Es ist Zeit, sich endgültig zu verabschieden: Mit „Downton Abbey: Das große Finale“ geht nach 15 Jahren eine Ära zu Ende. 52 Episoden, verteilt auf sechs Staffeln, sowie drei Kinofilme umfasst das von Julian Fellowes erschaffene „Downton Abbey“-Universum nun – und hat Fans auf der ganzen Welt mit den Höhen und Tiefen der Crawley-Familie mitfiebern lassen.
Die tiefe Trauer um den Verlust von Violet Crawley (Maggie Smith) ist kaum verklungen, da wird die Familie bereits vom nächsten Skandal erschüttert: Lady Mary Talbot (Michelle Dockery) steht im Zentrum der gesellschaftlichen Aufregung. Sie hat der Scheidung von ihrem Ehemann zugestimmt – ein Schritt, der sie in der Londoner High Society zur Persona non grata macht und die Grundfesten von Downton Abbey ins Wanken bringt.
FILMSTARTS-Redakteurin Chantal Neumann hat den Cast von „Downton Abbey: Das große Finale“ (Kinostart: 18. September 2025) in London getroffen. Im Interview erzählten Michelle Dockery (Mary Talbot), Laura Carmichael (Edith Pelham) und Joanne Froggatt (Anna Bates), wie sich der Abschied für sie anfühlt, warum die Serie sie so lange begleitet hat – und ob es in all den Jahren vielleicht doch einen Moment gab, der noch schockierender war als eine Scheidung.
FILMSTARTS: Ihr habt euch schon einmal von „Downton Abbey“ verabschiedet – damals mit dem Serienfinale. War der Abschied beim letzten Film ein anderes Gefühl? Oder hat es den zweiten Abschied vielleicht sogar leichter gemacht?
Michelle Dockery: Es hat sich definitiv wie ein Abschied angefühlt. Wie du schon gesagt hast, gab es schon mehrere Abschiede. Aber dieser hat sich wie ein endgültiger angefühlt. Es waren wirklich schmerzhafte Momente, als wir unsere letzten Szenen gedreht haben – wirklich emotional. In der letzten Szene, die ich mit Laura Carmichael hatte, fanden wir es schwierig, uns zu beherrschen. Obwohl der Moment zwischen Mary und Edith am Ende kein richtiges Ende war, fühlte es sich natürlich trotzdem so an. Und meine allerletzte Szene überhaupt war mit Joanne Froggatt. Das war dann unser Abschied. Die Emotionen waren wirklich echt.
FILMSTARTS: In vielen lang laufenden Serien steigen Darsteller*innen irgendwann aus. „Downton Abbey“ hat auch einige Abschiede erlebt. Was hat euch dazu bewogen, von Anfang bis Ende dabeizubleiben?
Joanne Froggatt: Wir wussten nicht, dass es 15 Jahre werden würden. Wir haben zuerst nur für die ersten drei Staffeln unterschrieben. Dann haben wir Season 4 und 5 ausgehandelt. Und später wollten wir eine sechste machen. Dann kam ein Film, und wir hofften, dass es einen weiteren geben wird. Ich denke, wenn wir uns alle gehasst hätten, wären wir nicht immer wieder zurückgekommen. Es hat viel mit den Leuten zu tun. Wir haben die Zeit miteinander genossen, und gerne mit dieser Gruppen hinter und vor der Kamera gearbeitet. Wenn wir das nicht gehabt hätten, hätten wir die 15 Jahre nicht durchgehalten.
Laura Carmichael: Jeder ist so nett und herzlich und freundlich, was nicht der Regelfall ist. Es war ein wirklich schöner Job.
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FILMSTARTS: In „Downton Abbey: Das große Finale“ steht die Crawley-Familie vor neuen gesellschaftlichen Herausforderungen: Lady Mary ist geschieden. Michelle, wie überrascht warst du, als du im Drehbuch gelesen haben, dass die feine Gesellschaft nicht einmal mehr mit Mary im selben Raum gesehen werden wollte, nur weil sie eine geschiedene Frau ist?
