Im Laufe von „Game Of Thrones“ wurden unzählige Figuren eingeführt, gefürchtet, gefeiert – und irgendwann hingerichtet. Überraschende, brutale Tode geliebter Charaktere – das war eines der Markenzeichen des Kulturphänomens „GoT“. Manche stahlen dabei ganze Episoden, andere schlichen sich fast unbemerkt aus dem Rampenlicht.
Eine dieser vergessenen Gestalten war Grand Maester Pycelle, der von Julian Glover gespielt wurde. Ein Greis mit gebeugtem Rücken, falschem Husten – und einem Kalkül, das man ihm nicht immer zutraute. Trotz wenig Screentime innerhalb von sechs Staffeln konnte der altersschwache königliche Berater die eine oder andere ikonische Szene vorweisen.
Glover, Jahrgang 1935, war lange vor Westeros ein gefragter Theater- und Filmschauspieler. Doch seine Rolle in der HBO-Serie ließ ihm gegen Ende kaum noch Raum zur Entfaltung. Pycelle mutierte zum stummen Stichwortgeber, zur Zielscheibe für Cerseis Spott – ohne Tiefe, ohne Wendung. Das störte Glover mehr, als viele dachten...
Klare Worte von Julian Glover zum Umgang mit Pycelle
Im Interview mit IGN gab er später zu: Er verlor das Interesse an der Rolle. Die Szenen glichen sich, die Figur verharrte in einer Endlosschleife der Bedeutungslosigkeit. „Ich wollte Staffel 6 nicht mehr machen, weil ich gemerkt habe, dass man mich als Figur völlig abserviert hat [...]“, so der Schauspieler.
Ein Charakter, der einst Intrigen witterte und sich clever tarnte, wurde zur Karikatur seiner selbst. Glover ging schließlich zum Produktionsteam – mit einer klaren Bitte. „Cersei hat mich dauernd schikaniert, und ich hatte nie eine Möglichkeit, etwas zu entgegnen“, fährt er fort. „Das hat keinen Spaß mehr gemacht, also bin ich zu ihnen gegangen und habe gesagt: ‚Hört zu, ich will das nicht mehr weitermachen. Es ist uninteressant, immer wieder das Gleiche zu spielen. Und was soll mit ihm überhaupt noch passieren?‘ Wie auch immer – um es kurz zu machen: Ich bekam die Szene, und es war meine Todesszene. Und das war verdammt noch mal eine gute Szene. Genau so hatte ich mir meinen Abgang vorgestellt.“
Glover wollte also gehen. Und das nicht heimlich und verstohlen durch die Tür, sondern mit einem großen Knall – in Form eines Todes, der für Gänsehaut sorgen sollte. Und genau den bekam er!
HBO
„Game Of Thrones“ hatte viele ikonische Abgänge – aber Pycelles war besonders bitter. In einem der verstörendsten Momente der sechsten Staffel wird der alte Maester von einer Gruppe Straßenkinder ermordet. Es sind Qyburns „kleine Vögel“ – jene Spione, die einst für Pycelle selbst die Augen und Ohren waren. Die Szene ist vielen Fans vielleicht auch deshalb so im Gedächtnis geblieben, weil sie sich im Zuge von Cerceis Plan, die große Septe von Belor in die Luft zu sprengen, zur meisterlichen orchestralen Musik von Ramin Djawadi abspielt.
Der Moment ist schockierend – nicht nur wegen der Gewalt, sondern auch wegen ihrer Symbolik. Ein Greis stirbt durch Kinderhände, die er unterschätzte. Es ist ein zynisches Echo auf den Kreislauf der Macht, den „Game Of Thrones“ so oft zelebrierte: Wer heute auf dem Thron sitzt, kann morgen schon am Boden liegen.
Dabei hätte man aus Pycelle aber viel mehr machen können. Das denkt nicht nur der Schauspieler selbst, sondern auch viele (Bücher)-Fans. Er war nie bloß ein seniler Mitläufer. In frühen Staffeln blinzelte zwischen all der Trägheit ein eiskaltes Kalkül durch – das perfekte Sinnbild für die Fassade höfischer Machtspiele. Doch statt ihn weiterzuentwickeln, verschwand er leise – bis die Messer der „kleinen Vögelchen“ seines Nachfolgers Qyburn kamen...
Übrigens: Auch Margaery-Tyrell-Darstellerin Natalie Dormer hatte mit dem Werdegang ihrer Figur so ihre Probleme. Mehr dazu erfahrt ihr im nachfolgenden Artikel:
"Sie hat etwas Besseres verdient": "Game Of Thrones"-Star Natalie Dormer ist frustriert vom Ende für ihre Figur*Bei dem Link zum Angebot von Amazon handelt es sich um einen sogenannten Affiliate-Link. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision.