"Du bist ein Feigling": Quentin Tarantino rechnet gnadenlos mit Sylvester Stallone und "Rambo" ab
Sebastian Groß
Sebastian Groß
-Freier Autor
Manchmal fühlt er sich alt, weil er damals „The Big Lebowski“ oder „Matrix“ zum Kinostart gesehen hat. Andererseits konnte er damals „The Big Lebowski“ und „Matrix“ zum Kinostart sehen. Zum Glück behält er das für sich, außer jemand fragt ihn. Jetzt fragt ihn halt endlich.

Quentin Tarantino kritisiert eine der größten Entscheidungen von Sylvester Stallone und stellt klar, wie er es gemacht hätte. Dabei geht es um eine drastische Änderung der Vorlage – und um eine kreative Entscheidung, die ein Franchise beeinflusste.

Einige wissen es vielleicht nicht, aber Actionheld John Rambo basiert auf einem Roman. David Morrells „First Blood“ von 1972 diente als Vorlage für Sylvester Stallones legendäre Filmreihe – allerdings mit entscheidenden Änderungen. Einer, der sich bestens mit dem Original auskennt, ist Kultregisseur Quentin Tarantino. Und er hat eine klare Meinung dazu: Hätte er den Stoff verfilmt, wäre sein Film deutlich näher an der Buchvorlage geblieben.

„Wenn ich einfach nur einen guten Film machen wollte, von dem ich sicher wüsste, dass er funktioniert, dann würde ich David Morrells Roman zu ‚First Blood‘ nehmen und genau das Buch verfilmen“, erklärte Tarantino in einem Interview mit MovieWeb. „Nicht den Film, der daraus gemacht wurde. Ich würde den Roman verfilmen. Und Kurt Russell würde den Sheriff spielen, Adam Driver wäre Rambo.“

Besonders die Dialoge faszinieren den „Inglourious Basterds“-Macher. „Jedes Mal, wenn ich es lese, ist der Dialog so fantastisch, dass man ihn laut mitsprechen muss.“ Doch mittlerweile sei es für ihn zu spät, sich dem Stoff anzunehmen: „Jetzt will ich mehr als das. Aber wenn es nur darum ginge, einen guten Film zu machen – der ist da draußen.“

Tarantino vs. Stallone: Hätte Rambo sterben müssen?

Ein fundamentaler Unterschied zwischen Roman und Film ist Rambos Schicksal. In Morrells Buch stirbt er am Ende. In der Verfilmung überlebt er. Eine bewusste Entscheidung, wie Stallone in einem Interview mit Maclean’s erklärte:

„Im Buch wird Rambo getötet. Ich fand, das wäre nicht die richtige Botschaft gewesen. Es hatte damals fast 200.000 Suizide unter zurückkehrenden Vietnam-Veteranen gegeben. Ich sagte: ‚Warum bringen wir ihn nicht bis an den Rand, ohne ihn zu vernichten?‘“

Tarantino sah das völlig anders – und ließ Stallone das auch wissen. Der Rambo-Star erinnerte sich im Gespräch mit Collider: „Quentin Tarantino sagte: ‚Du bist ein Feigling, du hättest ihn töten sollen!‘ Ich sagte: ‚Quentin, du bist ein Wahnsinniger. Ich will noch ein paar Fortsetzungen machen, Bruder.‘“

Tatsächlich gab Stallone später zu, dass ein endgültiges Ende für Rambo aus künstlerischer Sicht wohl konsequenter gewesen wäre. Doch ihn reizte eine andere Geschichte – die eines Mannes, der eine zweite Chance bekommt. Mehr zum Originalende (inklusive Video) erfahrt ihr hier:

So anders sah das Originalende des ersten "Rambo" aus: Sylvester Stallone teilt Video

Und diese zweite Chance nutzte Rambo mehrfach. Zwischen 1982 und 2019 entstanden fünf Filme. Während Teil eins noch stark auf Drama setzte, rückte die Action in den Fortsetzungen immer stärker in den Vordergrund.

Der Body Count stieg rasant, die Gewalt eskalierte. Besonders „John Rambo“ (2008) ging weit über das hinaus, was die Reihe zuvor gezeigt hatte (weshalb Stallone ihn für seinen besten Film hält). Die ungeschnittene Fassung landete prompt auf dem Index und durfte erst 2023 mit FSK-18-Freigabe wieder offiziell verkauft werden. Mittlerweile gibt es auch den Extended Cut.

Ob Tarantino und Stallone nach ihrer Meinungsverschiedenheit böses Blut gegeneinander hegten? Wohl kaum. Beide sind Profis – und Filmfanatiker durch und durch. Gerade Tarantino spricht leidenschaftlich über Filme, sei es über absolute Klassiker oder über einen der großen (angeblichen) Schundfilme der 90er-Jahre. Mehr dazu in diesem FILMSTARTS-Artikel:

"Verdammt großartig": Quentin Tarantino feiert diesen Mega-Flop – obwohl er lange als einer der schlechtesten Filme aller Zeiten galt!

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