Michelle Dockery: Es war ziemlich schockierend zu lesen, wie sehr sie deswegen aus der Gesellschaft ausgegrenzt wurde. Aber wir mussten Mary an einem Tiefpunkt sehen und sie dann wieder in die Gesellschaft zurückbringen. Es dient als eine Art zentrale Geschichte. Es ist der Einfluss, den es auf alle im Anwesend hat – ob oben oder unten – und wie sie damit umgehen.
Ein noch größerer Schockmoment
FILMSTARTS: Das ist ja nicht der erste Skandal, den es in „Downton Abbey“ gegeben hat – von Marys Nacht mit Mr. Pamuk über Ediths geplatzte Hochzeit bis hin zu Annas Zeit im Gefängnis. Welcher Moment war für euch der größte Schockmoment?
Joanne Froggatt: Es ist ziemlich schockierend, wenn jemand in deinem Bett stirbt, oder? Auch heutzutage noch. Ich meine auch die Tatsache, dass wir geholfen haben, die Leiche zu bewegen...
Michelle Dockery: Ich werde nie vergessen, Theo James' Körper über den Korridor des Highclere Castle [Anm. d. Red.: das Anwesen, welches als Drehort gedient hat] getragen zu haben. Das war ein ganz außergewöhnlicher Moment.
Joanne Froggatt: Ja, das war er. Elizabeth McGovern, Michelle Dockery und ich haben den wunderschönen und sehr talentierten Theo James durch die Gänge getragen.
FILMSTARTS: Abgesehen von euren eigenen Rollen – habt ihr eine Lieblingsfigur aus „Downton Abbey“?
Michelle Dockery: Jede Figur ist einfach toll. Aber ich war immer ein Fan von Thomas (Rob James-Collier). Ich liebe seinen Werdegang.
Laura Carmichael: Ich würde sagen, Carson. Ich finde, er ist so traditionell und fest in seinen Werten verankert. Aber er hat diese sehr weichen Seiten. Ich denke, das kommt auch von Jim Carter – wie er ist und wie er spielt.
FILMSTARTS: Die Beziehung zwischen Mary und Edith ist zweifellos besonders. Über viele Jahre war ihr Verhältnis eher schwierig, doch inzwischen scheint sich das deutlich verbessert zu haben. Würdest du dem zustimmen, Laura?
Laura Carmichael: Ja, absolut. Mary und Edith gehen jetzt viel sanfter miteinander um. Sie halten zusammen. Edith setzt ihre ganze Macht ein, um Mary zu helfen und sie wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Sie sieht einen Ausweg. Sie sieht, dass man als moderne Frau kein beschädigtes Gut ist und dass es für Mary ein Leben nach der Scheidung gibt.
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FILMSTARTS: Was würdet ihr sagen, ist die Hauptmessage von „Downton Abbey: Das große Finale“?
Joanne Froggatt: Ich liebe den Satz, den Hugh Bonneville im Film sagt: „Das Leben wird in Kapiteln gelebt.“ Das Ende dieses Films ist so hoffnungsvoll und emotional auf eine gute Art und Weise. Jede Figur hat etwas, was sie erwartet.
FILMSTARTS: Kapitel ist ein gutes Stichwort. Wenn Julian Fellowes noch einmal mit einer Idee auf euch zukäme – würdet ihr wieder mitmachen? Oder ist das Kapitel „Downton Abbey“ für euch endgültig abgeschlossen?
Laura Carmichael: Ich weiß nicht, ob er noch ein Prequel machen wird, oder etwas anderes. Aber ich glaube, für uns, für diesen Cast, ist es das Ende dieses Kapitels. Wir haben uns verabschiedet.
Nachfolgend haben wir noch den englischen Original-Trailer zu „Downton Abbey: Das große Finale“ für euch: