Das Fenster zum Hof
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Sebastian Schlicht7
Sebastian Schlicht7

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4,0
Veröffentlicht am 12. September 2025
Innovativer Thriller, der das Genre revolutionierte!

„Das Fenster zum Hof“ (im Original „Rear Window“) von 1954 gilt als einer von Alfred Hitchcocks besten Filmen. Seine Adaption der Kurzgeschichte („It Had to Be Murder“) von Cornell Woolrich, die 12 Jahre vorher erschien, gilt als ein Paradebeispiel des Thriller-Genres. Das Werk revolutionierte die Filmlandschaft und gilt heute als Klassiker. 2007 sah ich den unterhaltsamen Film „Disturbia“, welcher eine moderne Neuerzählung dieser Geschichte ist und seitdem wollte ich unbedingt das Original sehen. Jetzt habe ich es endlich geschafft und bin wirklich positiv überrascht!

Fotograf und Journalist Jeff liegt mit einem eingegipsten Bein in seiner Wohnung. Seine einzige Ablenkung sind die Nachbarn im Hinterhof. Jeffs Freunde halten ihn für einen simplen Spanner, bis er eines Tages etwas Merkwürdiges in der gegenüberliegenden Wohnung mit ansieht…

Der Film wurde auch schon 1998 neu verfilmt: Diesmal als TV-Film mit Christopher Reeves, der zu der Zeit durch seinen Unfall leider selbst an den Rollstuhl gefesselt war. Nun aber zum Original von 1954.

Hitchcock war ein Meister des Films, das wissen wir alle. Aber was genau machte ihn so besonders? Nun, im Falle von „Das Fenster zum Hof“ ist es das Setting und die Idee. Der ganze Film spielt praktisch nur in Jeffs Wohnung, wir sehen das, was er sieht. Dabei gibt es nahezu keine wirkliche Filmmusik, sondern wir hören nur das, was auch Jeff und seine Mitmenschen hören. Dadurch erhält dieser Film, der schon über 70 Jahre alt ist, einen überraschenden Realismus, den man aus dieser Zeit nicht gewohnt war. Auch die vielen ruhigen und stillen Momente sind etwas Besonderes, denn sie erzählen trotzdem unfassbar viel. Hitchcock konnte auch das großartig und das zeigt er hier auf beeindruckende Weise. Oftmals hören wir keine Dialoge der Nachbarn, sehen aber, dass sie mit irgendjemandem reden. Und auch ohne Text kriegen wir alles mit.

„Das Fenster zum Hof“ spielte zudem mit Themen wie Voyeurismus, die bis dato alles andere als gängig waren in Hollywood. Doch Hitchcock brachte diese brisanten Themen immer wieder in seine Filme und provozierte damit die damals extrem konservative Filmlandschaft ein ums andere Mal.

Der Film ist wirklich spannend erzählt, was nicht zuletzt an tollen Dialogen (Drehbuch John Michael Hayes) und sehr tollen Darsteller*innen liegt. Doch das Werk ist oftmals auch sehr unterhaltsam, ja sogar lustig inszeniert. Und auch ohne Blut und offensichtliche Gewalt, impliziert der Film düstere Szenarien in unseren Köpfen. Hitchcock spielt immer wieder mit den imaginären Bildern in unseren Köpfen, denn da spielen sich die grausamsten Szenen ab.

James Stewart als Protagonist Jeff spielt sehr sympathisch und auch Grace Kelly ist wundervoll. Sehr toll und modern übrigens, dass in der Geschichte die Frauen oftmals die gefährlichen und actionreichen Handlungen übernehmen, da Jeff ja an seinen Rollstuhl gefesselt ist.
Besonders eindrucksvoll ist aber vor allem das Set, in dem der gesamte Film spielt. Man ließ einen großen Hinterhof bauen, den wir als Zuschauer nie verlassen. Mehrere Wohnungen wurden gebaut, einige davon sogar richtig möbliert. Hitchcock arbeitet auch mit künstlichem Licht, um der Geschichte eine eher künstlerische und leicht überzogene Note zu geben, was ich persönlich wundervoll finde. Die Kameraarbeit ist ebenfalls sehr stark. Kameramann Robert Burks arbeitete hiernach viel mit Hitchcock zusammen und erhielt später sogar für „Über den Dächern von Nizza“ einen Oscar, während er hier „nur“ eine Nominierung erhielt.

