Tarantinos Western-Geheimtipp feiert Heimkino-Rückkehr: So habt ihr Action-Legende Charles Bronson noch nie gesehen
Sidney Schering
Sidney Schering
-Freier Autor und Kritiker
Er findet Streaming zwar praktisch, eine echte Sammlung kann es für ihn aber nicht ersetzen: Was im eigenen Regal steht, ist sicher vor Internet-Blackouts, auslaufenden Lizenzverträgen und nachträglichen Schnitten.

Es ist ein Film wie eine kleine, freche Kampfansage an Charles-Bronson-Fans: Quentin Tarantino empfiehlt „Zwischen Zwölf und Drei“ – und jetzt ist der außergewöhnliche Western endlich wieder auf Blu-ray erhältlich!

Pidax

Obwohl Charles Bronson mit grimmigen und teils überaus blutigen Actionthrillern dem Selbstjustiz-Kino kräftig seinen Stempel aufgedrückt hat: Der Schauspielstar sollte keinesfalls auf dieses Genre reduziert werden. Schließlich spielte er zudem in einigen Western mit, darunter in den Klassikern „Spiel mir das Lied vom Tod“ und „Die glorreichen Sieben“.

Ein weiterer Western bricht sogar gehörig mit Bronsons Image und zeigt ihn als abergläubischen Feigling – der es trotzdem versteht, auf dicke Hose zu machen. Jetzt ist die oft übersehene Western-Komödie ins Heimkino zurückgekehrt: Diese Woche hat „Zwischen Zwölf und Drei“ eine Blu-ray-Neuauflage erhalten!

Damit bietet das Label Pidax Film allen Bronson- und Western-Fans eine lang erwartete Alternative zur HD-Erstauflage von „Zwischen Zwölf und Drei“. Die erschien 2012 und ist seit Jahren bloß noch gebraucht erhältlich. Filmfans, die sich nicht für Haptik erwärmen können, sind übrigens nicht vom Western-Spaß ausgeschlossen: „Zwischen Zwölf und Drei“ ist auf mehreren Plattformen als VOD verfügbar, darunter Amazon Prime Video*.

Darum geht es in "Zwischen Zwölf und Drei"

Der schlitzohrige und abergläubische Bandit Graham Dorsey (Charles Bronson) ist beunruhigt! Mehrere böse Vorzeichen und ein übler Albtraum geben ihm praktisch Gewissheit, dass der nächste Coup seiner Bande zur ungeheuerlichen Schlappe wird. Also verkriecht er sich auf der Starbuck-Ranch, wo die betörende, misstrauische Witwe Amanda (Jill Ireland) residiert.

Es dauert Sekundenbruchteile, bis Graham ein neues Ziel hat: Er will unbedingt mit Amanda schlafen! Um das Vertrauen der resoluten Grazie zu gewinnen, gibt er sich als ebenso ehrenwerter wie impotenter Gentleman aus. Es sollte nicht Grahams letzte Lüge bleiben: Als seine Gang tatsächlich den geplanten Raubzug verhaut, fürchtet sich Graham vor den Konsequenzen und täuscht seinen Tod vor...

Ein Paar zwischen Gewohnheit und Neuland

Ein Stück Familiarität hat sich Bronson in diesem für ihn atypischen Film bewahrt: Seine Szenenpartnerin Jill Ireland war seine Ehefrau, mit der er zuvor bereits ein Dutzend Filme gedreht hat – und nach der Western-Komödie sollten fünf weitere Produktionen folgen!

Üblicherweise bevorzugten Ireland und Bronson es, sich mit wenig Vorbereitung in ihre gemeinsamen Filme zu stürzen. Doch Regisseur und Drehbuchautor Frank D. Gilroy (Vater des „Andor“-Machers Tony Gilroy) bestand darauf, diese Western-Skurrilität auf ausführlichen Proben fußen zu lassen. Das macht sich bemerkbar:

Der Film bürstet das Ehepaar und Schauspieldoppel nicht nur bezüglich der Rollenwahl gegen den Strich, es fühlt sich auch darstellerisch wie ausgewechselt an. Das ist eine unerwartete Abwechslung vom Bronson-Filmalltag und stärkt den thematischen roten Faden des Films: Die mitunter eklatante Differenz zwischen Legende und Wirklichkeit!

Eine charmante Provokation: Tarantino gefällt das!

Nein, ein zweiter „Der Mann, der Liberty Valance erschoss“ ist aus „Zwischen Zwölf und Drei“ den thematischen Parallelen zum Trotz nicht geworden. Und als Bronsons Image verschaukelnde Western-Farce dürfte Gilroys Parodie mitunter einen Zahn zulegen. Allerdings hat der Film schräge, augenzwinkernde und satirisch-abgeschmackte Einfälle zu bieten, sowie ein denkwürdiges Zusammenspiel zwischen den Eheleuten Bronson und Ireland.

In einer hin- und hergerissenen Review heißt es bei DVD Talk daher, der Film „ähnelt eher 'Barbarella' als 'El Dorado'“, da er „sich quasi über den typischen [Genre]-Stil lustig macht, aber gleichzeitig an ihm klammert, als wäre er ein Rettungsboot“. Weniger ambivalent steht Quentin Tarantino dem Film gegenüber:

Im Pure Cinema Podcast lobte er „Zwischen Zwölf und Drei“ als gelungene „Verarsche“ schmierig-kitschiger Groschenromane mit Western-Setting. Weiter begrüßte Tarantino, dass sich der Film über die Erwartungen von Bronsons Kernpublikum hinwegsetzt, und feierte ihn als „charmante“ Gelegenheit, um Ireland zur besten Rolle ihrer Karriere zu verhelfen.

Western-Fans bekommen übrigens, allen Provokationen zum Trotz, typisch-verlässliche Leistungen zwei weiterer Genregrößen geboten: Die Musik stammt vom gefeierten „Die glorreichen Sieben“-Komponisten Elmer Bernstein, der sogar einen Gastauftritt absolviert. Die Kamera führte indes Lucien Ballard, der an zahlreichen Western mitwirkte – darunter an „Sacramento“, „Die fünf Geächteten“, „Der Marshal“ und „The Wild Bunch“. Und somit auch an einer Action-Granate, die kürzlich in einer stattlichen Heimkino-Edition erschienen ist:

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