2024 sorgte Blake Lively mit „Nur noch ein einziges Mal“ für klingelnde Kassen – und für Kopfschütteln. Denn auch wenn die Bestseller-Adaption ihre Fans hat, erntet sie Kritik für ihren Umgang mit häuslicher Gewalt. Auch FILMSTARTS-Kritikerin Helena Berg urteilt, dass der Film „betroffenen Frauen im Gegenteil sogar eher einen Bärendienst erweist“. Allerdings lässt sich Lively ganz leicht in einem Film erleben, der auf völlig andere Weise von Finsternis hinter einer Heile-Welt-Fassade erzählt:
Weg mit ungewollt-romantisierendem Pathos! Her mit einer ebenso scharfen wie quirligen Satire, die sich genüsslich durch die Konventionen von heuchlerischen Betroffenheits-Thrillern beißt: Heute, am 3. Mai 2025, könnt ihr die Thrillersatire „Nur ein kleiner Gefallen“ ab 20.15 Uhr bei ProSieben schauen! Alternativ lässt sie sich bei Netflix abrufen, während ihre nigelnagelneue Fortsetzung „Nur noch ein kleiner Gefallen“ bei Amazon Prime Video im Abo enthalten ist.
"Nur ein kleiner Gefallen": Raffiniert-elegant, komödiantisch-doppelbödig
Die alleinerziehende Witwe und Vloggerin Stephanie Smothers (Anna Kendrick) lebt zwar in einem farbenfrohen Haus und hat auch ein durchaus quirliges Auftreten, dennoch wird sie als graues Mäuschen und piefige Hausfrau wahrgenommen. Entsprechend überwältig ist sie, als sie die extravagante Mode-PR-Chefin Emily Nelson (Blake Lively) kennenlernt, die eine vulgär-freche Art mit einem superstylischen Auftreten vereint.
Über ihre Kinder werden Stephanie und Emily zu Freundinnen – doch dann verschwindet Emily spurlos! Stephanie kann nicht anders, als nach Emily zu suchen. Doch währenddessen wirft sie ein Auge auf Emilys Partner, den Schriftsteller Sean Townsend (Henry Golding). Droht ein folgenschwerer Interessenskonflikt oder wird Stephanie weiter ehrlich-emsig nach Emilys Verbleib forschen?!
Eingangs scheint „Nur ein kleiner Gefallen“ ein stringenter Thriller über Lügengebilde und finstere Geheimnisse zu sein, die nur behelfsmäßig verborgen werden. Bloß der quirlig-putzige Wortwitz Kendricks und das geschliffen-forsche Verbalfeuer Livelys deuten schon früh an, dass in „Nur ein kleiner Gefallen“ noch mehr lauert. Doch Stück für Stück enthüllen die beiden Hauptdarstellerinnen, Regisseur Paul Feig und Drehbuchautorin Jessica Sharzer, dass sie es faustdick hinter den Ohren haben:
Sukzessive verwandelt sich „Nur ein kleiner Gefallen“ in einen genüsslich-haarsträubenden Satire-Thriller, der sich mit feisten Übertreibungen, schwindelerregenden Twists und immer dreisteren Geheimnissen innerhalb von Geheimnissen durch Genre-Standards schlitzt. Kein Charakterzug bleibt übrig, der nicht auf links gedreht, auf den Kopf gestellt und wild durchgerüttelt wurde. Keine Motivation, die nicht mehrmals umgekrempelt wird. Kaum eine Beziehung, die sich selbst treu bleibt:
Es geht immer noch wilder – und wenn nicht gerade trügerische Selbstdarstellung und scheinheilige Beziehungen ihr Fett wegkriegen, dann pathosbeladene (Fernseh-)Thriller, die aus realen Schicksalen mit viel Willen zur Dramatik leere, reißerische Spannungsgeschichten formen.
Spannung, Spaß, Style!
All das präsentiert sich nicht nur oft gewitzt-absurd, sondern auch stets spannend und fesch ausstaffiert: Kostümgestalterin Renee Ehrlich Kalfus hüllt die Besetzung in zugespitzte, schmucke Kleidung, deren modische Ausrichtung sich noch häufiger und vielsagender wandelt als der innere Kompass der Figuren. Von verkrampft-verspielter Mami-Vlogger-Optik über schnittige Verneigungen vor Leinwandgrößen wie Katharine Hepburn, Lauren Bacall, Marlene Dietrich oder Greta Gabo wird alles stylisch ausgekostet.
Die Bildsprache, auf die Feig und Kameramann John Schwartzman setzen, kann da nicht ganz mithalten – Licht, Schatten und Kamerawinkel machen zwar das trügerische Spiel der Figuren mit, könnten zuweilen aber die satirisch-bissige Story effektiver unterstreichen. Dafür sind die schön eingerichteten Sets reich an verspielten Einfällen und der mit französischem Pop und Rock vergangener Jahrzehnte gefüllte Soundtrack ist eine Wucht. Sind viele der Songs mit ihrer munter-eingängigen Melodie und ihren verschmitzt-gewagten Texten doch ähnlich kultiviert-verspielt-listig wie die sich den einen oder anderen Cocktail in den Rachen kippenden Hauptfiguren.
Nur das Ende hätte noch eine Spur extravaganter sein dürfen (wie das leider verworfene alternative Ende auf der Blu-ray* zum Film). Aber man kann ja nicht alles haben, und wenigstens treiben die Hauptfiguren ihr Spiel nun in einem zweiten Teil weiter. Und wenn es euch nach noch mehr Eifersucht, Raffinesse sowie einer cleveren Frau im geschniegelten und gestriegelten Herrenanzug gelüstet, dann solltet ihr dringend diesen Heimkino-Tipp befolgen:
Dieses einflussreiche Meisterwerk hat das Studio hinter "Mission Impossible" gerettet – ab sofort wird es euch im Heimkino richtig einheizen!Dies ist eine überarbeitete Wiederveröffentlichung eines bereits auf FILMSTARTS erschienenen Artikels.
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