Am Ende gibt es nur ein paar Dinge, die mich nicht ganz so überzeugt haben. So gibt es gerade am Ende mehrere aussichtslose Momente, in denen Figuren mit viel Glück gerettet werden, was dem Film etwas Glaubwürdigkeit nimmt. Da finde ich sogar, dass das „Remake“ „Disturbia“ von 2007 einige dieser Klischees ganz gut abgeändert hat.

Der Film wurde übrigens 1984 nochmals nach synchronisiert, da die Original-Tonspur als verschollen gilt. Sehr schade, denn Stewarts Sprecher (Siegmar Schneider) klingt in der neuen Fassung etwas zu alt, was er sicherlich auch war...

Fazit: Nichtsdestotrotz ist „Das Fenster zum Hof“ ein sehr unterhaltsamer und bahnbrechender Thriller von Hitchcock, der hiernach einige seiner größten Filme drehte. Ein spannender und sehr kreativer Genre-Film, der auch heute noch extrem unterhält.
Lutz Teßmer
Lutz Teßmer

1 Kritiken User folgen

5,0
Veröffentlicht am 12. Oktober 2024
Wer den Film nicht mag, mag sicherlich vieles andere auch nicht... Ich sah ihn das erste Mal in der Mitte der 80er als Neu-Erstaufführung in Marburg im Kino. Man (ich) ist als Begleiter, als Mit-Voyeur, dabei. Phantasiebegabung des Zuschauers ist hilfreich. Der Rest entwickelt sich. Alle Schauspieler, "Larryyyy?", perfekt besetzt.
Herbarium 1991
Herbarium 1991

3 Kritiken User folgen

1,5
Veröffentlicht am 7. Januar 2024
Warum diese cineastische Einöde dermaßen viele begeisterte Anhänger findet, wird mir ein ewiges Rätsel bleiben.
Das Einzige, das den Blutdruck in die Höhe treibt, ist die extrem sexy wirkende Grace Kelly - was an diesem trögen Ort allerdings völlig fehl am Platz wirkt. Und was zudem keinerlei erotisierende Wirkung auf den in jeder Hinsicht lahmen James Stewart ausübt. Man fragt sich die ganze Zeit, warum er überhaupt mit ihr zusammen bleibt - oder was sie an diesem emotionalen Kühlschrank findet. Ironischerweise zeigt er ihr gegenüber zum ersten- und einzigen Mal - liebevolle Gefühle, nachdem er aus einem Fenster auf den Innenhof gestürzt ist. Statt nun tot oder wenigstens schwer verletzt zu sein, wirkt Stewart, dessen Kopf inzwischen im Schoß von Grace Kelly liegt, wie befreit. Gut gelaunt lächelt er nach dem brutalen Aufprall seine Verlobte an, die er nun zum ersten Mal richtig zu bemerken scheint. Geht es noch weniger glaubwürdig?
Zudem ist Vieles komplett realitätsfern: Wenn wirklich so ein aufdringlicher Spanner von gegenüber hereingaffte, würde Jeder nach ein paar Sekunden die Vorhänge oder Rollos zureißen. Witzig, dass der Hauptdarsteller nach Wochen des permanenten Hinüberstarrens seine Freundin anzischt: "Licht aus, er hat uns gesehen!" Die Szenerie wirkt von Anfang an komplett künstlich und gestellt. Dazu gesellt sich eine nervige Hintergrund-Musik, was dem Elend den letzten Schliff gibt.
Im Theater könnte der Plot durchaus funktionieren, als Film ist er eine Qual. Schon nach kürzester Zeit fühlt man sich als Zuschauer in unangenehmer Weise eingesperrt.
Als Einschlafhilfe könnte man dieses behäbige Kammer-/ Jammerspiel allerdings dringend empfehlen. Sollte dies nicht geklappt haben, kann man am Schluss nur dankbar mit Thelma Ritter stöhnen: "Gott sei Dank, es ist vorbei!"
crasso
crasso

