Heute Abend streamen: Ein Fest des französischen Kinos – dieser Film ist eine cineastische Schatztruhe, die sich bei jeder Sichtung weiter öffnet!
Florian Tritsch
Florian Tritsch
-Freier Autor
Florian ist seit frühester Kindheit von allem begeistert, was auf der großen Leinwand im Lichtspielhaus zum Leben erwacht.

Ein Mord. Acht Verdächtige. Und ein namhaftes Ensemble, das vor Spielfreude explodiert: François Ozons „8 Frauen“ ist eine glanzvolle Hommage an das klassische Krimikino – mit Musicalnummern, großem Drama und viel Eleganz. Heute Abend streamen!

Manchmal genügt ein einziges Geräusch, um die perfekte Ausgangssituation für einen ganzen Film zu schaffen. Zum Beispiel das Krachen eines Gewehrs in Disneys „Bambi“, das Zerbrechen einer Schneekugel begleitet von einem geflüsterten „Rosebud…“ in „Citizen Kane“ oder eben der schrille Schrei eines Zimmermädchens in „8 Frauen“, nachdem sie den ermordeten Hausherrn gefunden hat. Das Telefonkabel ist durchtrennt, das Tor vereist. Die Welt außerhalb der luxuriösen Villa unerreichbar. Und eingeschlossen in der Luxusvilla finden sich acht Frauen wieder, die unterschiedlicher nicht sein könnten – und die sich plötzlich nicht mehr trauen. Falls sie es überhaupt je taten.

Euer Interesse ist geweckt? Dann könnt ihr euch „8 Frauen“ auf La Cinetek und MUBI ansehen. Alternativ findet ihr den Film auch bei Paramount+* oder über die gleichnamigen Prime-Video-Channels sowie ARTHAUS+ bei Amazon Prime Video:

Frankreich irgendwann in den 1950er Jahren: Kurz vor Weihnachten kehrt die in England studierende Suzon (Virginie Ledoyen) in ihr Elternhaus zurück. In der abgelegenen Villa leben ihre Mutter Gaby (Catherine Deneuve), ihre kleine Schwester Catherine (Ludivine Sagnier), ihre Großmutter Mamy (Danielle Darrieux), ihre Tante Augustine (Isabelle Huppert), die beiden Dienstmädchen Chanel (Firmine Richard) und Louise (Emmanuelle Béart) und natürlich ihr Vater (Dominique Lamure).

Doch kurz nach ihrer Ankunft muss sie feststellen, dass jemand ihren Vater ermordet hat. Wenig später taucht auch ihre Tante Pierrette (Fanny Ardant) auf. Bald wird den acht Damen klar, dass nur eine von ihnen die Mörderin sein kann. Während sie einander beschuldigen, kommen Geheimnisse ans Licht …

Ein Bühnenstück auf Zelluloid – und was für eins!

„8 Frauen“ basiert auf dem Theaterstück „Huit Femmes“ von Robert Thomas. Regisseur François Ozon, der schon mit Filmen wie „Unter dem Sand“ oder „Sommer 85“ bewiesen hat, dass er das Spiel mit Genre und Form perfekt beherrscht, hat die Vorlage mit maximalem Stilwillen ins Kinoformat transformiert – und dabei etwas wahrhaft Einzigartiges geschaffen: einen Krimi, der es wagt, Musical, Satire, Familiendrama und Hommage in einem zu sein.

Inmitten opulenter Kulissen und pastellfarbener Kostüme entwickeln sich nicht nur Intrigen, sondern auch echte Charakterbögen. Jede der acht Frauen bekommt ihren Moment im Rampenlicht – im wahrsten Sinne des Wortes. Denn Ozon gönnt ihnen allen einen eigenen musikalischen Auftritt, der mehr über sie verrät als jedes Verhör.

Was zunächst irritieren mag, entwickelt sich schnell zum emotionalen Herzstück des Films: Die Songs sind keine Fremdkörper, kein Mittel zum Zweck, sondern pointierte Miniaturen über Sehnsucht und Enttäuschung. Sie geben der Komödie Tiefe – und machen sie zu einem psychologischen Kammerspiel mit Ohrwurmgarantie.

Stars, Stil und Subtext

Die Besetzung ist einfach umwerfend. Man kann diesen Film nicht sehen, ohne sich an der Grandezza seiner Darstellerinnen zu berauschen. Catherine Deneuve verkörpert mit müheloser Eleganz die gesellschaftlich versierte, aber innerlich zerbrechliche Mutter. Isabelle Huppert stiehlt als nervlich zerrissene, ständig beleidigte Augustine in fast jeder Szene die Show.

Emmanuelle Béart bringt eine gefährlich stille Erotik ins Spiel, während Fanny Ardant mit Nonchalance und Zigarettenspitze die Szenerie aufmischt. Dazu gesellt sich die damals bereits 85-jährige Filmlegende Danielle Darrieux in der Rolle einer herrlich zynischen Matriarchin – ein lebendiges Bindeglied zu den goldenen Zeiten des französischen Kinos.

Und genau diese Ära beschwört Ozon auch formal herauf: Die Kameraarbeit, die Farbpalette, die Raumaufteilung – alles erinnert an das Kino vergangener Zeiten. Es gibt unzählige Zitate zu entdecken, filmische wie literarische. „8 Frauen“ ist eine cineastische Schatztruhe, die sich bei jeder Sichtung weiter öffnet.

8 Frauen
8 Frauen
Starttermin 11. Juli 2002 | 1 Std. 51 Min.
Von François Ozon
Mit Catherine Deneuve, Isabelle Huppert, Emmanuelle Béart
Pressekritiken
3,7
User-Wertung
3,5
Filmstarts
4,5

François Ozon hat mit „8 Frauen“ nicht weniger als ein kleines Meisterwerk geschaffen: ein stilistisch brillantes, inhaltlich vielschichtiges und darstellerisch fulminantes Krimi-Musical, das mit leichter Hand über Themen wie Schuld, Liebe und Selbstbestimmung verhandelt.

Wer sich für französisches Kino begeistern kann, für gute Dialoge, starke Frauenfiguren und atmosphärisch dichte Inszenierungen, kommt hier voll auf seine Kosten. Und wer den Film noch nie gesehen hat: Jetzt ist die perfekte Gelegenheit. „8 Frauen“ bietet alles, was man für einen unvergesslichen Filmabend braucht.

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