Drei denkbar unterschiedlich agierende Generationen einer texanischen Rancher-Familie, ihre gute Seele von Haushälterin und der Teufelskreis aus Erziehungsfehlern, Schuldzuweisungen, Alkohol und Selbstsucht: „Der Wildeste unter Tausend“ nimmt Motive des Westernkinos und vermengt sie mit einem erschütternden Gegenwarts- und Sittenporträt.
Dafür regnete es sieben Academy-Award-Nominierungen, in drei Kategorien sprang für den Neo-Western sogar ein Oscar heraus. Dennoch wird mittlerweile viel zu selten über dieses raue, konfliktbeladene Drama gesprochen. Auf dass sich dies nun ändert: Heute, am 3. Februar 2025, läuft „Der Wildeste unter Tausend“ ab 22.05 Uhr bei arte, zudem könnt ihr den Film in der arte-Mediathek schauen oder via Amazon Prime Video als VOD beziehen.
"Der Wildeste unter Tausend" weiß nicht, was er tut...
Texas in den 1960ern: Hud Bannon (Paul Newman) ist ein hedonistischer Rebell, wie er im Buche steht – und das krasse Gegenteil seines angesehenen, prinzipientreuen Vaters, dem Rinderzüchter Homer Bannon (Melvyn Douglas). Dass Hud sein Geld für Frauen, Alkohol und Autos verfeuert, kann Homer beim besten Willen nicht verstehen, ist Huds älterer Bruder doch bei einem Autounfall gestorben.
Genau dieser Unfall ist es aber, der Hud erst so richtig in die Vergnügungssucht gestürzt hat. Nun versucht Homer, mittels strenger Gutmütigkeit wenigstens seinen Enkel Lonnie (Brandon De Wilde) zu einem verantwortungsvollen Menschen voller Bescheidenheit zu erziehen. Genau diesen Plan vereitelt Hud jedoch mit seinem gefährlichen Charisma. Und eines Tages stürzt Hud dadurch, dass er keinerlei Nein akzeptiert, die gesamte Familie inklusive der treuen Haushälterin Alma (Patricia Neal) ins Elend...
Ein Vorbote des New Hollywoods
Eine Nominierung in der Kategorie Bester Film ließ die Academy Of Motion Picture Arts & Sciences 1964 nicht für „Der Wildeste unter Tausend“ springen. Möglicherweise, weil Hollywood noch nicht ganz dazu bereit war, derart ungeschönte, kantige Filme über die US-Gegenwart so intensiv hochleben zu lassen:
Bis die New-Hollywood-Strömung an Kraft gewinnen und sogar bei den Oscars furios mitmischen sollte, dauerte es noch ein paar Jahre. Doch „Der Wildeste unter Tausend“ war bereits eine Art New-Hollywood-Vorbote: Ein in der Western-Tradition verwurzelter Gegenwartsfilm über Prinzipienlosigkeit, verführerisch-verhängnisvolle Ausstrahlung und beklemmende Niedertracht.
Es ist daher auch filmhistorisch spannend, wie „Die schwarze Orchidee“-Regisseur Martin Ritt im Laufe des Films mit seinem Stil bricht: Der Neo-Western beginnt mit einer recht gediegenen und geordneten Bildsprache. Doch sobald Hud vom vergnügungssüchtigen Rebellen ohne jegliche Not zum abscheulichen Gewalttäter wird, bricht eine wilde, ungezügelte und drastisch-moderne Ästhetik herein, durch die diese Sequenz noch stärker unter die Haut geht.
Kameramann James Wong Howe dürfte allein schon für diese Passage den Oscar in der Kategorie Beste Schwarz-Weiß-Kamera gewonnen haben, ebenso wie die famose, eindringliche Hauptdarstellerin Patricia Neal. Der dritte Oscar für diesen Film ging an Nebendarsteller Douglas, weitere Nominierungen gab es für Ritts Regieführung, Newmans Performance als Hauptdarsteller sowie für das Drehbuch und das Setdesign.
Newman sollte „Der Wildeste unter Tausend“ übrigens noch verfolgen: Er sah Hud unmissverständlich als Schurken. Als Newman herausfand, dass das Filmplakat jahrelang Einzug in zahlreiche Jugendzimmer fand und viele Heranwachsende Hud als Vorbild betrachteten, soll die Schauspielgröße sprachlos gewesen sein.
Ganz und gar nicht sprachlos ist derweil Quentin Tarantino beim Gedanken an einen anderen Paul-Newman-Klassiker. Um welchen Film es sich handelt und weshalb der Kultregisseur so drastisch über ihn denkt, erfahrt ihr im folgenden Artikel:
"Ich würde mir lieber den Finger absägen": Diesen PS-starken Klassiker will Quentin Tarantino niemals wiedersehen*Bei den Links zum Angebot von Amazon handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diese Links oder beim Abschluss eines Abos erhalten wir eine Provision. Auf den Preis hat das keinerlei Auswirkung.