingt, ist im fertigen Film ein Fiebertraum in Sachen Storytelling. „Batmans Rückkehr“ ist der „Spider-Man 3“ der 90er. Zu viele Figuren und zu viele Handlungsstränge, die nur selten funktionieren. Während der Film relativ solide beginnt und mit seinem Weihnachts-Setting für eine passende, kühle Atmosphäre sorgt, verliert die Handlung schnell an Stringenz und Sinn. Nicht dass ein Film über einen Fledermaus-Mann, der gegen eine Katzen-Frau und einen menschlichen Pinguin kämpft, irgendeine besondere Logik hätte. Doch viele Dinge innerhalb dieser absurden Welt ergeben einfach wenig Sinn. Zum Beispiel die Tatsache, dass der Pinguin als abstoßende Kreatur plötzlich als Kandidat für das Amt des Bürgermeisters aufgestellt wird und Leute ihn dafür feiern, obwohl er gefühlt gerade mal einen Tag da ist. Der Film ist voll von diesen seltsamen Momenten: Die Polizei in Gotham schient entweder nicht existent oder komplett inkompetent zu sein, wenn eine Frau in aller Öffentlichkeit umgebracht wird, scheint es niemanden zu jucken und generell gibt es irgendwie keine Konsequenzen in diesem Film.
Das Schlimmste ist jedoch das teils schlechte Drehbuch von Daniel Waters: Die Grundsatzregel „Show don´t tell“ schient für ihn ein Fremdwort gewesen zu sein, denn nahezu jeder Konflikt und jede Emotion wird plakativ erzählt. Da können die eigentlich tollen Darsteller*innen noch so viel machen, die Dialoge wirken steif und unnatürlich.
„Batmans Rückkehr“ hätte gut und gerne auf ein paar Dinge verzichten können, zum Beispiel auf Catwoman. Ihre Story und ihre Figur ergeben von vorne bis hinten kaum einen Sinn. Wie erhält sie ihre Kräfte? Was will sie eigentlich? Wir sehen Selina Kyle mit inneren Zweifeln und Konflikten, aber wissen nie genau, warum sie das tut, was sie tut. Also warum ist sie im Film? Ach ja, damit man eine übersexualisierte Frau in Lack und Leder über die Leinwand laufen lassen kann. Und damit sie als „heiße“ Romanze für Bruce Wayne dient. Seine Freundin, Vicky, aus dem ersten Film ist dagegen einfach nicht mehr aufzufinden und wird mit ein paar Sätzen von Bruce inhaltlich aus den Filmen weg radiert.
Und selbst Batman hat wenig Relevanz in dem Ganzen. Ja, er ist der große Held hier, aber wie in Teil 1 ist seine Präsenz eher Mittel zum Zweck. Der Hauptfokus liegt auf dem Pinguin und Burton drehte hier wieder eher einen Film über den Antagonisten, statt über den Held. Das ist eigentlich auch nicht verkehrt, aber „Batmans Rückkehr“ kann sich nie wirklich entscheiden, was es sein will. Batman ist da und macht sein Ding, doch er hinterlässt keinen bleibenden Eindruck.
Der Pinguin hingegen ist die spannendste Figur in dem filmischen Wulst. Ich hatte schon als Kind Mitleid mit ihm und auch jetzt fühle ich mehr Sympathie mit ihm als mit irgendjemand anderem im Film. Ja, als Bösewicht bringt er Leute um und ist erschreckend misogyn unterwegs, doch man merkt zu jeder Sekunde, dass diese Person eine zerstörte Seele ist, die von Geburt an Pech hatte. Hätte Burton sich nur auf diese Figur konzentriert, wäre das Endergebnis sicherlich deutlich besser geworden, da er auch thematisch gut zu Batman passt (der Fokus auf eine bestimmte Tierart als Metapher, keine Eltern etc.).
Sowohl Michael Keaton als Michelle Pfeiffer machen ihre Sache gut und Danny DeVito ist wirklich toll als Pinguin. Ansonsten sind vor allem die Nebenrollen erstaunlich schlecht und oftmals überaus trashig in ihrer Performance. Wer ordentlich lachen will, sollte sich die vielen Statist*innen in den Massenszenen anschauen.
Im visuellen Bereich kann der Film jedoch wieder viel heraus holen, auch wenn „Batmans Rückkehr“ mehr wie ein teuer produziertes Bühnenstück wirkt. Kein Wunder, da der Film eigentlich komplett auf Sound-Stages und gebauten Filmsets gedreht wurde. Und einige dieser Sets werden ein bisschen zu oft genutzt, so dass die Welt von Gotham manchmal sehr klein und beklemmend wirkt. Ansonsten bekommt man die klassische Burton-Optik geboten mit viel schwarz-weiß und einigen bunten Akzenten, die vor allem in Form der Handlanger des Pinguins auftreten.
Es gibt dieses Mal deutlich mehr Action und diese ist auch an manchen Stellen wirklich gut gemacht. Dennoch fehlt es weiterhin an wirklich eindrucksvollen Szenen, die nicht zu gestellt oder zu albern wirken. Und albern beschreibt viele Momente in diesem Film leider sehr gut…
Immerhin konnte Danny Elfman wieder abliefern: Sein Score bringt das großartige Hauptthema wieder zurück und es gibt einige neue, solide Motive für die Bösewicht*innen.
Fazit: Ich könnte noch viel mehr über „Batmans Rückkehr“ schreiben, viel mehr Gründe, warum der Film so kurios ist und für mich nicht funktioniert. Zum Beispiel die seltsam, sexualisierten Momente, die besonders Catwoman betreffen. Doch am Ende sollte man dieses wilde Werk einfach selbst sehen und danach entscheiden, ob dieser Batman einem gefällt oder nicht.
Für Warner Bros. war dieser Film jedenfalls fast das Aus, bevor Joel Schumacher das Ruder übernahm. „Batmans Rückkehr“ spaltete Fans und Zuschauer*innen und auch ich bin wirklich nicht begeistert. Während einige Dinge wirklich eindrucksvoll geworden sind (der Pinguin, die Musik), fehlt es dem Werk doch an Substanz, Logik und irgendwie auch an Optimismus. Ich weiß nicht, was mit Burton bei diesen beiden „Batman“-Teilen los war, denn eigentlich waren seine Filme in den 90ern größtenteils unterhaltsam bis großartig. Mit DCs Superhelden schien der gute Tim aber einfach überfordert. Beide Filme sind zwar schön anzusehen, aber ansonsten anstrengend, überladen und ohne viel Inhalt.