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2,5
Veröffentlicht am 27. März 2023
Spannender Film?
spoiler: SPOILER: Der vermutete Mörder ist am Ende auch der Mörder. Wo ist da bitte die Spannung? Weder die Leiche, noch was der Hund gefunden hat wird gezeigt. Lahm. Punkte gibts für die Szenerio und die Nebendarsteller.
Kino:
Anonymer User
5,0
Veröffentlicht am 13. Juni 2022
In diesem Film macht Hitchcock seinem Namen als "Master Of Suspense" alle Ehre. Die Geschichte wird hauptsächlich durch die Bilder erzählt und weniger durch überflüssige Dialoge, auch wenn diese bei Hitchcock auch immer sehr intelligent und pointiert gesetzt werden. James Stewart und Grace Kelly sind hervorragend in ihren Rollen, die Kameraarbeit exzellent und die Spannung sehr intensiv. Ein Flm, den man sich immer wieder anschauen kann.
FILMGENUSS
FILMGENUSS

998 Follower 942 Kritiken User folgen

4,5
Veröffentlicht am 22. April 2022
DIE WIEGE DER SUSPENSE
von Michael Grünwald / filmgenuss.com

Alfred Hitchcock wäre stockbesoffen, würde er jedes Mal, wenn ein Film wieder mal Anleihen an seinen Klassiker nimmt, ein Schnapsglas leeren. Wie würde die Welt des Kinos aussehen, hätte es Das Fenster zum Hof, oder, im Original: Rear Window, nie gegeben? Deutlich ärmer, würde ich meinen. Zumindest ein Genre müsste sich mühsam dazu aufraffen, das Spannungsrad neu zu erfinden, während in diesem Universum der feiste Onkel mit dem Doppelkinn und dem Hang zum Cameo-Auftritt seinen Regie-Erben bereits jede Menge Perlen vor die Füße geworfen hat. Die Filmwelt dankt und ereifert sich dabei bis heute, psychisch labile oder viel zu neugierige Normalbürgerinnen und -bürger aus regennassen Fenstern blicken und Dinge beobachten zu lassen, die sie nicht sehen dürften. Denn zu viel Neugier verträgt sich nicht mit der Gesundheit, und wer überdies zu lange in den Abgrund stiert…. alles klar.

Dabei ist dieser James Stewart, der am Fenster sitzt und den ihm zu Füßen liegenden Hof als seine dauerlaufende Flimmerkiste betrachten mag, in keiner Weise psychisch labil. Der Hollywood-Gutmensch ist sogar ziemlich aufgeräumt und selbstbewusst, obwohl er im Rollstuhl sitzt und den ganzen Tag lang nicht viel anderes tun kann als durch das Objektiv seiner Kamera zu blicken und auf den Besuch seiner Geliebten Grace Kelly zu warten. Jawoll – Grace Kelly wirkt hier mit, die leider viel zu früh verstorbene und auch viel zu früh von den Leinwänden verschwundene Schönheit, von der Hitchcock sowieso allnächtlich geträumt haben muss. Das war so ein Faible mit diesen seinen „Blondinen“, über die der König der Suspense nur allzu gerne seinen Zepter erhoben hat.

Auf diese „Blondinen“ war aber Verlass. Egal ob Die Vögel, Vertigo oder Bei Anruf Mord: stets waren sie das ringende Zentrum oder ergiebiger Nebenpart, der den mitunter bedrohlichen Geschichten ausreichend Glamour verliehen hat. In Das Fenster zum Hof sind aber weder Grace Kelly noch James Stewart die Motivatoren einer beängstigenden Story, sondern die vielen kleinen Kniffe eines Professionisten, der weiß, auf welche Art und Weise sich das Kino im Kopf des Zusehers fortsetzen kann.

Die Präsentation des Offensichtlichen ist zumindest gegenwärtig und bei Produktionen, die im Box Office brillieren müssen, gang und gäbe. Das Publikum bekommt kredenzt, ohne sich weiter anstrengen zu müssen. Bei Suspense ist das anders: da gibt es kleine Pusher, visuelle Spitzen, raffinierte Reduktion. Der Zuseher ist voll dabei – weiß nur so viel wie James Stewart, rätselt herum – und fühlt ein dem kalten Schauer verwandtes Unbehagen, wenn in der dunklen Wohnung gegenüber ganz plötzlich ein knisternder, feuerroter Punkt erglüht. Das Anzünden einer Zigarette in der absoluten Finsternis, von welcher man ausgegangen ist, niemanden darin zu vermuten, feiert einen ganzen Film und seine Perfektion. Der einzige Blick nach draußen ist natürlich jener in den Hof und auf das Treiben der Parteien gegenüber, deren Leben bis ins kleinste Detail arrangiert sind – aber auch ein schmaler Streifen belebte Avenue, auf welcher sich abspielt, was Hitchcock will, das gesehen wird, in sekundenlangen Fluktuationen nur, aber maßgeblich für die Handlung. Wenn dann, gegen Ende, bedrohliche Schritte durchs Stiegenhaus schlurfen, würde James Stewart – und wir mit ihm – viel lieber aus dem Fenster springen, als sich einer diffusen Bedrohung auszusetzen, die sich sekündlich zuspitzt, und nur allein aufgrund eines akkuraten Sound-Designs stärker wirkt als all die CGI-Effekte eines ganzen Blockbusters.

Wer Das Fenster zum Hof noch nicht gesehen hat – unbedingt nachholen! In diesem Meisterwerk liegen all die lehrreichen Essenzen für einen vollkommenen Film.
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kaffeejunkie84
kaffeejunkie84

4 Follower 36 Kritiken User folgen

5,0
Veröffentlicht am 18. Juni 2018
Darf man zwei Lieblingsfilme von Hitchcock haben ?
Dann nenne ich "Rear Window" neben "Vertigo".
Wenn Grace Kelly als Lisa Fremont "Vorschau auf kommende Attraktionen" verspricht, weiß ich auch nicht mehr weiter.
Der arme James Stewart im Rollstuhl, was soll er da machen...
Suspense, Farbfotografie, erstklassige Schauspieler ( u.a. Thelma Ritter als Pflegerin ), da kann man doch gar nicht meckern.

Das waren noch Zeiten, als ein Film eher durch das wirkte, was man nicht sah, sondern sich höchstens vorstellen konnte
( aber nicht wollte ). Heute muss ja leider literweise Blut fließen...
Thomas Z.
Thomas Z.

139 Follower 653 Kritiken User folgen

2,0
Veröffentlicht am 28. Mai 2018
Unsäglich zäher Klassiker, dessen Belanglosigkeiten mich zu keinem Zeitpunkt interessieren, geschweige denn fesseln konnten.
Cursha
Cursha

7.500 Follower 1.067 Kritiken User folgen

5,0
Veröffentlicht am 15. Juni 2017
"Das Fenster zum Hof" ist mein persönlicher Lieblingsfilm von Hitchcock, was zum großen Teil wohl an der wahnsinnigen Atmosphäre liegt und der Spannung, die der Film über seine gesamte Laufzeit aufbaut. James Stewart und Grace Kelly harmonieren super zusammen und es ist das ewige unwissen ob er es den nun war oder nicht, die dieses Kammerspiel super spannend machen. Zudem zeigt der Film auch auf, wie sehr man doch in unserer Gesellschaft auf den anderen achtet und wie blind wir doch durchs Leben gehen.
Kino:
Anonymer User
4,5
Veröffentlicht am 25. März 2011
Bevor ich hier einigen Film-Fans die Laune verderbe: Meine Kritik ist zwiegespalten; einerseits sollte man sich auf das Handwerk Hitchcocks einlassen, andererseits vom heutigen Standpunkt betrachten! Zum ersten Punkt: Ich brauche hier wohl niemandem die Genialität und den prägenden Einfluss des Regisseurs auf die Nachwelt zu erklären. Hitchcock war ein Meister - unglaublich präzise, detailliert und fachlich begabt! "Das Fenster zum Hof" weist seine typische Handschrift auf; es wird sehr viel Zeit auf die Einführung und Beschreibung der Protagonisten verwendet - ähnlich wie in "Die Vögel". Das mag für Film-Enthusiasten reizvoll sein, aber für Nichtkenner der Hitchcock`schen Herangehensweise auch ziemlich herausfordernd (und das ist noch positiv umschrieben). Zum zweiten Kritikpunkt: Aus heutiger Sicht ist die Thematik schlicht und ergreifend eingestaubt - was damals evtl. als brisante moralische Ausgangssituation galt, nämlich "darf ich jemanden nachspionieren oder widerspricht dies der sittlichen Grundhaltung", spielt heutzutage eine untergeordnete Rolle. Was ich sagen will: Dieser Film ist für Newcomer des hitchcock'schen Suspense eher weniger zu empfehlen, wohl mehr für "Fortgeschrittene"! Gerade der Showdown ist aus aktueller Betrachtung - na ja - unfreiwillig komisch. Dennoch: Wer sich selbst als Filmkenner und -fan bezeichnet, sollte "Das Fenster zum Hof" keinesfalls missen!
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